Ekström gewinnt in Spielberg DTM-Skandal bei Audi: Abschuss-Befehl per Funk?

Pascal Wehrlein im Kiesbett. Kurz zuvor hatte Timo Scheider den bis da hin Gesamtführenden von der Strecke gerammt. Foto: dpa

Mattias Ekström gewinnt das DTM-Rennen in Spielberg - aber diskutiert wird schon Sekunden danach über eine Szene weiter hinten. Denn der bisherige Spitzenreiter Pascal Wehrlein beendet das Rennen im Kiesbett - nach einem verdächtigen Spruch im Funk seines Verfolgers.

 

Spielberg - Audi-Pilot Mattias Ekström feierte den 21. Erfolg seiner Karriere und den Sprung an die Spitze des DTM-Klassements mit einem freiwilligen Dreher im Ziel. Die herausragende Leistung des 37 Jahre alten Schweden wurde aber von einem Vorfall in der letzten Runde getrübt. Robert Wickens und der bisherige Spitzenreiter Pascal Wehrlein wurden in ihrem Mercedes von Audi-Mann Timo Scheider von der Strecke geschoben. In der ARD-Übertragung hörten die TV-Zuschauer Sekunden zuvor folgenden Funkspruch: "Timo, schieb ihn raus."

Wut über angeblichen Abschuss-Befehl

"Wenn es den Funkspruch gab, dann sollte derjenige, der das gemacht hat, nie wieder auf eine Rennstrecke dürfen", schimpfte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff im Anschluss. "Das tut man nicht. Den Meisterschaftsführenden abzuschießen ist indiskutabel und unter jeder Würde." Dass Mercedes-Pilot Gary Paffett vor Audi-Mann Edoardo Mortara Zweiter wurde, interessierte in den Minuten nach dem Rennen kaum noch.

Ausgerechnet Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich bekannte sich zu dem Satz - bestritt aber, Scheider damit einen Auftrag gegeben zu haben. "Ich rede normalerweise nicht zu den Fahrern. Das geht normal über die Ingenieure. Aber ich habe mich geärgert und dann laut gebrüllt: Ja schieb ihn halt raus. Es kann sein, dass da ein Funk offen war", sagte er in der ARD. Der zweimalige DTM-Champion Scheider sagte, er habe den Funkspruch gar nicht gehört und sei Wickens unabsichtlich ins Heck gefahren, weil dieser bei schwierigen Sichtverhältnissen früher gebremst habe als erwartet.

Wehrlein, der nach seinem zweiten Platz am Samstag als Spitzenreiter ins zehnte Saisonrennen gestartet war, durfte sich auf Ansage von Mercedes unmittelbar nach dem Unfall nicht öffentlich äußern. Wickens und er hatten sich zuvor gegenseitig dabei geholfen, im Kampf um Platz fünf an Scheider vorbeizukommen. Der Kanadier Wickens sagte: "Er haut uns beide raus. Das ist nicht fair."

Ekströms Sieg tritt in den Hintergrund

Die Leistung Ekströms rückte durch diese Szene in den Hintergrund. Nachdem der Schwede mehr als drei Jahre auf die 20. Pole Position seiner Karriere warten musste, brauchte er auch im Wettkampf zunächst viel Geduld. Wegen anhaltender Regenfälle und viel Wasser auf der Straße wurde das Rennen erst um zehn Minuten verschoben und dann hinter dem Safety Car gestartet.

"Das ist nur eine Zahl. Ich fühle mich nicht wie der älteste im Feld", hatte Ekström nach der Qualifikation gesagt und auf den Vorteil seiner großen Erfahrung verwiesen. Mit all seiner Routine pflügte er dann auch über den Red Bull Ring und war nach der Hälfte des 60-Minuten-Rennens scheinbar schon so weit weg, dass auch der Pflichtboxenstopp keine Gefahr für Platz eins darstellte.

Verfolger Paffett aber bekam von seinem Renningenieur laufend die Zwischenzeiten und die Ansage, weiter anzugreifen. "Keep pushing, keep pushing" ("Drück weiter"), dröhnte es am Funk. 15 Minuten vor Schluss trennten beide nur noch etwas mehr als drei Sekunden, bei noch acht Minuten waren es etwas mehr als zwei Sekunden - aber es reichte nicht mehr. Die übellaunigen Gesichter der Mercedes-Verantwortlichen hatten aber einen ganz anderen Grund.

 

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