Ein Stadtteil im Wandel Vom Straßenstrich zur Partymeile

 

Vom Straßenstrich zur Partymeile

Rainer Maria Fassbinder lernte im Glockenbachviertel seinen Freund Armin kennen, Walter Sedlmayer hat sich hier ebenso vergnügt wie Rudolph Moshammer oder Freddie Mercury. Die Liste der prominenten Schwulen, die im Viertel wohnten oder im „Pimpernel“, der „Deutschen Eiche“, im „Mylord“ oder „Ochsengarten“ feierten, ist lang. Die Geschichte des „rosa Viertel“ beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Müllerstraße noch Münchens Straßenstrich war.

Homosexualität wurde noch strafrechtlich verfolgt. Schwule trafen sich auf öffentlichen Toiletten, den „Klappen“, mussten dabei immer den Polizeizugriff fürchten. Das Pissoir am Holzplatz ist solch ein geschichtsträchtiger Ort. In den 1920ern wird die Gesellschaft auch in München liberaler. Am Glockenbach und in der Müllerstraße machen mit Arndthof und Gasthaus Schwarzer Fischer zwei Schwulenkneipen auf.

Nach der Unterdrückung durch die Nazis - viele Schwule sterben im KZ Dachau - keimt die Schwulenszene Münchens an alter Stelle wieder auf. „Teddy-Bar“, „Deutsche Eiche“, „Mylord“ und „Ochsengarten“ nutzen die größeren Freiheiten, die im Glockenbachviertel nach dem Krieg von der Polizei zugestanden werden. Daran konnte auch die Aids-Hysterie der 80er nichts ändern. Kreisverwaltungsreferent Peter Gauweiler ging mit der Forderung nach Meldepflicht oder Zwangstests massiv gegen die Schwulenszene vor.

Die Szene überlebt seine Amtszeit zwar, muss jetzt aber fürchten, dass ihr die eigene Beliebtheit zum Verhängnis wird. Viele Schwule fürchten die „Verheterung“ des Viertels fürchten. Soll heißen: Das Viertel ist inzwischen bei Heterosexuellen als Partymeile angesagt. Reine Schwulenkneipen werden weiter zurückgedrängt.

 

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