Einen Haken gibt's jedoch München: "Reduzierter Mietpreis" - 1.500 Euro für Wohnung im Westend!

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Wände, Böden: Hier müsste alles saniert werden. Foto: immobilienscout24.de

Keine Küche, keine Tapeten, dafür ein "reduzierter Mietpreis" von 1.500 Euro – so sucht ein Vermieter im Netz nach Interessenten.

 

Schwanthalerhöhe - Haben Sie zu viel Zeit und zu viel Geld? Dann ist diese Wohnung auf dem Münchner Mietmarkt womöglich ein Projekt für Sie.

In der Anzeige für die Vierzimmerwohnung mit 110 Quadratmetern heißt es: "Die Wohnung hat Altbauflair mit 3,50 hohen Decken und 2 Bäder sowie einen großzügig geschnittenen Flur und Wohnküche. Aber: Die Wohnung hat keinen Balkon und ist sehr renovierungsbedürftig, siehe Fotos. Der Mietpreis ist reduziert von 2.100 Euro auf 1.500 Euro. Dafür werden folgende Renovierungsarbeiten vom Mieter erwartet: Tapezieren aller Wände; Abschleifen des alten Parketts wo möglich; Verlegen von neuen Böden, wo kein Parkett vorhanden ist. Der Mieter muss sich selbst eine Küche organisieren."

Reduziert? Die Wohnungsmiete ist reduziert von vielvielzuviel auf vielzuviel. Denn die neue Mieterschutzverordnung besagt, dass Mieten bei Neuvermietungen höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen dürfen. "In München berechnen Mieter diese mithilfe des Mitspiegels. Eine Ausnahme ist, wenn die Miete davor schon über dem Mietspiegel lag. Darüber muss der Vermieter aber vor Vertragsabschluss schriftlich und unaufgefordert informieren", sagt Volker Rastätter, Geschäftsführer des Mietervereins München.

Mieterverein München: "Miete scheint deutlich überhöht"

Für die Abendzeitung hat Raststätter mit den Angaben aus dem Immobilienangebot gerechnet und ist auf einen ungefähren Quadratmeterpreis von 9,52 Euro für eine Wohnung in dieser Lage und einfachen Ausstattung gekommen. Das wären bei 110 Quadratmetern 1.047,20 Euro ortsübliche Kaltmiete. Wenn man zehn Prozent draufrechnet, wäre das eine maximale Miete von 1.152 Euro mit Mietpreisbremse. "Das wäre für eine bewohnbare Wohnung, was hier ja nicht der Fall ist. Wenn der Mieter sie erst bewohnbar machen muss, wäre noch mal etwas abzuziehen", so Raststätter.

"Eine genaue Berechnung kann nur durchgeführt werden, wenn alle Daten bekannt sind", so Rastätter. "Generell scheint uns die Miete in diesem Fall aber deutlich überhöht, da ja von einer Kaltmiete von 2.100 Euro ausgegangen wird, von der die Handwerkerleistungen abgezogen werden."

Ob Mieter Handwerkerarbeiten für ihren Vermieter durchführen, sollten sie sich gut überlegen. "Die Arbeiten müssen nach mittlerer Art und Güte durchgeführt werden, wie man so schön sagt", so Rastätter. "Für eventuelle Schäden, die der Mieter bei den Arbeiten verursacht, muss er auch aufkommen."

 

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