Ellen Lohr und Co. Frauen im Motorsport: "Eine brutale Macho-Welt"

Als erste und bislang einzige Frau gewann Ellen Lohr 1992 am Hockenheimring. Foto: imago

Motorsport ist eine Männerdomäne – dabei fuhr schon vor 50 Jahren eine Frau in der Formel 1 mit. Zum Durchbruch kam es bislang aber nicht. Die AZ stellt bekannte Akteurinnen aus DTM & Co. vor.

 

München Frauen machen Politik, Frauen werden Fußball-Weltmeister und Frauen fliegen Jumbojets. Nur im Motorsport kommen sie nicht vom Fleck. Dort dominieren die Männer. Aber woran liegt das? Ist die PS-Welt für Frauen zu gefährlich? Sogar lebensgefährlich, wie der Tod von Maria de Villota in diesen Tagen zeigt? Die Spanierin starb ein Jahr nach ihrem schrecklichen Unfall bei Formel-1-Testfahrten an einem Schlaganfall, offenbar eine Spätfolge ihres Crashs. Die AZ geht der Frage nach, wann Frauen in der Formel 1 und der DTM endlich eine faire Chance bekommen.

Für Ellen Lohr (48) ist es ein weiter Weg bis zur Gleichberechtigung im Motorsport. „Das ist immer noch eine brutale Macho-Welt. Für Frauen ist es extrem schwer, da reinzukommen”, sagt die Mönchengladbacherin, die 1992 in Hockenheim als erste und bislang einzige Frau ein DTM-Rennen gewinnen konnte. Es kämen so viele gute Mädels nach, deshalb gebe sie auch die Hoffnung nicht auf: „Es ist zuerst allerdings ein Umdenken erforderlich, und das sehe ich kurzfristig nicht.”

Die wohl einzige Frau, die sich bislang einen Stammplatz auf der großen Motorsport-Bühne erkämpft hat, ist die Amerikanerin Danica Patrick (31). Als erste Frau siegte sie 2008 bei einem IndyCar-Rennen. So etwas sollte bald in der Formel 1 möglich sein, sagt Lohr: „Nehmen wir eine Susie Stoddart. Lasst sie in der Formel 1 fahren, und sie wird ganz bestimmt eine zweite Danica Patrick.”
Sieben Jahre fuhr Stoddart in der DTM, schaffte dort aber nicht den Durchbruch. Egal, ob mit Jahres- oder aktuellen Autos, sie war meist am Ende des Feldes zu finden. Inzwischen ist die 30-Jährige als Entwicklungsfahrerin beim Formel-1-Team Williams engagiert und mit Mercedes-Sportchef Toto Wolff verheiratet. Trotzdem hat sich ihr Traum vom Formel-1-Cockpit noch nicht erfüllt.

Ellen Lohr geht mit der DTM hart ins Gericht. Dort hätten Frauen niemals eine faire Chance bekommen. Egal, ob Vanina Ickx (38), Tochter von Formel-1-Legende Jacky Ickx, Rahel Frey (Schweiz/27) oder Stoddart. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass man vor der Saison einer Frau gesagt hat: Du wirst jetzt Meister. Da würde eine Fahrerin ganz anders gefördert und behandelt”, sagt sie. Diesen Ansatz hätte es nie gegeben. Weder bei Mercedes noch bei Audi: „Deshalb hatten all diese Mädels in der neuen DTM von vornherein keine Chance.”

Die deutsche Motorsport- Legende Hans Joachim Stuck will sich für die Frauen stark machen. „Früher hat man gesagt: Frau am Steuer, jetzt wird’s teuer. Doch die Zeiten sind längst vorbei”, meint er. Als Präsident des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) kann und will der Strietzel auch in der Frauen-Frage einiges bewirken. An den physischen Anforderungen könne es nicht liegen. Die seien früher viel größer gewesen.

„Frauen fliegen heute Jumbo-Jets. Und das ist sicher anstrengender als ein Formel-1-Auto zu fahren. Wir haben Frauen in der Armee, und wir haben eine Frau als Bundeskanzler. Warum also keine Frau in der Formel 1? Das ist mir ein Rätsel”, sagt Stuck. Volle Zustimmung erhält er von Lohr: „Dass Frauen nicht die körperlichen Voraussetzungen mitbringen, ist lachhaft. Schaut euch nur die Herren Formel-1-Fahrer an, die sind alle gerade mal 1, 70 Meter groß. Das sind keine Kleiderschränke, sondern ganz schmale Kerlchen.”

Die nackten Zahlen sind vernichtend. In 64 Jahren Formel-1-WM schaffte es nur eine einzige Frau in die Punkteränge. Die Italienerin Lella Lombardi landete 1975 beim Großen Preis von Spanien auf Rang sechs. Da das Rennen aber abgebrochen wurde, gab es für sie nur einen halben Punkt. Lombardi, die für March und Brabham insgesamt zwölf Grand Prix fuhr, starb 1992 nach schwerer Krankheit.

1992 war es, als die bislang letzte Frau in der Formel 1 Fuß fassen wollte. Giovanna Amati war hübsch, aber nicht sehr talentiert. Affären mit Niki Lauda und Flavio Briatore öffneten ihr die Tür zum Fahrerlager. Dreimal versuchte sie sich vergeblich für ein Rennen zu qualifizieren. Dann war der Spuk vorbei und Amati packte ihre Sachen. Insgesamt versuchten sich fünf Frauen in der Formel 1. Die erste war Maria Teresa de Filippis aus Neapel. Als die heute 86-Jährige 1958 in Spa an den Start ging, gab es einen Aufschrei in der Männer-Welt. Und daran hat sich trotz aller Beteuerungen bis heute offenbar nicht allzu viel geändert.

 

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