EM-Gespräch Alfons: "Das ist nicht Frankreich"

Frankreichs Franck Ribery hält Komiker Alfons für einen guten Franzosen - wegen seiner Skandale. Foto: AP Photo

Kabarettist Emmanuel Petervalfi, bekannt als Alfons von Puschel-TV, ist maßlos enttäuscht – weil Ribéry & Co. keine EM-Skandale liefern.

 

AZ: Monsieur Alfons, in Deutschland gibt es die Redewendung, wie „Gott in Frankreich” zu leben. Sie als Vorzeige-Franzose, wie leben denn die Götter bei Ihnen so?

EMMANUEL PETERVALFI (ALFONS): (lacht) Ihr seid manchmal ein komisches Volk, ihr Deutschen. Ich habe nie verstanden, wie es zu dieser Redewendung kam. Ehrlich gesagt glaube ich, dass es gar keinen Gott in Frankreich gibt. Die Bibel wird bei uns etwa kaum gelesen, die ist fast ein Ladenhüter. Es gibt nur eine Stelle in der Bibel, die uns anspricht. Das ist der Moment, wo Jesus Christus Wasser in Rotwein verwandelt. Das finden wir gut. Da trifft die Bibel das französische Lebensgefühl, ansonsten gibt es da so viele Gebote und Verbote. Das ist mehr was für euch Deutsche. Wir sind eher ein gottloses Volk.

Wie sieht es mit Fußballgöttern aus?

Die gibt es, aber was unsere Herren Fußballer da im Moment bei der EM abliefern, das ist eine Frechheit, das hat nichts Göttliches, das hat nichts Französisches!

Wieso das denn? Frankreich überrascht bisher mit Erfolgen und steht vor dem Einzug ins Viertelfinale!

Eben, eben! Ich muss sagen, dass ich - und mit mir ganz viele Landsleute – sehr verstört sind über das, was da abgeht. Wir sind sehr enttäuscht von der Leistung unserer Nationalmannschaft bei dieser EM. Es ist eindeutig zu merken, dass sie versucht haben, zu gewinnen, dass sie versucht haben, Tore zu schießen. Das ist nicht Frankreich! Damit wollen wir nichts zu tun haben, das sind keine guten Repräsentanten unseres Landes. Wir lieben es, wenn unser Team streikt, die ganze Welt schaut dann auf uns und denkt: Mon Dieu, diese Franzosen! Da geht unser Herz auf. Der jetzige Ansatz, dieses gewinnen wollen, das ist...

...zu deutsch?

Oui! Zu deutsch, zu normal. Franck Ribéry, das war gut, das war unser Stolz mit seinen Skandalen, mit leichten Mädchen. Das sind Dinge, die wir von unseren Fußballern erwarten. So achtet und ehrt uns die Welt. Ribérys Fußball? Er spielt gut. So gut, dass man sich schon fragen kann, ob er nicht deutsche Ahnen hat. Aber wer wird sich da in ein paar Jahren noch dran erinnern? Seine Legende hat er mit den Skandalen gemacht. Puffskandale, Exzesse – so müssen unsere Kicker sein, nicht Toreschießen und all diesen Quatsch. Jede Nation soll ihre Stärken ins Spiel bringen. Die Deutschen sollen arbeiten und wir Skandale machen. Davon aber bringen wir zu wenig. Viel zu wenig. Ribéry hingegen hat mit seiner Leistung außerhalb des Platzes wie ein Musketier gelebt.

Einer für alle, alle für einen?

Das passt doch auch auf die Situation sehr gut, ja.

Was sind denn in Ihren Augen französische Tugenden?

Wir wollen durch Puffskandale und Castor-Transporte erstrahlen! Sonst nichts!

Und die berühmten deutschen Tugenden?

Korrektsein, sich an Regeln halten, Toreschießen, an jeder roten Ampel anhalten, selbst wenn sie gar nicht für einen selber aufscheint.

Sie sprachen den Streik bei der WM 2010 an...

Das war ein Highlight. Nicht dieses Getue von Brüderlichkeit und Einigkeit, wir wollen uns streiten – und streiken.

Was hält denn der Franzose von Sexverboten für die Spieler, die bei solchen Turnieren oft verhängt werden?

Vielleicht war das ja der Hintergrund für den Streik. Aber wissen Sie, wenn der Franzose versucht, Regeln aufzustellen, dann hält sich sowieso keiner dran. Vielleicht halten sich die Deutschen noch zusätzlich an die Regeln, die sich Franzosen für die Franzosen ausgedacht haben, euch also eigentlich nichts angehen. Wir kümmern uns nicht drum. In Frankreich gibt es einen Ausdruck nach dem wir leben: Le bordel.

Klingt ferkelig.

Auch wenn es so klingt, das hat nichts mit einem Puff zu tun. Wenn Sie mir nicht glauben, fragen Sie Ribéry. Le bordel, das ist das Chaos. Wir Franzosen sind das Chaos.

Der Fußballer, der mit Mitte 30 in Rente geht, ist ein bisschen das Ideal des Franzosen vom Arbeitsleben, oder?

Da wollen wir hin. Im Moment mit 60, da ist man schon alt und kaputt. Rente mit 34 und dann das Leben genießen, während die Deutschen für uns arbeiten, ist ein tolles Modell. Daran arbeiten wir, aber wir wollen das noch nicht zu öffentlich machen, sonst machen die Deutschen nicht mit. Die arbeiten ja gerne, wir machen lieber Liebe.

Gerade haben die Franzosen Präsident Nicolas Sarkozy aus dem Amt gewählt, der ja mit Bundeskanzlerin Angela Merkel eine starke Achse in Europa gebildet hat.

Als Franzose bin ich froh, dass er weg ist, als Kabarettist muss ich sagen: Ein großer Verlust. Man musste nur den Namen Sarkozy sagen und schon haben sich die Leute kaputtgelacht. Da konnte man den Abend mit einem einzigen Wort bestreiten. Sarkozy. Das war so wie bei euch mit Guido Westerwelle. Bei den beiden kommen sogar bei Merkel die Mundwinkel hoch.

Frankreich ist für seine gute Küche berühmt, was halten Sie von der deutschen?

Ich finde die gar nicht so schlecht. Hie und da eine gute deutsche Spezialität zu essen, macht mir Spaß. Der Döner steht bei mir da hoch im Kurs.

Für den WM-Titel werden Sterne vergeben. Welcher Stern ist wichtiger, der für den WM-Titel oder Michelin-Sterin für gute Küche?

Da gibt’s keinen Streit. Ihr kriegt so viele Fußball-Sterne wie ihr wollt, solange fressen wir uns mit gutem Essen voll. Wir tauschen dafür sogar den WM-Stern, den wir haben.

 

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