EM-Auslosung Löw nimmts gelassen: "Ich freue mich"

Diesen Pokal hat er im Visier: Bundestrainer Joachim Löw am Freitag bei der Auslosung im Kulturpalast Ukrainia in Kiew. Foto: dpa/Thomas Eisenhuth

DFB-Elf: Der Weg zum ersehnten EM-Titel 2012 führt über die Hammergruppe mit Holland, Dänemark und Portugal. Bundestrainer Löw nimmt’s gelassen.

 

Kiew - Nein, geschockt hat der Bundestrainer zu keinem Zeitpunkt gewirkt an diesem Freitagabend im Kulturpalast Ukrainia in Kiew. Auch das danach einsetzende Gerede von der Hammergruppe, von der Todesgruppe gar, an Joachim Löw perlten derlei Expertisen einfach ab. Dabei hatte seine Mannschaft soeben folgende Gegner für die EM-Endrunde im kommenden Sommer zugelost bekommen: Niederlande, Dänemark und Portugal.

Und was sagte Löw? „Wir nehmen es, wie es kommt. Wir haben keine Angst.“ Warum auch? Zuletzt hatte seine Mannschaft, die sich ungeschlagen für die Titelkämpfe qualifiziert hat, den Erzrivalen und Vize-Weltmeister Niederlande in Hamburg mit 3:0 abgefieselt. Portugal hingegen hat sich – trotz Superstar Cristiano Ronaldo – erst in der Relegation gegen Bosnien-Herzegowina zur EURO 2012 nach Polen und in die Ukraine gezittert. Und Dänemark? „Immer unbequem“, sagte Löw. Aber Weltstars stehen dem dortigen Nationaltrainer Morten Olsen wahrlich nicht zur Verfügung. Somit hatte Löw Recht, als er sagte: „Ich glaube, dass es die ausgeglichenste Gruppe ist. Ich freue mich auf interessante Duelle. In Topform haben wir allerdings berechtigte Chancen.“

Berechtigte Chancen, endlich nach 1996 im Londoner Wembley-Stadion wieder Europameister zu werden, endlich wieder einen großen Titel zu holen. So sahen es auch einige Helden von damals. „Auf den ersten Blick eine schwere Gruppe, aber mit der richtigen Einstellung sind alle Mannschaften zu schlagen“, erklärte etwa Stefan Kuntz. Und weiter: „Portugal ist in den letzten Jahren die Turnierklasse schuldig geblieben, Dänemark ist schlagbar und den Klassiker gegen Holland hatten wir ja erst bestanden.“ Auch der ehemalige Bayern-Star Thomas Helmer, ebenfalls Titelträger 1996, meinte: „Ich sehe sehr gute Chancen für uns. Aber das hätte ich wahrscheinlich bei jeder Gruppe gesagt, weil wir eine sehr gute Mannschaft haben. Es ist besser, volle Pulle anzufangen.“

Auch Löw peilt bekanntermaßen den Titel an – unabhängig von der schwierigen Vorrundengruppe und unabhängig von den langen Reisen. Denn das EM-Quartier im Luxushotel „Dwor Oliwski“ in der Nähe der polnischen Metropole Danzig ist längst gebucht. Die Vorrunde jedoch bestreiten Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Co. komplett in der Ukraine. Der EM-Startschuss fällt fürs DFB-Team am 9. Juni (20.45 Uhr) in Lwiw – gegen Portugal. Vier Tage später kommt es im noch weiter östlich gelegenen Charkow (20.45 Uhr) zum Klassiker gegen die von Bert van Marwijk gecoachten Niederlande. Die nächste Reise führt wieder nach Lwiw: am 17. Juni (20.45 Uhr) tritt der Mitfavorit gegen Dänemark an.

Doch auch diese Miles & More-Vorrunde konnte den selbstbewussten Bundestrainer zu nicht mehr als einem Schulterzucken bewegen. „Wir müssen eh fliegen zu den Spielen“, sagte Löw lächelnd, „die Flugzeiten sind nicht allzu lange.“ Umso länger will der Coach mit seiner Mannschaft im Turnier bleiben. „Jeder weiß, dass den Titel nur holen kann, wer zur richtigen Zeit in Topform ist und bei dem alles passt.“ Dafür will er sorgen. jos

 

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