Ein Rückblick Zwei Jahre Pegida - zwei Jahre Hetze

Wirmer-Flaggen und Deutschland-Fahnen: In Dresden begehen Pegida-Anhänger am Sonntag den zweiten Jahrestag der rechten Bewegung. Foto: dpa

Die Islamfeinde von Pegida feiern in Dresden den "Geburtstag" ihrer Bewegung – ein Rückblick.

 

Unter starkem Polizeiaufgebot haben am Sonntagmittag auf dem Dresdner Theaterplatz 6.500 bis 8.500 "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) den zweiten "Geburtstag" ihrer islam- und fremdenfeindlichen Gruppierung gefeiert. Mehrere hundert Gegendemonstranten protestierten in einiger Entfernung gegen die Veranstaltung. Ein Rückblick:

Oft totgesagt, laufen sie noch immer montags durch Dresden (dass der Geburtstag an einem Sonntag begangen wird, liegt daran, dass die Stadt am Montag ein Bürgerfest zum Thema "Weltoffenheit" veranstaltet). Die Teilnehmer sind zwar nicht mehr so zahlreich wie Anfang 2015, als bis zu 25.000 Menschen zu den "Spaziergängen" kamen. Aber zwei Jahre nach der Gründung sind sie beständiger als viele gedacht haben. In Dresden. Denn im Rest der Republik macht kaum noch jemand mit.

Nur in der sächsischen Landeshauptstadt versammeln sich noch Woche für Woche zwischen 2.000 und 3.000 selbst ernannte "Patrioten".

Gegen "Kulturbereicherer" und "Ficki-Ficki-Scheinasylanten"

Längst geht es bei Pegida nicht allein mehr um die Angst vor der viel beschworenen "Islamisierung des Abendlandes" – vor "Bootstouristen", "Kulturbereicherern" und "Ficki-Ficki-Scheinasylanten", wie Flüchtlinge bei den Kundgebungen gern verunglimpft werden.

Die Teilnehmer rufen "Wir sind das Volk" wie einst die friedlichen Demonstranten, und sie glauben sich auch in dieser Tradition. Nur dass es jetzt nicht gegen das SED-Regime geht. Sie wollen "Widerstand" leisten gegen die "Volksverräter" der "Merkel-Diktatur", die mit einer "Umvolkung" die Nation "vernichten", sich dabei der bezahlten "Lügenpresse" bedienen und zu Handlangern der verhassten USA und der "Weltfinanz" machen.

Sie fordern "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen". Und sie haben kein Problem damit, dass ihr Anführer Lutz Bachmann, ein vielfach vorbestrafter Kleinkrimineller, Letzteres längst getan hat. Seit Monaten lebt er auf der Ferieninsel Teneriffa, weil er dort seine "Brötchen verdienen" muss, wie er sagt. Zu Kundgebungen kommt er immer seltener, fliegt nur noch aus der Sonne ein, um gebräunt seine Form des Patriotismus zu predigen und gegen Flüchtlinge zu hetzen, die nicht zu Hause für ihr Land kämpfen.

Pegida zerfleischt sich – und überlebt doch irgendwie

Zwei Spaltungen hat der 43-Jährige bei Pegida schon überlebt: Die erste im Januar 2015, als nach Bekanntwerden seiner Hass-Postings bei Facebook und eines Hitler-Selfies Kathrin Oertel, Pegida-Frau der ersten Stunde, und mit ihr das halbe Organisationsteam von Bord gehen. Wegen der Postings ist er in erster Instanz wegen Volksverhetzung verurteilt. Im November geht der Prozess in eine neue Runde.

Zuletzt dann der Bruch mit Tatjana Festerling. Mit der Dresdner Pegida-OB-Kandidatin bei der Wahl 2015 – die jetzt für eine "Festung Europa" kämpft – liefert er sich im Netz noch immer Schlammschlachten über Machtgier und Veruntreuung von Spendengeldern.

Das mediale Interesse an Pegida hat stark nachgelassen. Es braucht schon Krawalle wie am Tag der Deutschen Einheit, um es wieder einmal in die Schlagzeilen zu schaffen. Auch Ankündigungen Bachmanns, Pegida als Partei zu gründen und bundesweit anzutreten, ist nichts gefolgt.

Rechtspopulisten und Rechtsradikale Seite an Seite

Zum "Geburtstag" hat sich Pegida Freunde eingeladen. Neben dem Chefredakteur des neurechten "Compact"-Magazins, Jürgen Elsässer, dem rechten Vordenker Götz Kubitschek, dem Islam-Hasser und Chef der Kleinpartei "Die Freiheit", Michael Stürzenberger aus München, auch den Gründer der rechtsextremen "English Defence League", Tommy Robinson. Alles alte Pegida-Bekannte.

Mit dem Bürgerfest am Montag will Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zeigen, "dass Dresden eine bunte und weltoffene Stadt ist". Ein regelmäßiger breiter und von der Stadt mitgetragener Protest ist aber längst eingeschlafen.

 

64 Kommentare