EM 2012 So sehr liebt Podolski seinen polnischen Heimatverein

Noch spielt der Stürmer für Deutschland. Seine Karriere beenden will Lukas Podolski aber bei Gornik Zabrze, dem einzigen polnischen Verein, der schon ein Europapokalfinale erreichte. Foto: dpa

Gornik Zabrze ist Lukas Podolskis große Liebe – In seinem polnischen Heimatverein will der Stürmer irgendwann seine Karriere beenden. Die Gornik-Fans erwarten ihn sehnsüchtig.

Danzig - In der Mitte des Trophäenschranks steht das Original des polnischen Pokals, den der Verein nach seinem dritten Pokalerfolg nacheinander behalten durfte. Daneben befinden sich Geschenke von AS Rom und Manchester City. Alles Erinnerungen an das glorreiche Jahr 1970. Damals gewann Gornik Zabrze nicht nur den Pokal, sondern erreichte als erster und bisher einziger polnischer Verein ein Europapokalfinale. Nach einem denkwürdigen Halbfinale gegen AS Rom, das nach dem dritten Spiel durch einen Münzwurf entschieden werden musste, unterlag Gornik im Endspiel des Pokals der Pokalsieger Manchester City mit 1:2.

„Wir leben von der Vergangenheit“, sagt Stanislaw Oslizlo, der für Gornik so etwas ist wie Franz Beckenbauer für Bayern München, und blickt sehnsüchtig auf die Trophäen. Bis heute ist der Traditionsverein aus der oberschlesischen Industriestadt mit 14 Meistertiteln und sechs Pokalerfolgen der erfolgreichste Fußballverein Polens. Erfolge jedoch, die lange her sind. Seine letzte Meisterschaft konnte Gornik 1988 gewinnen.

Nichtsdestotrotz gehört Gornik, was auf Polnisch Bergmann bedeutet, bis heute zu den beliebtesten Vereinen des Landes, der sich auf eine sehr namhafte Anhängerschaft stützen kann. Der ehemalige Skispringer Adam Malysz, der Torhüter Jerzy Dudek, der mit dem FC Liverpool 2005 die Champions League gewann, und Ex-Präsident Aleksander Kwasniewski sind nur einige der polnischen Promis, die auch hierzulande ein Begriff sind. Doch der aus deutscher Sicht bekannteste Fan von Gornik Zabrze ist der deutsche Nationalspieler Lukas Podolski.

Podolski glänzt mit seinem Wissen über Gornik

„Lukas kommt uns jedes Jahr besuchen. Immer wenn er bei seiner Familie weilt“, sagt der ehemalige Gornik-Kapitän Oslizlo, der heute als Berater des Vereinsvorstands tätig ist. „Dann empfangen wir ihn hier im Trophäenraum und unterhalten uns“, so Oslizlo. Dass „Poldi“ Gornik-Fan ist, wundert ihn nicht. „Er kommt aus dem Gleiwitzer Stadtteil Sosnica. Und da halten alle zu uns, anstatt zu Piast Gleiwitz.“

Wie groß seine Sympathie für Gornik ist, hat Podolski oft gezeigt. Als der Verein 2009 in die 2. Liga absteigen musste, nannte er den Abstieg eine „Katastrophe“. Als Gornik nach einer Saison den Wiederaufstieg schaffte, schickte Podolski den Verantwortlichen von der Weltmeisterschaft in Südafrika eine Glückwunsch-SMS. Und in seinen Interviews für die polnische Presse glänzt er durch sein Wissen über das aktuelle Geschehen bei Gornik.

Was nicht verwunderlich ist. Bis zum Sommer 2011 spielte hier der ehemalige Stürmer der Amateure von Bayern München Daniel Sikorski, der auf Empfehlung seines Freundes Podolski ablösefrei nach Zabrze kam. Für den klammen Verein ein Glücksgriff. Schon nach einem Jahr holte der Millionär Jozef Wojciechowski den Spieler für 400.000 Euro zu seinem Klub Polonia Warschau.

Gornik-Fans träumen von einer Poldi-Heimkehr

Doch die größte Liebesbekundung an den Bergarbeiterverein ist Podolskis seit Jahren wiederholte Erklärung, seine aktive Laufbahn bei Gornik beenden zu wollen. Auch Oslizlo hat diese Beteuerungen persönlich von dem deutschen Nationalspieler gehört. Als ehemaliger Fußballer betrachtet er diese jedoch nüchtern. „Der Junge ist noch im besten Fußballeralter. Wenn er von schweren Verletzungen verschont bleibt, was ich ihm vom ganzen Herzen wünsche, dann wird er noch einige Zeit auf hohem Niveau spielen – und das bei Topvereinen. Wenn er also zu uns kommen sollte, dann höchstens nur als Fußball-Rentner“, so Oslizlo.

Für viele Gornik-Fans dennoch kein Grund, nicht schon heute von dem deutschen Nationalspieler zu träumen. „Das wäre super, wenn Podolski nach seiner Zeit beim FC Arsenal zu uns kommen würde“, sagt Jan Skrzypek. Jeden Tag kommt der Rentner zum Vereinsgelände, um die Fortschritte beim Stadionneubau zu begutachten. „Podolski, hier in dem neuen Stadion. Das könnte wieder der große Gornik werden“, träumt Skrzypek.

„Bei uns haben früher immer nur die besten Spieler der Region gespielt. Und Lukas ist einer von uns. Er ist ein Oberschlesier“, sagt Skrzypek zum Abschied. „Deshalb ist es nur logisch, dass er hier seine Karriere beendet. Beim erfolgreichsten Verein Polens.“

 

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