Einbrecher vor Gericht Mit Hilti-Bohrer zum Juwelier

Der Angeklagte Sasa R. (43) vor dem Münchner Landgericht. Mit einem Hilti-Bohrhammer ist er mit einem Komplizen in ein Juweliergeschäft eingebrochen. Foto: Torsten Huber

Sasa R. (43) will mit diesem Werkzeug von einem Hundefachgeschäft in einen Schmuckladen am Kosttor einbrechen – macht dabei aber viel zu viel Lärm. Jetzt steht der Räuber vor Gericht.

 

München – Wie bricht man in ein hochgesichertes Juweliergeschäft ein? Ganz einfach, denkt sich Koch Sasa R. (43). Mit einem Hilti-Bohrhammer durch die Wand des Nachbarladens direkt in den Showroom von Ashley’s Am Kosttor in München.

Aber der Lärm! Der wird dem Bohr-Räuber zum Verhängnis. Jetzt sitzt der zweifache Familienvater wegen schweren Bandendiebstahls vor dem Münchner Landgericht. Sein Motiv: „Mit meinem Restaurant ,Adria’ in Hamburg hatte ich finanzielle Schwierigkeiten.“

Mit einem VW-Caddy fahren Sasa R. und sein Komplize Vladimir B. (40) in der Nacht zum 26. April 2010 zum Tatort. Gegen 2.45 Uhr brechen sie in das neben dem Juwelier liegende Hundefachgeschäft ein. Dabei hebeln sie das Fenster des Ladens einfach auf. Mit dem Profi-Bohrhammer versuchen sie, ein 60 mal 60 Zentimeter großes Loch in die Wand zu hämmern. Vermutlich ahnen sie nicht, dass der Lärm mitten in der Nacht schlafende Nachbarn aufwecken könnte.

Ein Kriminalhauptkommissar sagt: „Nachbarn haben die Polizei alarmiert. Das Haus wurde umstellt.“ Es staubt noch, als die Polizei eintrifft. Vladimir B. ist von oben bis unten mit Bohrstaub bedeckt, als ihn die Polizei am Tatort festnimmt. Sasa R. gelingt zunächst die Flucht. Er setzt sich nach Montenegro ab, seine Familie holt er später nach. Doch am 9. August 2012 klicken die Handschellen.

Fast sechs Monate sitzt der Angeklagte in Auslieferungshaft: „Es war schlimm. Ich hatte zunächst nur eine Decke, keine Matratze. Hofgang hatten wir unregelmäßig. Bei Regen stand der Hof 20 Zentimeter unter Wasser.“

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm noch vier weitere Einbrüche in Bekleidungsgeschäften in Deutschland vor. Den dicksten Coup in einem Modehaus in Schwerin mit 141680 Euro Beute will das Gericht einstellen, weil Sasa R. angeblich nicht dabei gewesen sein soll. Man fand zwar in seinem Lokal einen Teil der Beute. Aber: „Da kann jeder reinkommen und etwas ablegen“, sagt der Angeklagte.

Sein Strafverteidiger Wolfgang Bendler handelt mit der Strafkammer einen Deal aus. Bei einem Geständnis soll Sasa R. nicht mehr als vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Am Mittwoch fällt vielleicht schon das Urteil.

 

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