Ein Wochenende mit...Josef E. Köpplinger Als Ausgleich Chopin

Josef E. Köpplinger ist ein lockerer Typ, aber im Prinzregententheater ist er eben nur Gast. Sich für das Foto in die Sitzreihe hineinfläzen will er deshalb lieber nicht. Das käme ihm anmaßend vor, sagt er. Foto: Gregor Feindt

Hier erzählen bekannte Münchner von ihrem Wochenende. Heute: Josef E. Köpplinger, der Intendant des Gärtnerplatztheaters.

 

Ich habe endlich – sehr spät, aber doch – den Englischen Garten zum Spazierengehen entdeckt. Nicht, dass ich nicht gewusst hätte, wo er liegt, aber Sie werden lachen: Bis vor einem Monat habe ich es tatsächlich nicht dorthin geschafft.

Jetzt könnte der Eindruck entstehen, ich sei ein ganz emsiger Workaholic – aber ich glaube nicht, dass ich das bin. Ich gehöre zwar tatsächlich zu diesen Verrückten, die ihren Beruf als Berufung ansehen. Zu arbeiten ist für mich selten eine Lästigkeit. Aber ich bin vernünftig genug, mir den ein oder anderen Tag zu nehmen, wenn ich mal Geist und Körper regenerieren muss.

Ich bin zum Beispiel ein großer Cineast, mir gefällt Kino fernab vom Mainstream. Was ich da sehr gerne mag, sind die Museum-Lichtspiele. Da war ich mal mit dem „Anything goes”-Ensemble in der Rocky Horror Picture-Show. Normalerweise ist das ein Riesen-Spektakel. Als wir kamen, dachten alle, wir Theater-Menschen machen besonders heftig mit. Das Gegenteil war aber der Fall. Die meisten von uns hatten das Stück schon einmal gespielt und wollten sich nur den Film anschauen. Es war letztlich ruhiger als eine Durchschnittsaufführung.

Was ich noch nicht gefunden habe – außer diversen Badezimmerschränken, die mir immer noch fehlen – ist ein inspirierender Ort außerhalb meines privaten Wohnbereichs, ein Ort, an den ich mich mal zurückziehen kann, wenn ich kreativ sein muss. Das kann alles sein, ein Kaffeehaus oder etwas ganz anderes. So einen Ort hatte ich eigentlich überall, wo ich gearbeitet habe – in Klagenfurt, in St. Gallen, in Wien. Hier fehlt mir das noch, aber das hat ja auch noch Zeit.

Was ich auch noch nicht geschafft habe, ist, ins Marionettentheater zu gehen. Das habe ich dem Wilfried Hiller eigentlich versprochen. Dessen „Goggolori” habe ich schon in den 80er Jahren am Gärtnerplatztheater mal gesehen. Und da wir nächstes Jahr ein anderes Hiller-Stück uraufführen, den „Flaschengeist”, wollte ich davor noch einmal den „Goggolori” sehen.

Ich muss auch noch ein paar Bildungslücken schließen. Ich war nämlich noch nie auf Schloss Neuschwanstein. Und ich denke, wenn ich jetzt schon in der Heimat vom Kini wohne, dann reicht es nicht mehr, dessen Traumschloss ausschließlich aus dem Film „Tschitti Tschitti Bäng Bäng” zu kennen, dann sollte man schon auch mal live dort gewesen sein

Ich würde auch sehr gerne wieder Handball spielen. Das habe ich schon früher in meiner Schulzeit in Wien gemacht, für Basketball war ich da einfach zu klein. Und ich schwimme auch sehr gerne. Da hat mir das Müller’sche Volksbad sehr gut gefallen. Und ich vermisse es, Kammermusik zu machen

Das Klavier in meiner Wohnung ist dafür eigentlich zu verstimmt. Aber Klavierspielen ist für mich ein guter Gradmesser dafür, wie ausgeglichen ich bin. Wenn ich mich bei einer Bühnenprobe mal kurz ans Klavier setze, einen Schubert, einen Beethoven oder einen Chopin anspiele, und es sind nur noch Resttalente vorhanden, dann weiß ich, dass ich mal wieder mehr üben muss.

Mit dem Klavierspiel kann man sich auch sehr gut beruhigen. Ich bin halt kein Yoga-Typ. Ich glaube, ich würde jeden Yoga-Meister in den Wahnsinn treiben, das wäre mir einfach zu langweilig.

Protokoll: Florian Zick

 

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