Ein Wochenende mit...Ilse Neubauer Ilse-Hasi geht auf Tour

Ilse Neubauer machzt viele Radl-Ausflüge - allerdings nur in den Norden, weil ihr alter Drahtesel das Bergige nicht so mag, sagt sie. Foto: Andreas Neubauer

Hier erzählen bekannte Münchner von ihrem Wochenende. Heute ist das die Schauspielerin Ilse Neubauer.

 

Man mag es kaum glauben, aber ich habe in der Münchner Innenstadt einen Garten. Wenn ich sehr müde bin, dann lege ich mich da auf die Bank oder fange an, an den Blättern rumzuzupfen. Nicht zu sehr natürlich, der Garten ist völlig wild. Aber das, was mir nicht gefällt, kommt dann weg.

Das Haus mit dem Garten hat sechs Stockwerke. Ich wohne ganz oben. Da schaue ich auch manchmal einfach nur ins Gebirge. Ab und zu sind die Berge so nah, dass Freunde aus New York glauben, die wären keine 20 Kilometer weit weg, so riesig und gestochen scharf sind die gelegentlich. 

Ich will vielleicht mal eine Ausstellung mit Münchner Schnappschüssen machen. Nicht, weil ich so eine tolle Fotografin wäre. Aber von da oben sieht man noch viel mehr als die Berge: das Kräne-Ballett, 50 Tauben aufgereiht auf einer Dachrinne–und der Mond sieht manchmal wahnsinnig toll aus. Wenn ich den erwische, wie er direkt auf der Spitze vom Alten Peter balanciert, dann hole ich die Kamera und mache schnell klick.

Ich betreibe in dem Haus seit zwei Jahren auch eine kleine Galerie, den Schauraum 1899 in der Landwehrstraße, benannt nach dem Baujahr des Hauses. Ich habe ja in vielen Münchner Serien mitgespielt – in nicht ganz so vielen wie der Helmut Fischer, aber es waren doch einige. In diesem langen Schauspielerleben habe ich auch viele Künstler kennengelernt, die Oda Sternberg zum Beispiel, die jahrelang Theaterfotografin an den Kammerspielen war. Deren Bilder habe ich bei mir auch schon ausgestellt.

Ich mache auch viele Ausflüge mit dem Radl. Das ist ganz lustig, weil es offenbar ein paar ältere Kultserien gibt, die sich bei den Leuten richtiggehend eingebrannt haben, „Die Hausmeisterin” zum Beispiel. Wenn ich in der Stadt die Straßen entlangradle, heißt es schon manchmal: „Ilse-Hasi, kannst du dir denn kein Auto leisten?” Die kommen mir manchmal mit Textzeilen, die ich selbst schon wieder vergessen habe.

Naja, ich unternehme jedenfalls viele Radlausflüge – alle in den Norden raus, weil ich so einen alten Drahtesel habe, mit dem fahre ich ungern die Berge rauf und runter. Mich zieht es da eher nach Erding oder nach Freising, das sind Hin und Zurück auch 70 Kilometer. Ich mache das allerdings ohne sportlichen Ehrgeiz. Ich muss nicht in anderthalb Stunden in Freising sein, dreieinhalb sind auch in Ordnung.

Ich bin früher immer mit Freunden gefahren, aber da kommt oft dieses Deutsche durch: Wir haben uns diese Strecke vorgenommen, da können wir jetzt nicht davon abweichen. Ich mache aber gerne kleine Abstecher, nehme mal diese Allee, mal jene, und entdecke dabei Seen, kleine Schlösschen–gut, manchmal ist es auch nur ein Brennnesselfeld. Aber in der Regel lohnt es sich.

An Flüssen mache ich gerne Halt, ich sammle nämlich Kieselsteine. Das hält jeder für total beknackt und vielleicht ist es das auch. Aber es gibt ganz wunderbare Steine, zum Beispiel welche, die sind so rund, dass die Leute nicht glauben können, das es wirklich ein Stein ist. Oder so flache Kiesel, die nenne ich „Päckchen”, die haben zwei gekreuzte Adern, als wäre der Stein verschnürt.

Mein Sohn hat als kleiner Bub mal eine versteinerte Fliege in einem Isarkiesel gefunden. Auf der Suche nach noch so einem Stein sind wir beide dann 20 Jahre mit gesenktem Kopf durch die Isar gewatet – wir haben nie wieder einen gefunden. Aber das sind die Dinge, die mir Spaß machen. Ich bin ein Mensch der kleinen Alltagsfreuden. Protokoll: Florian Zick

 

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