Elfenbeinküste Schlacht um Abidjan steht bevor

Im Staat Elfenbeinküste rüsten die Truppen des Wahlsiegers Alassane Ouattara zur Entscheidungsschlacht um die Wirtschaftsmetropole Abidjan.

 

Kapstadt/Paris/Nairobi/Abidjan - Der designierte Ministerpräsident, der ehemalige Rebellenführer Guillaume Soro, sagte am Montag im Fernsehsender TCI, die seit Tagen umkämpfte Hafenstadt sei "reif für eine Schnelloffensive". Die Truppen des noch amtierenden Präsidenten Laurent Gbagbo, der sein Amt trotz Wahlniederlage nicht aufgeben will, seien "in Panik".

Auch am Montag verließen die meisten der rund vier Millionen Einwohner der größten Stadt des Landes nur in Notfällen ihre Häuser. Am Vorabend hatte der international anerkannte Wahlsieger Ouattara mitteilen lassen, dass seine Truppen in Kürze die letzten verbliebenen Stellungen des Machthabers Gbagbo stürmen wollten.

Obwohl Ouattaras Republikanische Truppen (FRCI) Abidjan seit Tagen umzingelt haben, hält der Widerstand der Gbagbo-Truppen an, die sich in mehreren Stadtteilen verschanzt haben. Ouattaras Truppen kontrollieren außerhalb Abidjans den größten Teil des westafrikanischen Landes.

Weiter unklar blieben die Hintergründe des Blutbades in Duékoué im Westen der Elfenbeinküste. Die Hilfsorganisation Caritas sprach am Wochenende von einem "Massaker" mit 1000 Toten. Das Internationale Rote Kreuz (IRK) hatte am Donnerstag die Toten auf den Straßen des Ortes gefunden. Nach IRK-Angaben seien etwa 800 Menschen vermutlich am Dienstag getötet worden, einen Tag nach dem Einmarsch von Ouattaras Truppen.

Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der Flüchtlinge im Land auf insgesamt eine Million. Aus Sorge um die mehr als 12 000 Franzosen in der Elfenbeinküste beschloss Paris weitere Maßnahmen zu ihrem Schutz. "Es handelt sich um keine allgemeine Evakuierung, sondern eher um eine Sicherung", sagte der französische Botschafter in der Elfenbeinküste, Jean-Marc Simon, dem TV-Sender BFM. Alle Landsleute würden an sichere Orte gebracht, betonte das Verteidigungsministerium in Paris. Die in dem westafrikanischen Staat stationierten 1500 französischen Soldaten werden den Angaben nach um weitere 150 Mann verstärkt.

Etwa 30 Deutsche befinden sich nach Schätzung des Auswärtigen Amts in Berlin noch in dem krisengeschüttelten Land. Die meisten der ursprünglich rund 200 Bundesbürger hätten das Land inzwischen verlassen, sagte eine Sprecherin in Berlin der Nachrichtenagentur dpa. Auch die UN-Mission in Abidjan evakuierte am Montag zahlreiche Zivilangestellte aus der umkämpften Stadt.

Der Chef der Streitkräfte, General Phillippe Mangou, verließ am Montag nach fünf Tagen in Abidjan wieder die südafrikanische Botschaft. Dies bestätigte das südafrikanische Außenministerium. Mangou war am Mittwoch in die Botschaftsresidenz geflüchtet. Der Armeechef war bis zuletzt loyal zu dem im November abgewählten Präsidenten Gbagbo. Es war zunächst unklar, ob der Armeechef zu Gbagbo zurückgekehrt ist.

Die Bevölkerung Abidjans leidet unterdessen immer stärker unter Unsicherheit, Lebensmittelknappheit und Plünderungen. UN-Vertreter zeigten sich tief besorgt über die zunehmende humanitäre Krise und appellierten an die Konfliktparteien, ihnen Zugang zu notleidenden Einwohnern zu ermöglichen.

 

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