Ehemaliger Skandal-Brunnen Brunnenbuberl am Stachus wird saniert - einst sorgte es für Aufruhr

Eingezäunt ist das Brunnenbuberl schon. Foto: Daniel von Loeper

Seit Montag wird das Brunnenbuberl am Münchner Karlstor saniert. Die kuriose, wasserspeiende Figur hat eine lange und zeitweise sehr skandalöse Geschichte.

 

München - Das Großstadt-Areal Karlsplatz/Stachus/Lenbachplatz hat große Geschichte erlebt: etwa die Entfestigung der Stadt, den Einzug Napoleons, die ersten Hotels, die Verkündung des Freistaats, sensationelle Prozesse und die letzte, verlorene Schlacht der Räterevolutionäre.

Doch der Platz mit den zwei Namen kann auch zurückblicken auf lustige und skandalöse Ereignisse und Personen, von denen vier am mittelalterlichen Karlstor in Stein verewigt sind. Von derlei Begebenheiten waren die Brunnen besonders betroffen, wobei nicht unbedingt jene Münchner gemeint sind, die in den Sommern der freien Siebzigerjahre unter dem Sprühregen des 1972 eröffneten kreisrunden Spritzbrunnens schon mal ihre Kleider ablegten.

Als der sogenannte Wittelsbacherbrunnen, der ewig an die fortschrittliche Wasserversorgung Münchens erinnern sollte, im Juni 1895 vom Prinzregenten feierlich eröffnet wurde, da war sein Schöpfer, der berühmte Bildhauer Adolf von Hildebrand, mit der handwerklichen Ausführung keineswegs zufrieden. Die allegorischen Gebilde erschienen ihm zu hell, so dass er frühmorgens eigenhändig eine dunklere Farbe auftrug. Die Münchner und ihre Presse spöttelten noch lange über den neuen "Malzkaffee-Brunnen". Heute gehört er zu Münchens meistfotografierten Bauwerken.

Skandal: Anstößige Brunnenfigur

Einen Skandal gab es auch bei einem Brünnlein, das am 22. September desselben Jahres hinter dem großen Kiosk auf der entgegengesetzten Stachusseite eröffnet wurde. Der erst 22 Jahre alte Bildhauer Matthias Gasteiger hatte für die Pariser Weltausstellung 1903 eine lustige Gruppe modelliert: Ein splitternackter Knabe bekommt von einem lachenden Faun fortwährend Wasser ins Gesicht gespuckt.

Aus Freude über die dafür gewonnene Goldmedaille und eine Ehrung in Wien ("eines der besten Werke der Bildhauerkunst") schenkte der Künstler das bald sogenannte Brunnenbuberl seiner Heimatstadt München.

Doch was sah man da in aller bürgerlichen Öffentlichkeit? Der Marmor-Knabe war unverkennbar männlichen Geschlechts. Der Polizeidirektor höchstpersönlich erklärte dem Künstler, dass sein Bildwerk zu anstößig sei und "etwas geschehen" müsse. Damit wurde, so die Zeitschrift "Kunst für Alle", eine wahre "Sturmflut eröffnet".

Verspotteter Brunnen am Stachus

Das Für und Wider spaltete München, und so wurde das Buberl in ganz Deutschland berühmt. Aus Spaß oder Moral wurden dem Bildhauer dreihundert Höschen geschickt. Eines Tages war das Brunnendenkmal durch Anilin beschmiert.

Spottgedichte heizten den "Skandal" an: "Schäm dich, Buberl / aus der Fremd / Hast du wirklich / gar kein Hemd? / Um’s zu sehen / Kam herbei / die gewalt’ge Polizei." Nach der Polizei griff der als relativ liberal geltende Prinzregent ein. Ob er denn nicht wenigstens ein Feigenblatt anbringen könne, schlug er dem Künstler vor. Der aber antwortete nur mit einem faunischen Lachen, weshalb er später, wie er vermutete, nicht zum Professor berufen wurde.

In der Nische: Das "Buberl" wird jetzt saniert

Immerhin musste er neun weitere Exemplare auf Bestellung in andere Städte liefern, eines bis nach Amerika. Als München vorübergehend rot und revolutionär wurde und Kanonenschüsse über den Stachus krachten, erlitt das Original-Buberl drei Einschüsse. Flugs wurde eine Postkarte hergestellt mit der Aufschrift: "Unser schwerverwundetes Buberl."

Beim großen Stachus-Umbau dann wurde der spritzig-witzige Brunnen von der immer noch begrünten Platzmitte weg in eine Nische vor dem Karlstor versetzt, wo er nun – wie eine Gasteiger-Dokumentation rügt – eingezwängt und isoliert wirke, vor allem weil ihm nun der Bezug zur Natur fehle. Von 1964 bis 1971 war er eingelagert.

Jetzt aber ist es an der Zeit, sowohl das Brunnenbuberl selbst, als auch die Figuren der Herme und des Satyrs zu reinigen und von der Kalkschicht zu befreien. Dass es von jeglicher Gewandung befreit ist und bleibt, regt keinen mehr auf.


Baureferat saniert: Arbeiten bis zum 4. September

Nach mehrjährigen Dauerbetrieb muss der Brunnen am Karlstor einer Schönheitskur unterzogen werden. Sowohl das Brunnenbuberl selbst als auch die Figuren der Herme und des Satyrs werden gereinigt und von der Kalkschicht befreit. Am Brunnenbecken werden der Naturstein gereinigt und die Fugen nachgearbeitet. Das Becken bekommt eine neue Beschichtung. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis zum 4. September dauern.

Der Brunnen wird, natürlich nur, wenn er gerade nicht saniert wird, ganzjährig, auch im Winter, mit Frischwasser betrieben.

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