Eklat vor der Presse Guttenberg: Zu "feig" für die Öffentlichkeit?

Guttenberg am Freitag vor ausgewählten Journalisten. Foto: dpa/AP

In der Bevölkerung ist der Verteidigungsminister beliebter als alle anderen Politiker. Und er liebt die Öffentlichkeit. Normalerweise. Denn zur Abwehr der Vorwürfe, er habe für seine Doktorarbeit bei anderen Autoren geklaut, schloss er viele Medien aus. Ein Eklat.

 

Berlin - Dieser Zwischenfall dürfte wohl einmalig in der über 60-jährigen Geschichte der Bundespressekonferenz sein: Verärgert über das Verhalten von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg haben mehrere Dutzend Hauptstadtkorrespondenten am Freitag unter Protest die Regierungspressekonferenz verlassen. Zurück blieben die verdutzten Sprecher von Kanzleramt und Ministerien. Was war passiert?

Schon am Morgen gab es Berichte darüber, dass der CSU-Politiker sich im Laufe des Tages zu den Vorwürfen äußern wolle, er habe Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ihm eine öffentliche Stellungnahme nahe gelegt, hieß es. Die Redaktionen warteten auf eine offizielle Bestätigung – bis zum Beginn der routinemäßigen Regierungspressekonferenz um 11.30 Uhr vergeblich. In der Bundespressekonferenz – dem Verein der Hauptstadtjournalisten mit rund 900 Mitgliedern – versammelten sich deswegen die Parlamentskorrespondenten, um bei der Regierungspressekonferenz weitere Informationen zu ergattern.

Dreimal pro Woche stehen Sprecher von Regierung und Ministerien hier Rede und Antwort. Erst unmittelbar vor Beginn tauchte Guttenbergs Sprecher Steffen Moritz auf. Erst auf Nachfrage schließlich die Bestätigung: Sein Ressortchef gebe eben in diesen Minuten "vor ausgewählten Medienvertretern" eine Erklärung zu den Plagiatsvorwürfen im Ministerium ab, sagte Moritz. Dort waren vor allem Kamerateams, die ohnehin vor dem Bendlerblock gelungert hatten.

"Dieses Verfahren halten wir nicht für fair", empörte sich der Vorsitzende der Bundespressekonferenz Werner Gößling. Die Journalisten applaudierten, Gemurmel im Saal. Dieter Wonka von der "Leipziger Volkszeitung" fragte Moritz, was wahrscheinlich alle dachten: Warum der Minister "so ein Feigling ist" und eine Erklärung nur vor wenigen Kameraleuten verlese, anstatt sich der Hauptstadtpresse zu stellen und Fragen zu beantworten.

Er wolle das nicht kommentieren, murmelte der Sprecher. Der Minister habe sich "entschieden, wie er sich entschieden hat". Wonka versuchte es erneut und wandte sich diesmal an Merkels Sprecher Steffen Seibert. Ob die Kanzlerin Guttenberg geraten habe, die Presse "auf diese feige Art" zu unterrichten. Der Regierungssprecher – vor wenigen Monaten selbst noch Journalist – bestätigte lediglich, dass es am Donnerstagabend im Kanzleramt ein "vertrauliches Gespräch" gegeben habe, und fügte hinzu, dass der Minister "sicherlich keine Aufforderung oder Ratschläge" der Kanzlerin brauche.

Über die "Uhrzeit" der Ministererklärung wollte er keine Wertung abgeben. In der Zwischenzeit hatte sich Guttenberg bereits geäußert, die Vorwürfe zurückgewiesen, zugleich Fehler eingeräumt und angekündigt, vorübergehend den Doktortitel nicht mehr zu führen.

Bei den versammelten Sprechern war diese Botschaft aber noch nicht angekommen, sie wollten Themen vorschieben. Zwtl: "Brüskierung sondergleichen" Als Seibert zur Verlesung der Merkel-Termine ansetzte, platzte den Journalisten der Kragen. Es sei eine "Brüskierung sondergleichen", dass nicht einmal die Erklärung Guttenbergs verlesen werde, schimpfte Wonka. Man sei doch keine "Staffage" für Terminankündigungen.

Beinahe alle Journalisten verließen genervt den Saal. Nachdem der Regierungssprecher die Termine der Kanzlerin den wenigen übriggebliebenen Zuhörern vortrug, wurde die Veranstaltung schließlich abgebrochen – nach zehn Minuten.

Am Mittag schickte der Vorstand der Bundespressekonferenz per Boten einen Brief an den Verteidigungsminister, in dem "auf das Schärfste" gegen seine Informationspolitik protestiert wird. "Wir erwarten, dass Sie sich möglichst bald den Fragen der Hauptstadtpresse stellen."

Das scheint der fränkische Freiherr bislang nicht zu planen. "Jede weitere Kommunikation über das Thema werde ich von nun an ausschließlich mit der Universität Bayreuth führen", sagte er. Doch dürfte es schwer für Guttenberg werden, sich in den kommenden Tagen den Medien zu entziehen.

 

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