Eine Münchnerin bangt um Somalia Luitgard Wiest: "Das Leid ist nicht in Worte zu fassen"

Dr. Luitgard Wiest berichtet von ihren Erlebnissen in Somalia. Hier bringen Helfer mit Lastwagen Wasser zu den Menschen. Foto: AZ-Montage/AZ-Archiv/Luitgard Wiest

Luitgard Wiest liebt Somalia. Die Münchnerin müsste erst nachzählen, wie oft sie schon in dem Land am Horn von Afrika war. Wenn sie davon erzählt, spürt man: Das Land und die Menschen sind für sie eine Herzensangelegenheit.

 

Umso mehr schmerzt die Hautärztin und Helferin beim Verein "Cap Anamur", was sie kurz vor Weihnachten bei ihrem Aufenthalt in der Region zwischen der Stadt Hargeysa und dem Roten Meer gesehen und erlebt hat: Hunger, Dürre, tote Tiere, leidende Menschen.

Der AZ erzählt sie: "Es hat dort seit drei Jahren keinen Tropfen geregnet. Wir sind auf einer Sandstraße gefahren und links und rechts lagen Dutzende verendete Tiere, teils angefressen von anderen Tieren."

Die extreme Dürre zwingt die Menschen zur Flucht: "Die Dürre ist dieses Mal so entsetzlich, die Nomaden müssen fliehen, sie können nicht vor Ort bleiben." Die Notleidenden brauchen vor allem eins: "Wasser, Wasser, Wasser". Ein Helfer-Team von "Cap Anamur" hat unter anderem Wasser mit Lastwagen zu den Menschen transportiert, berichtet die Ärztin. Sie weiß aber auch, dass die Menschen dort noch viel mehr Hilfe benötigten: "So ein Lastwagen mit 100 oder 200 Litern, das reicht gerade einmal für ein paar Familien, die dort in der Wüste leben."

Die Helfer haben zudem begonnen, Brunnen zu bohren. Auch hier zeigt sich der extreme Wassermangel: "Wir mussten 150 Meter tief bohren, um überhaupt auf Grundwasser zu stoßen." Wie kommen die Menschen noch an Wasser? Wiest: "Sie können in der Provinzhauptstadt Wasser kaufen, dafür müssen sie aber ihre Tiere verkaufen. Dann ist ihnen jegliche Grundlage entzogen."

Es ist ohnehin ein Teufelskreis: Die Menschen brauchen die Tiere, um sich Wasser zu kaufen. Sterben die Tiere durch die Dürre, bekommen die Menschen kein Wasser. "Erst sterben die Tiere, dann sterben die Kinder und Kranken. Und dann die Übrigen. Das Leid ist nicht in Worte zu fassen."

Dazu kommt, dass die Behörden vor Ort Probleme haben, Herr der Lage zu werden. "Selbst die offiziellen Stellen wissen nicht, was vor Ort genau los ist." Die Wege ins Land sind lang, die Situation unübersichtlich, schildert Wiest.

Erst ist im Jahr 2011 wurde Somalia von einer schweren Dürre und Hungersnot heimgesucht – 250.000 Menschen kamen damals ums Leben. Könnte die jetzige Katastrophe ähnlich enden? "Ja, ich glaube, das Ausmaß dieser Dürre ist mittlerweile noch schlimmer geworden."

 

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