EHF Champions League Sieger Flensburger Handball-Helden auch beim Feiern top

Die SG Flensburg-Handewitt hat eindrucksvoll bewiesen, dass man auch mit weniger Geld die Champions League gewinnen kann. Großen Anteil am Erfolg hat Trainer Ljubomir Vranjes.

 

Köln – Die Flensburger Handball-Helden machten auch bei der dritten Energieleistung binnen 48 Stunden eine gute Figur. Dem sensationellen Triumph in der Champions League folgte eine lange Partynacht in Köln, bevor am Montag auf dem Südermarkt in Flensburg im Sonnenschein ausgelassen weitergefeiert wurde. "Das ist das unglaubliche Ende einer langen Reise", sagte ein überglücklicher Ljubomir Vranjes. Der Erfolgstrainer musste nach dem Sturm auf Europas Handball-Thron nach sensationellen Siegen gegen Topfavorit FC Barcelona und den deutschen Rekordmeister THW Kiel aber auch eingestehen: "Jetzt bin ich leer."

Vranjes und Flensburg – das passt. Seit November 2010 steht der 40-jährige Schwede bei der SG an der Seitenlinie. Den Flensburgern ist es dabei immer wieder gelungen, die Großen der Branche zu ärgern. Mit einem Sechs-Millionen-Etat waren die Norddeutschen in dieser Saison ausgestattet, Kiel hatte drei Millionen Euro mehr zur Verfügung.

Doch in Köln zählte der finanzielle Aspekt nicht. Sechs Tore Rückstand gegen Barcelona acht Minuten vor Ende des Halbfinals machten die willensstarken Flensburger ebenso wett wie ein 6:12 in der ersten Halbzeit im Finale gegen Kiel. "Es gab im Viertelfinale, Halbfinale und Finale immer Momente, wo wir schon draußen waren. Das ist alles unglaublich", sagte Steffen Weinhold. Für den Nationalspieler war es ein krönender Abschluss im SG-Trikot, Weinhold wechselt zu den finanzkräftigeren Kielern.

Ein Abgang, der schmerzt, der die SG aber nicht zu finanziellen Abenteuern verführt. "Wir haben nicht die Möglichkeiten wie Barcelona oder Kiel. Natürlich ist es immer unser Bestreben, den Etat zu vergrößern. Das haben wir die letzten Jahre gut gemacht. Aber ich werde jetzt nicht öffentlich über einen Etat von acht Millionen Euro nachdenken, wenn wir gerade daran arbeiten, uns sicher im Bereich von sechs oder 6,5 Millionen Euro zu bewegen. Das wäre fahrlässig", sagte Dierk Schmäschke. Der Geschäftsführer betont aber auch, dass viele Spieler in Flensburg Angeboten aus Kiel widerstanden hätten.

Das Final Four in Köln hat bewiesen, dass man mit der SG große Titel gewinnen kann – auch wenn dafür alles passen muss. Im Finale bot der schwedische Torhüter Mattias Andersson mit 20 Paraden eine überragende Leistung und half damit seinem Trainer, ein kleines Trauma zu überwinden. Vranjes gab zu, dass die mit Flensburg als Spieler gegen Kiel erlittene Champions-League-Finalniederlage 2007 noch immer an ihm nagte. "Jetzt bin ich ein wenig ruhiger", sagte der nur 1,66 m große ehemalige Spielmacher.

Sein Vertrag in Flensburg läuft noch bis 2017, in Zukunft will er seine Finalbilanz weiter aufpolieren. Fünf der acht Endspiele unter seiner Regie als Trainer gingen verloren. "Es tut immer weh, ein Finale zu verlieren. Dann ist es besser, gar nicht erst ins Finale zu kommen", sagte Vranjes. Doch damit musste er sich nach dem Final Four nicht beschäftigen.

Der Party-Marathon begann mit Champagner-Magnumflaschen noch auf dem Spielfeld und wurde später in der Kölner Innenstadt fortgesetzt. Am Montag folgte der gemeinsame Rückflug mit Finalgegner Kiel, ehe Spielern, dem Trainer und den Verantwortlichen in Flensburg ein triumphaler Empfang bereitet wurde. "Es ist toll, diesen Moment zu genießen. Verstehen werde ich das erst in ein paar Tagen", sagte Vranjes.

 

0 Kommentare