Einheitliches Tarifsystem Ein Fahrschein für alle: Bei der Bahn hakt’s noch

Einen einheitlichen ÖPNV-Tarif für die Europäische Metropolregion München (EMM) zu schaffen, dem auch Stadt und Landkreis Landshut angehören, ist schwierig. Foto: Matthias Balk/dpa

Stadt und Landkreis arbeiten an einem einheitlichen Tarifsystem für Busse. Wann Fahrgäste aber mit nur einer Fahrkarte durch die Region reisen können, ist noch offen.

 

Stadt und Landkreis wollen 2019 einen einheitlichen Tarif im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einführen. Einheitliche Tickets für Buslinien sollen das Ende des Fahrschein-Durcheinanders bedeuten.
Bisher war es so, dass Fahrgäste meist verschiedene Bustickets kaufen mussten, wenn sie zwischen Stadtbussen und Landkreisbussen wechselten. Bis 2019 soll nun der Tarif aller Busunternehmer angeglichen werden, sodass Buskunden mit nun mehr einem Ticket bis ans Ziel gelangen können. Ob man in absehbarer Zeit auch über die Landkreisgrenzen hinaus mit nur einem einzigen Fahrschein reisen kann, ist derzeit aber noch völlig offen.

Ein Basiskonzept für einen gemeinsamen Dachtarif liegt vor

Einen vereinheitlichten ÖPNV-Tarif für die gesamte Europäische Metropolregion München (EMM) zu schaffen, dem auch Stadt und Landkreis Landshut angehören, das sei "ungleich schwieriger einzuführen, als nur für unsere Region", sagte Landrat Peter Dreier diese Woche bei der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Regionalmanagement im Landratsamt Landshut.

Vor knapp drei Jahren hatte die EMM-Mitgliederversammlung noch einstimmig die Einführung eines flächendeckenden ÖPNV-Tarifs für die gesamte Metropolregion München befürwortet.
Inzwischen liege immerhin ein Basiskonzept für einen einheitlichen Dachtarif vor: Der Dachtarif soll es ÖPNV-Kunden ermöglichen – ungeachtet der bestehenden Verkehrsverbünde und Tarifgemeinschaften –, eine beliebige Reise innerhalb der EMM mit nur einem Fahrschein unternehmen zu können. 

Ein Dachtarif ist aber mit Kosten verbunden. Erste Zahlen liegen bereits auf dem Tisch: Demnach müsste die Metropolregion mit Initialkosten in Höhe von 1,65 bis 5,1 Millionen Euro und mit jährlichen Kosten in Höhe von 580.000 bis 1,32 Millionen Euro rechnen. 

Landkreis Landshut: Auf den Landkreis würden umgerechnet 2,1 Prozent der Kosten entfallen, so dass sich die Initialkosten zwischen 34.650 und 107.100 Euro belaufen und die jährlich anfallenden Kosten zwischen 12.180 und 27.720 Euro bewegen würden (je nachdem, welches Dachtarif-Szenario letztlich umgesetzt wird). 

Stadt Landshut: Die Stadt Landshut müsste etwas tiefer in die Tasche greifen, da deren Finanzierungsanteil mit 2,6 Prozent veranschlagt wird. Demnach müssten mit Initialkosten zwischen 42.900 und 132.000 Euro belaufen und die jährlich anfallenden Kosten sich zwischen 15.080 und 34.320 Euro bewegen würden.

Das liest sich im Prinzip nicht schlecht und sollte auch bezahlbar sein. Dennoch stehen hinter dem Projekt Dachtarif derzeit noch große Fragezeichen:

Unterstützung des Freistaats Bayern: Zum einen muss der Freistaat Bayern in Gestalt des Innenministers Farbe bekennen, ob der Dachtarif finanziell unterstützen wird.
Angedacht ist eine Beteiligung von 40 bis 50 Prozent an den Initialkosten. Sollte kein klares Bekenntnis zum Dachtarif und gegebenenfalls auch zu einer Risikoübernahme kommen, werde eine Umsetzung "leider fast unmöglich", das geht aus den Sitzungsunterlagen der Kreisräte hervor. Die konkrete Zusage aus dem Innenministerium steht immer aus.

Die Einstellung der Bahnunternehmen: Zudem sind die betroffenen Eisenbahnunternehmen allem Anschein nach noch nicht auf den Zug Dachtarif aufgesprungen. "Die Bahn macht momentan Schwierigkeiten", sagte Ingrid Eberl, ÖPNV-Sachgebietsleiterin des Landratsamts bei der Sitzung des Wirtschaftsausschusses. 

Während bei den beteiligten Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer breiten Unterstützung gerechnet werde, haben die Eisenbahnverkehrsunternehmen bislang ihre Zustimmung zum "Letter of Intent" (LOI) der Metropolregion verweigert. 

Landrat Peter Dreier befürwortet den Dachtarif als "wichtigen und guten Schritt, um den ÖPNV zu stärken und auszubauen". Die vom Landkreis Landshut zu leistende finanzielle Beteiligung sei, so Dreier, "überschaubar, sofern sich der Freistaat damit anfreunden kann". 

Trotz des bislang eher zögerlichen Verhaltens vom Freistaat und der Bahnunternehmer geht Dreier nicht davon aus, "dass sich der Freistaat dem Thema verschließen kann". SPD-Fraktionssprecher Sebastian Hutzenthaler gibt trotz der noch ausstehenden Zusage des Freistaats die Devise aus: "Nicht entmutigen lassen, sondern die Absicht erklären."
Noch wichtiger wäre jedoch eine "starke Hand, damit auch die Bahn mitmacht und den ganzen Prozess konstruktiv begleitet".    
 

 

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