Einjähriges Jubiläum Pegida-Demo mit Böllern, Rangeleien und Eisenstange

Bilder von der Pegida-Demo in Dresden zum einjährigen Jubiläum der fremdenfeindlichen Bewegung. Foto: dpa

Zum Jahrestag der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung haben sich in Dresden zehntausende Anhänger und Gegendemonstranten gegenüber gestanden. Die angespannte Situation entlud sich am Montagabend in Rangeleien.

 

Dresden - Es flogen Böller, wie ein Polizeisprecher sagte. Nach Schätzungen der Studentengruppe "Durchgezählt" versammelten sich auf dem Theaterplatz zwischen 15 000 und 20 000 Pegida-Anhänger. Gründer Lutz Bachmann und rechtspopulistische Politiker aus europäischen Ländern machten in Redebeiträgen Stimmung gegen den Zuzug von Flüchtlingen. Laut einem Bericht der "Sächsischen Zeitung" wurde ein Pegida-Anhänger mit einer Eisenstange verletzt.

Bis zum späten Abend trafen in Dresden gewaltbereite Pegida-Anhänger und linke Gegner aufeinander. "Es ist viel Bewegung drin", sagte ein Polizeisprecher. Nach unbestätigten Berichten der "Sächsischen Zeitung" kam es zu Ausschreitungen von Hooligans und Angriffen von Neonazis. Schließlich beruhigte sich die Lage nach Polizeiangaben.

Ein Mann wurde auf dem Weg zur Pegida-Kundgebung angegriffen und schwer verletzt. Mehrfach wurden Polizisten gezielt angegriffen, auch mit Böllern von Pegida-Anhänger, wie ein dpa-Reporter berichtete. Es habe auch mehrere Angriffe von Gegendemonstranten auf Polizeibeamte gegeben, sagte der Sprecher. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) erklärte: "Wir sind mit mehr als 1000 Beamten im Einsatz, wir haben die Hilfe von sechs Bundesländern und der Bundespolizei." Wasserwerfer waren aufgefahren, kamen aber zunächst nicht zum Einsatz.

Wie dpa-Reporter berichteten, war der Gegenprotest gegen Pegida deutlich größer, als erwartet worden war. Unter dem Motto "Herz statt Hetze" hatte ein breites Bündnis dazu aufgerufen, sich dem Fremdenhass entgegenzustellen. Mindestens 14 000 Gegendemonstranten zogen nach Schätzungen von "Durchgezählt" aus verschiedenen Richtungen sternförmig in die Altstadt.

Allein bei einem Demonstrationszug, der von der Technischen Universität startete, waren nach Veranstalterangaben mehr als 5000 Menschen versammelt. Ein dpa-Reporter schätzte, dass sich vom Neustädter Bahnhof ein Zug mit rund 7800 Gegendemonstranten auf den Weg machte. Darunter befanden sich viele Familien mit Kindern. An der Kathedrale in der Altstadt begegneten sich Pegida-Anhänger und Gegendemonstranten auf Sicht- und Hörweite. Es flogen Böller.

Die sächsische Polizei war nach den Worten von Innenminister Markus Ulbig (CDU) auf einen Großeinsatz vorbereitet. "Wir sind mit mehr als 1000 Beamten im Einsatz, wir haben die Hilfe von sechs Bundesländern und der Bundespolizei", sagte Ulbig. Man müsse mit mehr als 20 000 Menschen auf den Kundgebungen insgesamt rechnen. Ulbig zeigte sich erfreut über die vielen Gegendemonstranten. Die sächsische Staatsregierung hatte alle Demonstrationsteilnehmer zu Gewaltlosigkeit aufgerufen. Mehrere Mitglieder der Regierung beteiligten sich an den Gegenprotesten.

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Die Semperoper empfing das Pegida-Bündnis mit einer elektronischen Leinwand. Im Wechsel hieß es dort: "Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass" und "Wir sind keine Kulisse für Intoleranz". Viele Mitarbeiter des Opernhauses reihten sich beim Anti-Pegida-Protest ein. Die Semperoper wollte am Abend - wie auch andere Dresdner Kultureinrichtungen - das Licht löschen, um Pegida im Dunkeln stehen zu lassen. Außerdem sollen an der Semperoper auf der Leinwand Texte für ein weltoffenes Dresden zu lesen sein.

Grünen-Chefin Simone Peter rief bei einer Kundgebung auf dem Altmarkt dazu auf, die Flüchtlinge in Deutschland als Bereicherung zu sehen. "Wir wollen ein weltoffenes Deutschland", sagte sie. Ein Vertreter der Gruppe "Chemnitz Nazifrei" erklärte: "Pegida lässt auch andere rechte und rechtsextreme Gruppen erstarken." Die Situation für Flüchtlinge und ihre Unterstützer werde immer gefährlicher. Zuvor hatten Politiker über Parteigrenzen hinweg vor Hass in der Asyldebatte gewarnt.

Pegida macht vor allem Front gegen den Zuzug von Asylbewerbern und fordert etwa "Massen-Abschiebungen".

 

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