Ein AZ-Selbstversuch Beauty-Behandlung im ICE: Schöner auf Schienen

Auf die Lippen kommt ein leicht schimmernder Pfirsich-Ton - nicht ganz einfach, wenn der Zug gerade über eine Weiche fährt. Foto: Sigi Müller

Die Deutsche Bahn bietet auf bestimmten ICE-Strecken jetzt eine Kosmetik-Behandlung von Douglas an. Die AZ steigt schon mal ein.

München - Das Licht ist schummrig, die WC-Kabine winzig und das Schminktascherl droht sich bei jeder kleinen Bewegung auf den Boden zu ergießen. Wer schon einmal versucht hat, sich im Zug hübsch zu machen, weiß: Der Wellness-Faktor ist gering.

Das will die Deutsche Bahn ändern. In Zusammenarbeit mit dem Parfümriesen Douglas bietet sie auf ein paar wenigen ICE-Strecken die Möglichkeit, sich von ausgebildeten Douglas-Visagistinnen in einem eigenen Abteil verschönern zu lassen. Angeboten werden eine Make-up-Auffrischung, eine Express-Typberatung oder individuelle Schminktipps, auch Handmassagen sollen ins Programm kommen.

Die maximal 15-minütige Behandlung ist für jeden, der eine Fahrkarte hat, kostenlos. Man kann sich auf eine Liste eintragen. Wer zuerst kommt, wird zuerst angemalt. Für diejenigen, die nicht mehr drankommen, gibt es ein kleines Geschenk.

Fünf starke Männer bringen das Equipment

Bisher ist das Ganze ein Modellversuch, die Termine fallen mit Anlässen wie der Fête de la Musique in Berlin, dem Dockville Festival in Hamburg und natürlich der Wiesn zusammen. Der ICE am Münchner Hauptbahnhof, in den ich am Dienstag einsteige, fährt nach Berlin, wo gerade die Fashion Week stattfindet .

Auf Gleis 18 sehe ich fünf starke Männer mit Rollwägen anrücken, unter anderem liegen darauf zwei säuberlich verpackte Teppichrollen. In geordneter Hektik stürmen sie in ein Abteil und verwandeln es in eine Douglas-Oase: Schwarzer Teppichboden, Rollo mit Logo, Stuhlhussen und eine schwarze Hochglanz-Oberfläche, die mal eben über den Tisch gestülpt wird.

Eine halbe Stunde haben sie Zeit, damit der Zug zum Douglas-Beauty-ICE wird, in Berlin wird dann alles wieder herausgerissen. Per Lautsprecherdurchsage gibt es den Hinweis auf das kostenlose Verschönern. Dann treten die perfekt geföhnten und geschminkten Visagistinnen zum Dienst an meinem Gesicht an, die selbst die beste Werbung für ihre Arbeit sind.

Kein Kajal: Die Bahn fürchtet ausgestochene Augen

"Auf Schienen ist das schon eine Herausforderung", sagt die 23-jährige Laura Zanker, während sie ein mit Dior-Parfüm besprühtes Kosmetiktuch in meinem Ausschnitt drapiert. Die Nase soll's schließlich auch schön haben. Douglas wählt die Marken selbst aus, auf meiner Fahrt nach Nürnberg bekomme ich ein natürliches Tages-Make-up von Dior Backstage - oberste Preiskategorie, für mich umsonst. Nicht schlecht.

Zanker hat eine ruhige Hand und weiß genau, was sie tut: warme Brauntöne für die Augen, Augenbrauenfarbe, ein bisschen Rouge und Konturenpuder. Für die Lippen gibt's einen Pfirsich-Ton "mit seidenmattem Finish", sagt Zanker, also halb matt, halb glänzend. Eine Frau vom Fach.

An Kajal und Mascara dürfen sie und die anderen Visagistinnen leider nicht ran, die Bahn fürchtet (nicht ganz zu unrecht) ausgestochene Augen bei der nächsten Weiche. Wimpern tuschen muss man also doch auf eigene Gefahr vor dem Taschenspiegel oder im WC, auch die Haarbürste muss man selbst schwingen. Wer aber eine schöne Abwechslung auf einer langen Strecke und ein hübsch gemachtes Make-up möchte, der kann sich beruhigt in die Hände der Beauty-Könnerinnen begeben. Und die Lautsprecherdurchsage wirkt: Gut 40 Minuten nach Abfahrt gibt es bereits sieben Anmeldungen, Tendenz steigend. Ein bisschen Glamour tut so einer Zugfahrt eben einfach gut.

Den Douglas-Service gibt es am 17. August im ICE 806 Berlin-Hamburg, am 8. September im ICE 599 Hamburg-Berlin und ICE 692 Frankfurt-Berlin, am 22. September im ICE 703 Berlin-München, im ICE 593 Frankfurt-München und im ICE 591 Stuttgart-München und am 15. November im ICE 707 Hamburg-Berlin und im ICE 800 München-Berlin. Mehr Infos gibt es auf www.bahn.de/douglas.

 

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