EHC scheitert in Preplayoffs EHC-Coach Pagé: "Ich bin angewidert von mir selbst!"

Kapital gescheitert: Pierre Pagé, Trainer des EHC Red Bull München. Foto: GEPA pictures/ho

Der EHC Red Bull München blamiert sich gegen Iserlohn in den Preplayoffs. Trainer Pierre Pagé rechnet mit dem Team ab - und sich selbst.

 

München - Pierre Pagé, der Meister des ununterbrochenen Redeflusses saß da, die Augen starrten ins Leere, immer wieder schlug er die Hände vors Gesicht. Er war der Eishockeytrainer der traurigen, nein, der gescheiterten Gestalt.

1:4 waren seine Red Bulls beim dritten und entscheidenden Preplayoffspiel kläglich gescheitert. An Iserlohn!

 Er, der die Eishockeywelt von München aus verändern wollte, der von Saisonbeginn an die  Meisterschaft zum immer wieder kehrenden Mantra erhoben hatte, der 14 Siege in diesen Playoffs gefordert hatte,  hat genau einen Sieg geholt. 7,14 Prozent der Aufgabe sind erfüllt. Eine blamable Bilanz für Pagé, der sein Team frontal abwatschte.

„Ich habe so etwas in all meinen Jahren als Trainer noch nie erlebt. Das war das schlechteste Spiel, das ich je gecoached  habe. Ich habe noch mit einer Mannschaft gearbeitet, die unter Druck alles falsch machen kann, was man falsch  machen kann“, sagte der 65-Jährige, „es ist mir nie gelungen, die Persönlichkeit dieses Teams zu ändern. Ich kann im Moment nicht mit dem Team sprechen. Ich bin so was von angewidert von mir selber. Angewidert, dass ich es nicht geschafft habe, den Spielern Disziplin beizubringen.“

Pagés Stimme stockte. Er nahm die Brille ab, rieb sich die Augen, als würde er Tränen abwischen müssen. „Es ist meine Aufgabe, Disziplin zu lehren. Ich habe es nicht geschafft“, wiederholte er. Eine Bankrotterklärung.

Und wenn Pagé mal in Rage ist, ist er wie ein Bullterrier, der sich in ein Opfer verbissen hat. Er hatte sich in sein Team verbissen. „Wenn man einen Herzinfarkt hatte – oder Krebs -, man man sich grundlegend ändern, sein ganzes Leben umstellen, sonst bekommt man einen zweiten Herzinfarkt. Das passiert den meisten Menschen, das ist uns passiert“, sagte Pagé, „wir haben uns nie wirklich zum Guten geändert, wir haben nie wirklich Disziplin als Teil unseren Charakters angenommen. Das hier war unser zweiter Herzinfarkt.“

Und weil Pagé die Persönlichkeit nicht ändern konnte, wird er das Team ändern. „Als ich in Berlin war, hatten wir nach der ersten Saison einen riesigen Umbruch in der Mannschaft, danach kam der Erfolg. Bei uns spielten sich die Deutschen das Herz raus, auf sie bin ich stolz“, sagte Pagé, aber ansonsten werden wir viel ändern müssen.“

Der hochbezahlte Darren Haydar, den Pagé, in diesen dritten Preplayoffspiel gegen Iserlohn sogar auf die Tribüne verbannt hatte, wird nach AZ-Informationen den Verein verlassen. Andere Ausländer werden folgen.

Das Spiel war die Sein-oder-Nichtsein-Frage, das war die Hamlet-Frage für den EHC Red Bull München. Die Frage ist beantwortet: Die Red Bulls sind kein Titelanwärter, keine Topmannschaft. Was die EHCler und Pagé jetzt sind: Sie sind gescheitert, sind Urlauber, die sich den Frühbucherrabatt sichern können.

Mangelnde Konstanz, mangelnde Disziplin, mangelndes System – das war das, was den EHC in dieser Saison „auszeichnete“.
„Wir haben nicht gelogen, als wir sagten, dass wir den Titel holen wollen, ich danke den Fans und den Medien, dass sie an uns geglaubt haben Aber wir haben jetzt alle in den letzten zwei Spielen enttäuscht, das tut mir leid“, sagte Page, und wiederholte erneut: „Ich bin angewidert.“ Persönliche Konsequenzen, einen Rücktritt, schloss er aber aus. „Wir  haben einen Plan, das war das erste Jahr. Wir waren besser als vergangenen Saison, nicht viel, aber besser. Es ist leicht, jetzt zu kritisieren. Aber wir haben einen Plan.“

Ob Pagé ihn noch umsetzen kann?

 

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