Eine Kaiserin, das Kabinett – und reichlich Kalorien Historien und Hintergründe zum Derblecken am Nockherberg

Historien und Hintergründe zum Derblecken am Nockherberg. Foto: Paulaner-Archiv

Am Mittwochabend blickt Bayern auf den Nockherberg. Was es mit dem Anstich und dem Derblecken auf sich hat, welche Historien und Hintergründe man kennen sollte – das lesen Sie hier.

 

München - Am Mittwoch geht’s wieder hinauf zum Nockherberg – für Politiker und andere Großkopferte (18.30 Uhr – bei az-muenchen.de und im Bayerischen Fernsehen). Die Starkbierprobe mit dem legendären Derblecken ist für sie ein Pflichttermin. Wer bei der Kult-Veranstaltung fehlt, hat schon von vornherein schlechte Karten, wenn Mama Bavaria die Leviten liest.

Mama Bavaria? Gibt es da nicht auch einen Bruder Barnabas? Was hat es mit dem Vater des Vaterlandes auf sich? Was haben beleidigte Leberwürste auf dem Nockherberg zu suchen? Und wer oder was ist eigentlich Salvator? Hier gibt’s Antworten auf diese und andere Fragen rund um das bayerische Großereignis.

Alles begann mit hungrigen Mönchen

1627 berief Kurfürst Maximilian I. Paulaner-Mönche in die Au. Zur Stärkung während der Fastenzeiten war es ihnen gestattet, Bier zu brauen. Das taten die Paulaner im „Kloster Neudeck ob der Au“ nachweislich seit 1634, gemäß der Regel: „Flüssiges bricht das Fasten nicht.“

Vom Heilig-Vater- Bier zum Salvator

Zum Festtag ihres Ordensgründers, des Heiligen Franz von Paula am 2. April, wurde ein ganz besonders starkes Bier gebraut. Dieses nannten die Mönche Heilig-Vater-Bier. Später wurde daraus dann Sankt-Vater-Bier und letztlich umgangssprachlich verkürzt Salvator-Bier.

Mit großem Hofstaat zum Umtrunk

Zu ihrem Ordensfest luden die Mönche stets auch den Kurfürsten ins Kloster ein, der dann immer mit seinem ganzen Hofstaat angeritten kam. Auf diesen Umtrunk geht die berühmte Salvator-Probe zurück – inzwischen mit Landesvater Horst Seehofer und dessen, na ja, Hofstaat.

14 Männer und eine Frau

Wenn am Mittwochabend Kabarettistin Luise Kinseher (46) wieder in die Rolle der Mama Bavaria schlüpft und den Politikern tüchtig einschenkt, schreibt sie eine lange Tradition der Salvator-Festredner fort. Diese begann 1891 mit Volkssänger Jakob „Papa“ Geis. Nach insgesamt bislang 14 Männern auf der Salvator-Bühne ist Luise Kinseher die erste Frau.

Bruder Barnabas in der Mönchskutte

Auf Jakob Geis folgten so prominente Derblecker wie der Roider Jackl, Klaus Havenstein oder Salvator-Star Walter Sedlmayr. Max Grießer, Erich Hallhuber oder Bruno Jonas präsentierten sich nicht im Trachtenanzug, sondern als Bruder Barnabas in der Mönchskutte – ganz in Brauerei-Tradition: Paulaner-Ordensbruder Barnabas Still entwickelte 1773 die bis heute weitgehend gültige Grundrezeptur für das süffige Salvator-Bier.

An ausreichend Stoff fürs Derblecken fehlte es den Rednern nie. Rundfunk-Legende und Salvator-Redner Emil Vierlinger hatte es mal auf den Punkt gebracht: „Gott sei Dank stellen die Politiker jedes Jahr was Neues an!“

Ein bissl Latein gehört dazu

Bevor das Derblecken beginnen kann, geht’s traditionsgemäß erstmal ums Starkbier. Einst überreichte Bruder Barnabas dem Kurfürsten die erste Maß. Inzwischen sind das Brauerei-Chef und Bayerischer Ministerpräsident, aktuell Andreas Steinfatt und Horst Seehofer. Zum Ritual gehört ein lateinischer Ausruf: „Salve pater patriae! Bibas princeps optimae!“ („Sei gegrüßt Vater des Vaterlandes! Trinke bester Fürst!“)

Mitlachen, auch wenn’s wehtut

Mit etwas Starkbier lässt sich dann ja auch das Derblecken besser ertragen. Schließlich findet es nicht jeder so richtig lustig, sich öffentlich durch den Kakao ziehen zu lassen. Doch auf dem Nockherberg gilt: Gute Miene machen zum bösen Spiel! Salvator-Profis wissen längst, wie viel Pluspunkte in Sachen Eigen-PR ihnen ein fröhliches Gesicht einbringt.

Die beleidigten Leberwürste

Schlimmer als derbleckt zu werden, ist für viele Politiker, gar nicht erwähnt zu werden. Das könnte ja als eine gewisse Bedeutungslosigkeit ausgelegt werden. Legendär ist die Reaktion von Ex-SPD-Chef Helmut Rothemund, den Walter Sedlmayr 1982 völlig aus der Fassung brachte, weil er ihn dreimal als „Herr Dings“ ansprach. Rothemund giftete zurück: „Sie Arschloch!“ Ex-CSU-Justizministerin Mathilde Berghofer-Weichner schlug sogar mal den Beschwerdeweg ein.

Lesen Sie hier: Christian Springers Plan für den Starkbieranstich

Was sogar eine Kaiserin braucht

Dabei ist es schon eine Ehre, beim Derblecken überhaupt dabei sein zu dürfen. Die Karten für die Starkbierprobe kann man nicht erwerben. Wer hier zwischen Bundespolitikern, bayerischem Kabinett, Stadtrat, bayerischen Künstlern und Co. dicht gedrängt sitzen darf, ist von der Paulaner-Brauerei persönlich eingeladen worden. Früher waren auch so illustre Persönlichkeiten wie Romy Schneider dabei – oder die damalige persische Kaiserin Soraya, die begeistert ein Hendl verspeiste.

In der ersten Reihe

Ganz vorne sitzen der bayerische Ministerpräsident und der Münchner Oberbürgermeister, heuer zum ersten Mal Dieter Reiter. MP und OB dürfen (neben Bundeskanzler/in, so er/sie mal käme!) als Einzige mit Begleitung kommen. So wird heuer erstmals Münchens neue First Lady, Petra Reiter, Karin Seehofer gegenübersitzen. Zugeprostet wird mit Steinkrügen, die’s wahrlich in sich haben: Ein Liter Salvator hat rund 680 Kalorien. Ein „Fastentrunk“ – so nahrhaft wie ein Schweinsbraten mit Knödel.

Lesen Sie hier: Edith von Welser-Ude: Frau von Ex-OB darf nicht auf Nockherberg

 

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