Eine Stadt in Angst Hysterie, Panik - und ganz viel Hilfsbereitschaft

Dankt der Polizei: Hofbräuhaus-Wirt Wolfgang Sperger. Foto: Daniel Loeper

Ausnahmezustand in München: Die Nachricht vom OEZ-Angriff löst vielerorts Panik aus. Es gibt Verletzte.

 

München Eine Stadt in Angst. Angefeuert von wilden Gerüchten, die in den sozialen Medien verbreitet werden, bricht Freitagabend an vielen Stellen in der Stadt wegen angeblicher Attacken immer wieder Panik aus.

Erst ist der Stachus betroffen, dann Odeonsplatz, Marienplatz oder Isartor – Überall sollen Schüsse gefallen sein. Dementsprechend hysterisch reagieren die Menschen. In einem Supermarkt im Tal bricht Panik aus, weil auf der Straße ein Mann etwas auf arabisch ruft. Dass bewaffnete Zivilbeamte durch die Straßen laufen, die auf den ersten Blick nicht als Polizei zu identifizieren sind, mag bei einigen zur Verunsicherung beigetragen haben.

Auch im Hofbräuhaus bricht Panik aus, als Leute hereinstürmen und etwas über herumlaufende Terroristen rumbrüllen. Englische Gäste schlagen daraufhin mit einem Maßkrug eine Scheibe ein und versuchen auf diesem Weg aus dem Gebäude zu kommen. Dabei zieht sich einer Schnttverletzungen zu.

Nicht der einzige Verletzte. Wirt Wolfgang Sperger: "Ein Kellner hat sich bei uns die Schulter gebrochen als so viele Menschen aus dem Hofbräuhaus herausrannten. Ich bin dankbar dafür, dass ihn die Polizei schnell ins Krankenhaus gefahren hat."

"Ich habe noch nie so viel gelogen wie an diesem Abend"

Sabine Barthelmess, Sprecherin des Hofbräuhauses ist dennoch erleichtert: "Es waren an dem Abend 1500 Leute im Haus – es ist glimpflich ausgegangen." Am Tag danach seien dann viele Leute zurückgekommen, um ihre Rechnungen noch zu bezahlen. Umgekehrt haben Gäste in ihrer Panik viel zurückgelassen: Vom Puppenwagen über Schuhe, Handys, Brillen bis hin zu Kreditkarten.

Einer der Helden dieser Nacht ist Johannes Müller (49), Wirt im Restaurant Alter Hof. Als er von der Gefahrensituation erfährt, bricht er sein Weinfest ab. Unter einem Vorwand. Eine Warnung des Wetterdienst mache dies notwendig, erklärt er seinen Gästen. "Ich habe noch nie so viel gelogen wie an diesem Abend", sagt er. Für einen guten Zweck. Er will verhindern, dass Panik unter seinen Gästen ausbricht.

Doch auch im Alten Hof verbreitet sich irgendwann die Nachricht. „Die Leute wurden immer aggressiver“, erinnert sich Müller. Am Eingang schlägt ihm dann ein Mann ein Glas auf den Hinterkopf.

Doch der Wirt bleibt unbeeindruckt und gestattet etwa hundert bei ihm Gestrandeten ein Nachtlager: „Mit Tischdecken haben sie sich zugedeckt.“

Am Wochenende werden viele Events vom Löwen-Fanfest bis zum Bierfestival abgesagt. Das Tollwood endet zwei Tage früher als geplant. Wo trotz der Attacke weitergemacht wird, gibt es Gedenkminuten. Auch im Alten Hof wird beim Weinfest am Sonntag der Opfer mit einer Schweigeminute gedacht.

 

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