Ein Wochenende mit...Stefan Schneider Am liebsten da, wo keiner wichtig ist

Ein guter Ort für Fußball-Fachsimpeleien: Die Gaststätte an der Großmarkthalle, wo Stefan Schneider am Samstag gerne auf ein paar Weißwürste einkehrt. Foto: Petra Schramek

Jeden Freitag erzählt in der AZ ein bekannter Münchner von seinem Wochenende. Heute: der 1860-Stadionsprecher Stefan Schneider.

Das Wochenende beginnt bei mir meistens schon am Freitag und besteht im Wesentlichen aus zwei Dingen: Sport und Kalbsroulade.
 
Kochen ist von je her mein größtes Hobby. Ich hatte mal eine Zeit lang das Vergnügen, einem guten Freund von mir über die Schulter schauen zu dürfen, dem Hans Haas vom Tantris. Da habe ich gelernt, dass es nicht unbedingt immer irgendwelche Schäumchen oder sonstiges Tralala braucht. Den Hans zeichnet es ja gerade aus, dass er es versteht, einfache Sachen wahnsinnig interessant zu präsentieren.
 
Natürlich gibt's bei mir auch mal was anderes als Kalbsroulade. Und weil es beim Kochen eben nicht nur um die Kunst am Herd geht, sondern vor allem auch um die Zutaten, drehe ich am Freitagnachmittag meine Runde über die Märkte. Auf dem Elisabethplatz hat ein großartiger Gemüsehändler, seinen Stand, der Breu. Und mit dem Sageder gibt es dort auch eine hervorragende Metzgerei.
 
Meistens fahre ich dann noch weiter zum Viktualienmarkt: Ein kleiner Einkauf bei Fisch-Meier, vis à vis noch ein paar Kräuter bei Freisinger, dann bin ich eigentlich gerüstet. Dann wird am Abend gekocht – es sei denn, der EHC München oder die Löwen spielen. Dann bin ich natürlich im Stadion, um die Mannschaft zu unterstützen.
 
Am Samstag treffe ich mich mittags meistens mit meinem alten Radiokumpel Bernhard Fleischmann beim Wiggerl Wallner in der Gaststätte an der Großmarkthalle. Da kocht die Mutter vom Wallner und seine Schwester. Deswegen schmeckt es dort auch wie daheim und deswegen ist die Bude auch jeden Tag voll. Das Angenehme dort ist, dass sich da Promis mit ganz normalen Münchnern mischen. Dort sitzen alle beieinander, keiner ist wichtig, alles ist entspannt. Das Publikum beim Wallner ist eben so ein richtiger Spiegel unserer Stadt-Gesellschaft.
 
Der Fleischi und ich gehen da meistens zum Weißwurst-Essen hin. Das Lokal lebt von seinen sensationellen Weißwürsten. Der Wiggerl Wallner, natürlich Löwen-Anhänger, ist zudem ein großer Fußballexperte. Allgemein gibt es in der Gaststätte sehr viele Fußballfans. Wenn dann die große Fachsimpelei beginnt, kann's schon mal passieren, dass man da etwas länger hängen bleibt.
 
Am Abend treffe ich mich gerne mit meinen Kumpels bei mir. Für einen Münchner ist diese Stadt ja die schönste der Welt. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Münchner ihren Stadtvierteln sehr verbunden sind. Bei mir ist das Schwabing und die Maxvorstadt – für mich die schönsten Viertel. Das sagt der Thalkirchner und der Sendlinger aber auch von seinem Stadtteil.
 
Bei mir sitzen wir gerne im Italiener gegenüber, dem Il Borgo in der Georgenstraße. Da kann man im Sommer wunderbar draußen sitzen. Das ist kein reiner Pizza-Italiener, das ist einfach eine großartige Trattoria, wie man sie aus Italien kennt. Oder wir sitzen einfach bei mir. Da fühlt sich, habe ich mir sagen lassen, eigentlich auch jeder gleich wohl.
 
Wenn ich am Sonntag frei habe, fahre ich sehr gerne raus Richtung Ammersee. Ich bin da 15 Jahre lang mit meinem Hund Cicco spazieren gegangen. Er war mir wirklich ein sehr guter Freund, seit vergangenem September gehe ich aber leider alleine spazieren. Ich werde mir bestimmt irgendwann wieder einen Hund zulegen. Irgendwann, das braucht erstmal Zeit. Wenn einem die Frau wegstirbt, holt man sich ja auch nicht gleich eine neue.
 
Und auf dem Rückweg, das ist Tradition, da besuche ich meinen alten Freund, den Wiesnwirt Schorsch Heide, im Heide-Volm in Planegg. Das hat gleich zwei Vorteile: So sieht man sich eben auch mal außerhalb des Oktoberfests. Und wenn ich mal einen Abend nicht selbst koche, schadet das ja auch nichts.
 
Protokoll: Florian Zick
 
 

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