Eishockey-WM in Prag Auch Dennis Seidenberg sagt ab

Nach Christian Ehrhoff (rechts) ist nun auch Dennis Seidenberg (links) nicht bei der WM in Prag dabei. Foto: dpa

Vor der WM-Generalprobe gegen Slowenien werden die Personalprobleme für Bundestrainer Pat Cortina größer. Am Dienstag sagte auch noch NHL-Superstar Dennis Seidenberg ab.

 

Berlin - Von vier WM-Absagen an einem Tag war die von NHL-Star Dennis Seidenberg die bitterste. Fast drei Wochen hatte der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) um die erste WM-Teilnahme des Verteidigers der Boston Bruins seit 2008 gekämpft - vergebens.

Drei Tage vor dem Beginn der Weltmeisterschaft in Tschechien (1. bis 17. Mai) kam am Dienstag endgültig das Nein aus Boston. Eine Handgelenkverletzung des Stanley-Cup-Siegers von 2011 war am Tag vor der WM-Generalprobe gegen Slowenien in Berlin ungefähr das letzte, was Cortina angesichts von inzwischen 21 WM-Absagen noch brauchen konnte.

Am selben Tag verkündete der DEB auch die Absagen von NHL-Stürmer Marcel Goc und den beiden verletzten Mannheimern Denis Reul und der Neu-Münchner Frank Mauer. "Hinsichtlich meiner sportlichen Zukunft möchte ich die Verletzung auskurieren, um dann wieder gesund in die nächste NHL-Saison starten zu können", sagte Seidenberg am Dienstagnachmittag der Deutschen Presse-Agentur - offenbar ohne dies zuvor auch Cortina mitgeteilt zu haben.

In Berlin wusste man beim DEB jedenfalls noch von nichts. Cortina hatte wenige Minuten zuvor noch auf Seidenberg gehofft. Schon da war Cortina aber die problematische Personalsituation bewusst. "Wenn ich sagen würde, das macht mir keine Sorgen, würde ich lügen", sagte Cortina der dpa.

Im Spiel am Mittwoch gegen das Team des zweimaligen Stanley-Cup-Siegers Anze Kopitar bleibt Stürmer Tobias Rieder von den Arizona Coyotes somit der der einzige NHL-Spieler im Kader. "Bei Marcel Goc läuft im Sommer der Vertrag aus. Sein Traum ist es, noch einen Vertrag in der NHL zu bekommen. Da ist ihm dann das Verletzungsrisiko zu groß", erläuterte DEB-Präsident Franz Reindl die Absage Gocs.

Besonders problematisch ist die Situation vor dem ersten deutschen WM-Spiel am Samstag gegen Frankreich (16.15 Uhr/Sport 1) aber in der Abwehr. Auch deswegen warteten Cortina und der DEB bis zuletzt auf Seidenberg, für den die NHL-Saison schon seit dem 11. April vorbei ist. Und deswegen ließ Cortina sogar Reul trotz dessen Absage noch ein Hintertürchen offen: Er wolle dem Adler-Meisterspieler noch ein paar Tage Zeit geben.

Im vorläufigen WM-Kader tauchte Reul trotzdem nicht auf. Zuvor hatte bereits der WM-Kapitän von 2014, Berlins Frank Hördler, ebenso abgesagt wie Ex-NHL-Profi Alex Sulzer von den Kölner Haien und dessen Clubkollege Torsten Ankert. "Ich glaube an die Jungs, die ich habe. Es kann sowieso keine Entschuldigung sein", meinte Cortina, dessen Vertrag nach der WM endet und wohl nur bei einem herausragenden WM-Ergebnis noch verlängert wird.

Alles andere als der Klassenverbleib scheint angesichts der Personalproblematik derzeit aber utopisch zu sein. "Uns bleibt nichts anderes, als positiv in die WM zu gehen. Realistisch können wir um den fünften oder sechsten Platz in der Gruppe mitspielen", meinte Reindl. Dies würde am Ende für den Klassenverbleib reichen. Das 26 Spieler umfassende Aufgebot hat am Mittwoch die knifflige Aufgabe, sich in nur einem einzigen Spiel für die WM einzuspielen.

Trotz der Absagen von Reul und Mauer stießen am Dienstag gleich zehn Spieler der DEL-Finalisten Mannheim und Ingolstadt zum Team. Adler-Meistercoach Ward soll nun vor allem bei der Integration der sieben Mannheimer helfen.

Am Abend hatte sich die Ausfall-Liste für Cortina auf 22 Akteure verlängert: Auch Sinan Akdag von Meister Adler Mannheim teilte seine verletzungsbedingte WM-Absage mit und war damit allein am Dienstag der  fünfte Spieler, den der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) als Ausfall abhaken musste.

Zuvor hatte Cortina aufgrund der akuten Verletzungsprobleme in der Defensive auch nochmal bei Christian Ehrhoff angefragt. Der 32-Jährige war bei den Pittsburgh Penguins aber selbst bis zum Playoff-Aus ausgefallen und sagte ihm daher ab.

Am Mittwoch tritt das DEB-Team drei Tage vor der Auftaktpartie gegen Frankreich zu seinem letzten Testspiel vor der WM in Berlin gegen Slowenien an.

 

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