Einbrecherflut Polizei verschärft Fahndung nach Verdächtigen

Normale Wohnungstüren sind blitzschnell aufgehebelt. Foto: dpa

Erste Fahndungserfolge im Kampf gegen die zunehmende Zahl von Einbrüchen. Innenminister Joachim Hermann will das Vorhersageprogramm „Precobs“ auf ganz Bayern ausweiten.
München - „Precobs“, das Computerprogramm, mit dem die Polizei Einbrüche vorhersagen kann, funktioniert. So weit die gute Nachricht. Doch der Fahndungserfolg ist nach sechs Wochen Testphase eher bescheiden: Vier Verdächtige wurden gefasst, drei von ihnen konnte man Einbrüche nachweisen.
Mit einer zweiwöchigen Schwerpunktaktion verschärft Bayerns Polizei die Jagd auf Einbrecher. 2000 zusätzliche Polizisten sind bis 8. Dezember im Einsatz. Die Streifen sind in besonders gefährdeten Bereichen unterwegs, beispielsweise in Wohngebieten mit guter Anbindung an Fernstraßen und Autobahnen. Deshalb werden die Beamten auch verstärkt auf Straßen kontrollieren.

 

Besonders beliebt bei Einbrechern sind Einfamilienhäuser, die umgeben sind von hohen Bäumen oder dichten Hecken. „Die Täter schleichen sich aufs Grundstück und versuchen in den allermeisten Fällen, die Terrassentür aufzuhebeln“, sagt LKA-Einbruchsexperte Josef Moosrainer.
Bei Mehrfamilienhäusern ist vor allem die Haustür der Schwachpunkt. Sind die Täter erst einmal drin, ist das Risiko entdeckt zu werden deutlich geringer für sie.
In München kommen 85 Einbrüche auf 100 000 Einwohner. Die Landeshauptstadt landet damit in Bayern auf Platz zwei hinter Augsburg mit 54 Einbrüchen pro 100 000 Einwohner.

Im Kampf gegen die steigende Zahl von Einbrüchen setzt die Polizei seit sechs Wochen auch auf ein neues Computerprogramm. „Precobs“ kann berechnen, in welchen Gegenden Einbrüche in nächster Zeit wahrscheinlich sind. In München schlug das System bereits 34 Mal Alarm. Die Polizei verstärkt in den Gebieten die eingesetzten Streifen.
Mit Erfolg. Am 28. Oktober fiel in Pasing einer Streife ein Auto mit zwei Männern auf. Sie fuhren sehr langsam, als der Beifahrer ausstieg, folgten sie dem verdächtigen Mini. Der Fahrer flüchtete, baute wenig später einen Unfall (AZ berichtete). Im Wagen lag Einbruchwerkzeug. Dem Duo konnten bereits zwei Einbrüche nachgewiesen werden.

„Gegen einen der Männer lagen Haftbefehle der Staatsanwaltschaften München und Rosenheim wegen Einbruchs vor“, sagt Kriminalhauptkommissar Wolfgang Inderst. Den Komplizen mussten die Fahnder mangels Beweisen allerdings laufenlassen.
„Die ersten Erfahrungen mit Precobs sind vielversprechend“, betont Joachim Hermann (CSU). Der Innenminister möchte das System auf ganz Bayern ausweiten. Bis zum Frühjahr laufen die Tests in Nürnberg und München.

Einbrecher sind besonders häufig in der Zeit zwischen 16 und 20 Uhr unterwegs. Doch auch zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens werden zunehmend Fälle registriert. Manche Täter lassen sich nicht einmal davon abschrecken, dass die Bewohner im Haus sind. Ein Biologe aus Obermenzing verscheuchte Mitte November zwei Einbrecher aus seinem Haus. Sie wurden danach von der Polizei gefasst.

 

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