Jeden Freitag erzählt in der AZ ein bekannter Münchner von seinem Wochenende. Heute: der Kabarettist Nepo Fitz.

Bei mir ist immer Wochenende. Beziehungsweise: nie! Und ich habe auch keine Lieblingscafés. Bei mir ist es einfach so: Da wo ich bin, da ist das Spektakel.
Ich hab' die Eigenschaft, dass ich mich immer begeistert in irgendetwas hineinstürze und mich so lange darin verbeiße, bis ich hab’, was ich will. Wie der US-Fitnesstrainer Bob Harper aus der Show „The biggest Loser“ sagt: „You just must push through“ – du musst es durchziehen.
 
Gerade habe ich mich drei Monate lang ausschließlich mit meiner neuen Show „Dringend“ beschäftigt, die im März im Schlachthof Premiere hatte. Ich bin von allem, mit dem ich in Berührung komme, in kürzester Zeit besessen. Das Schöne an dieser Besessenheit ist: Du bist beschäftigt. Da beneide ich Satanisten. So einer weiß genau: „So, Mitternacht, null Uhr eins: Huhn schlachten!“ Der Mann hat eine Struktur – und Termine! 
 
Ich übrigens auch: Bei mir ist – gefühlt – alles immer dringend:Konzerte geben, booken, vermarkten, Texte schreiben, Songs aufnehmen, Liebe, sporteln, Klavier üben. Wenn was dringlich ist, dann bin ich der richtige Mann. In Zeitnot lauf ich zur absoluten Hochform auf. Wenn ich Zeit hab’, frei quasi, keine Termine und auch sonst nichts Dringendes zu tun, schlafe ich sofort ein.
 
In Cafés bestell’ ich mir immer wieder eine Tasse Kaffee, um mich gemütlich zu fühlen. Klappt aber nicht! „So, Zucker rein, umrühren, aussaufen, zahlen, drei fuffzig, da, zack, Wiederschau’n.“
Dagenen planen, aufräumen, organisieren – olé! Ich bin ein im Dauerwahn befindlicher Projekte-Robocop, der schon mal mit dem Gedanken gespielt hat, sich eine To-Do-Liste für’s ganze restliche Leben anzulegen: ein Pdf mit 48.000 Seiten.
 
In diesem Alltagswahn siedet in meiner Brust in regelmäßigen Abständen dann der Frust ein bisschen hoch, die bayerische Grundemotion: der Grant! Den lass’ ich dann turnusmäßig in Form einer musikalischen und kabarettistischen Sau auf der Bühne raus! Um mich dann wieder als begeisterter Hamster in mein Alltagsrad zurück zu stürzen. Ich bin als atomkraftgespeister Power-Klabauter quasi ein kybernetisches System!
 
Vermutlich habe ich das Dreifache an Energie eines Normalsterblichen. Seitdem ich das Cross-Fit-Training des eingangs erwähnten Bob Harper mache, noch mehr. Schwer begeistert von meinem Leben, habe ich – Gott sei Dank – großartige Freunde und Kollegen, die meine Begeisterung für Projekte immer teilen können. Allen voran natürlich meine Eltern Lisa und Ali.
 
Diese Familie besteht aus Koks-Ameisen (nur körpereigenes Koks!): Du wirfst uns einen Grashalm hin...der wird sofort weggeräumt, verarbeitet, umgestaltet. Mit Vorliebe nehmen wir solche Grashalme, die uns inspirieren. Um andere damit zu inspirieren!
 
Lisa stürzt sich in ihrer aktuellen Show auf das Thema „Mut“, Ali auf das Tourettsyndrom. Und ich mach’ Rock’n’ Roll: Am 14. Juni, meinem Geburtstag, spielen mein Vater und ich abends um acht mit Rockband beim Stadtgründungsfest auf dem Marienplatz! Dort wartet die nächste Rauslass-Sau! Seid dabei! Wir schenken Starkstrom-Lebensenergie!
 
Protokoll: Florian Zick