Aberglaube oder Wirklichkeit? Halloween, Geister und Gespenster: Eine Spurensuche

Clemens Hagen.
Wie stellen sich Menschen Geister vor? Manche so wie in dieser Fotomontage. Foto: Wikipedia/Bonnybbx – http://pixabay.com

Klar, Halloween nervt viele. Aber feinstoffliche, übernatürliche Wesen beschäftigen Menschen seit Jahrtausenden. Und dann ist da auch noch der Heilige Geist. Eine Spurensuche.

Gibt es Geister – und wenn ja, wie viele? Sind sie gut, böse oder mal so, mal so? Beschützen sie uns oder suchen sie uns heim? Was ist mit den Gespenstern, ihren spukenden Geschwistern? Alles Fragen, die die Menschheit seit Jahrtausenden beschäftigen – durch alle Kulturen hinweg, von den primitiven Naturvölkern bis hin zu den hochentwickelten Zivilisationen.

Am Mittwoch ist Halloween, die Nacht vor dem katholischen Hochfest Allerheiligen. Es ist dem Volksglauben nach der Beginn der dunklen Zeit, in der sich der Schleier zwischen dem Dies- und Jenseits lüftet, in der die Menschen besonders empfänglich zu sein scheinen für Übersinnliches, für Geschichten von Geistern und Gespenstern.

An Allerseelen, dem Tag nach Allerheiligen, ist dann der Zustrom zu den Friedhöfen so groß wie sonst nie im Jahr. Die Gräber werden von den Angehörigen mit Grün und Blumen (Astern und Chrysanthemen) geschmückt, eine Kerze (Seelenlicht) wird entzündet – es entsteht eine mystische Atmosphäre, die Menschen fühlen sich den Verstorben nah, ihren Geistern.

Aber was sind das überhaupt für Wesen, die Geister?

Sie gehören – davon geht der Spiritismus aus – zu den feinstofflichen Wesen, so wie die Engel und Dämonen, doch sie können nicht einfach in Gut oder Böse eingeteilt werden. Geister sind die Seelen der Toten und können aus vielen Gründen in der diesseitigen Welt in Erscheinung treten.

Der Begriff Feinstofflichkeit bezeichnet eine hypothetische Form von Materie, die feiner und beweglicher sein soll als die grobstoffliche Materie, aus der die sichtbaren Körper bestehen. Der Feinstoff steht damit zwischen Materie und Immateriellem und dient in einigen philosophischen Ansätzen zur Erklärung immaterieller Phänomene.

Das Wort Geist stammt wohl vom Westgermanischen "Ghoizdo-z", was soviel wie "übernatürliches Wesen" bedeutete. Es wurde mit der Christianisierung der Germanen christlich umgedeutet, so dass der Begriff im Althochdeutschen "Geist" als Übersetzung für den biblischen "Spiritus Sanctus" diente. Dieser Sinngehalt des Wortes hielt sich bis in die Gegenwart, so dass "Geist" auch als Synonym für "Gespenst" verwendet wird.

Als Thomas Mann in München Séancen beiwohnte

Bei der Beschwörung von Geistern, dem Okkultismus, kommt München neben Paris, Berlin und Wien übrigens eine ganz zentrale Bedeutung zu. Mitte des 19. Jahrhunderts fanden in den gehobenen Kreisen der Stadt viele spiritistische Sitzungen statt, sogenannte Séancen, meist mit einem Medium. Am bekanntesten unter den damaligen Verfechtern des Okkulten war Albert von Schrenck-Notzing. Der Arzt, der einem bekannten Münchner Patriziergeschlecht entstammte, veranstaltete in seinem herrschaftlichen Anwesen am Karolinenplatz, in dem heute der Bayerische Bauernverband seine Zentrale hat, Séancen, bei denen viele bekannte Persönlichkeiten zu Gast waren. Einer seiner berühmtesten Besucher und Zuschauer war Schriftsteller Thomas Mann.

In Manns Berichten wird deutlich, dass dieser keinen Zweifel an der Echtheit der Geisterbeschwörungen des Schrenck-Notzing hatte. In der Weimarer Republik wurde Schrenck-Notzing auch als der "Geisterbaron" betitelt. Bis heute ist jedoch fraglich, inwieweit es sich bei seinen Séancen um Betrug handelte und wie Schrenck-Notzing die Täuschung aufbaute. Es wird vermutet, dass Thomas Mann durch die Bekanntschaft zu Szenen im berühmten Zauberberg inspiriert wurde.

Aber zurück in die Gegenwart, zurück zu Halloween, der Nacht der Geister und Gespenster. Bei dem Wort handelt es sich um eine Verballhornung des englischen "All Hallows’ Eve", dem Abend vor Allerheiligen.

Rübengeister gibt es fast in allen deutschen Regionen

Der amerikanische Brauch, bei dem in ausgehöhlte Kürbisse Schreckgesichter geschnitzt werden und verkleidete Kinder mit der Drohung "Süßes oder Saures" von Haus zu Haus ziehen, der auch hier immer mehr Menschen fasziniert, hatte seinen Ursprung in Europa und kam erst mit irischen Einwanderern in die Neue Welt.

Wie in Irland, so gibt es auch in vielen Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz den Brauch der Rübengeister (ursprünglich waren es nämlich Rüben und keine Kürbisse). Die Rübengeister haben in den unterschiedlichen Regionen ganz unterschiedliche Namen: Riabagoschtern (Baden-Württemberg und Bayerisch Schwaben), Kilbesingen (Raum Schramberg), Moas (Vorarlberg), Flenntippln (Oberlausitz), Rubebötz (Thüringen), Rummelbooze (Saarland), Kipkapköögels (Ostfriesland), Dickwursmann (Mittel- und Oberhessen), Gloihniche Deuwel (Taunus und Westerwald).

In Oberbayern heißt es aber: gutes Gruseln zu Halloween mit seinen Geistern.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading