Ein (fast) vergessenes Verbrechen Brandanschlag auf jüdisches Altenheim: Mahnmal nach 48 Jahren

Eine Bewohnerin wird am 13. Februar 1970 von Feuerwehrmännern aus dem brennenden Altenheim gerettet. Foto: imago/dpa

Am 13. Februar 1970 starben bei einem Brandanschlag auf das jüdische Altenheim sieben Menschen. Jetzt will die Stadt gedenken.

Isarvorstadt - Immer wenn er durch die Reichenbachstraße geht, sagt Marian Offman, muss er "daran" denken. Offman ist CSU-Stadtrat, im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG). Und "daran" ist der Anschlag auf das jüdische Altenheim am 13. Februar 1970.

Sieben Holocaust-Überlebende kamen bei einem Brand ums Leben. Bis heute ist ungeklärt, wer verantwortlich ist. Doch während das Attentat in der jüdischen Gemeinde Münchens ein Trauma ist, das "immer über der IKG hängt", wie Offman es ausdrückt, wissen viele Münchner wenig bis gar nichts von dem Vorfall. Bis jetzt. Denn eine große Allianz fast aller Stadtrats-Gruppen wird heute einen gemeinsamen Antrag stellen für ein würdiges Gedenken.

Brandanschlag: Täter wurden nie gefasst

Vor einigen Wochen erst hatte der Historiker Olaf Kistenmacher in einem AZ -Interview an den Anschlag erinnert - und kritisiert, dass in München nicht daran erinnert wird. Seine Erklärung dafür: "Das Ereignis ist überschattet worden vom Anschlag bei den Olympischen Spielen zwei Jahre später." 1970 hatten sich - anders als bei anderen Anschlägen dieser Zeit - keine Täter bekannt. Linksradikale Münchner Kreise distanzierten sich sogar explizit. Da Brandbeschleuniger gefunden wurden, wusste man, dass es sich um eine Brandstiftung handelte.

Täter wurden nie gefasst. Vor einigen Jahren nahm die Bundesanwaltschaft noch einmal Ermittlungen auf, betonte, auch in Richtung Rechtsextremismus zu ermitteln. Doch die Ermittlungen wurden erfolglos wieder eingestellt.

Offman hofft, dass noch einmal ermittelt wird. Und auch im gemeinsamen Stadtrats-Antrag von CSU, SPD, Grünen, Bayernpartei, FDP, ÖPD und Linkspartei, der heute offiziell gestellt werden soll, heißt es, dass die Stadt sich dafür einsetzen soll, "dass an der Aufklärung des Verbrechens weiter gearbeitet wird". Außerdem solle die Stadt des Anschlags "künftig gedenken".

Wie das genau aussehen soll? Das halten die Fraktionen noch offen. SPD-Stadtrat Christian Vorländer sagte gestern im Gespräch mit der AZ , er könne sich eine Gedenktafel an der Reichenbachstraße vorstellen, aber auch Gedenkveranstaltungen. "Es muss ein Teil der Erinnerungskultur dieser Stadt werden", sagte er.

Auch die Grünen sind bei dem Antrag dabei. Fraktions-Vize Dominik Krause, selbst ein Linker, betonte, dass der Anschlag aus der rechtsextremen Szene gekommen sein könnte. Er sagte aber auch: "Es ist immer noch ein Schandfleck der politischen Linken, dass ihr Antisemitismus dieser Zeit nicht aufgearbeitet ist." Krause nannte es "beschämend", dass es so lange gedauert habe, bis die Stadt sich des Themas annahm. Jetzt tut sie es. Nach 48 Jahren.

 

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