"Ein Wochenende mit... Gerd Baumann" Die Suche nach den Tönen

Gerd Baumann bei der Arbeit: In heißen Phasen verlässt er sein Studio nur, um die Familie zu sehen. Foto: Gregor Feindt

 Hier erzählen Menschen von ihrem Wochenende: Heute ist das der Komponist Gerd Baumann. Statt mit Freunden in Kneipen zu gehen, holt er sie lieber ins Studio – oder fährt raus in die Land-WG

 

 Der preisgekrönte Musiker (44) komponierte zuletzt den Sound für „Sommer in Orange“ und ist Inhaber des Labels „Millaphon“.

von Gerd Baumann

 Momentan bin ich in einer Brütephase – weil ich gerade beginne, eine Filmmusik zu komponieren, die für den neuen Film von Helmut Dietl. Eine interessante wie schwierige Phase, weil alles offen ist – ich mache mir Gedanken, in welche Richtung die Musik gehen soll, über Themen und Motive. Da stehe ich ständig unter Strom.

Mit dem Label, dass Mehmet Scholl, Till Hofmann und ich gegründet haben, kam auch jede Menge Arbeit – da bewerben sich wahnsinnig viele junge Bands. Und wir haben ja alle nebenbei noch unseren richtigen Job. Bei mir ist das, alles in allem, eine stete Suche nach den richtigen Tönen. 90 Prozent meiner Zeit verbringe ich in meinem Studio in der Müllerstraße. Aber mein Alltag ist sehr abwechslungsreich: Manchmal schauen spontan befreundete Musiker vorbei und wir spielen ein bisschen. Dabei ist oft etwas Schönes entstanden.

Abends fahre ich heim in die Au, esse mit meiner Frau und meinem Sohn und bringe ihn ins Bett. Und in Phasen wie diesen, wo wirklich viel zu tun ist, fahre ich oft noch mal ins Studio. Damit habe ich dann vier Mal am Tag die Isar überquert. Die bedeutet mir viel – meine Frau habe ich damals sogar auf der Wittelsbacher Brücke kennen gelernt.

Die Zeiten, in denen ich abends ständig in Kneipen gegangen bin, sind vorbei. Ich gehe eher gezielt auf Konzerte, nächstes Wochenende tritt zum Beispiel Moop Mama in der Freiheizhalle auf. Die sind stark, deswegen sind sie ja auch bei unserem Label. Selbst ins Kino schaffe ich es gerade selten. Aber Lars von Triers Melancholia will ich mir unbedingt anschauen.

Mit der Lage in der Müllerstraße bin ich gesegnet: Ich mag zum Beispiel das Punkto – ein Türke, der Steinofenpizza macht. Ein ganz einfacher Laden, aber super. Und die Leute bei Sakura sind irre nett und machen tolles Sushi. Die Loretta Bar ist ein schönes Café, dort treffe ich mich zum Beispiel mit Produzenten. Und manchmal gehe ich mit dem Rosi, dem Marcus Rosenmüller, in die Fraunhofer Schoppenstube. Die Gerti ist einfach eine Institution.

Meine Freizeitbeschäftigung ist derzeit Rosen schneiden und Laub rechen. Der Rosi, ein Cutter, eine Produzentin und ich, wir haben uns eine kleine Land-WG in Dietramszell zugelegt. Mitten im Wald, da sind nur Bäume und ein paar Pferde um dich herum, man hört keinen Laut. Ein Stück Paradies.

Wenn ich Ruhe in der Stadt suche, gehe ich auf dem Südfriedhof spazieren. Da gibt es ein paar Gräber, die sind wahnsinnig schön. Ein Ort der Einkehr, um sich Gedanken zu machen. Ich habe da meistens einen Notizblock oder ein Aufnahmegerät dabei.

Was ich diesen Sonntag mache, weiß ich schon: Da hat mich Konstantin Wecker in den Circus Krone eingeladen. Er tritt mit seinem neuen Programm auf, und das ist immer ein nettes Wiedersehen, auch mit den Musikern. Wir haben selbst lang zusammen gespielt. Für mich ist es eine interessante Erfahrung, mal im Publikum zu sitzen.

 

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