EHC Red Bull München Verzocken Sie die Playoffs, Herr Cortina?

Der Trainer des EHC steht in den nächsten beiden Spielen unter Druck. Hier erklärt er, was ein Scheitern für ihn persönlich bedeuten würde.

 

AZ: Herr Cortina, null Punkte aus den Spielen gegen Nürnberg und in Mannheim, der EHC ist auf Platz zehn zurückgefallen. Die Qualifikation für die Playoffs ist nun akut gefährdet...

PAT CORTINA: Noch sind wir Herren über unser Schicksal, wir haben es in der Hand. War es enttäuschend, dass wir keine Punkte holten? Absolut. Wir haben Fehler gemacht, die man in so einer entscheidenden Phase der Saison nicht machen darf. Wir haben gegen Nürnberg erst nach 20 Minuten angefangen, EHC-Eishockey zu spielen, und das gegen einen direkten Konkurrenten. Wir haben gegen Mannheim eine 2:0-Führung nicht halten können, das ist bitter. Aber ein Wochenende vor Saisonende noch im Rennen für die Playoffs zu sein, ist das Ziel, das wir uns gesetzt haben. Und dieses Ziel ist mit unserem Etat und unserem Kader realistisch. Dass wir es vergangene Saison nicht geschafft haben, war enttäuschender, weil wir unter unseren Möglichkeiten geblieben sind. Dieses Jahr holen wir zumindest alles aus uns raus.

Nach der Nürnberg-Pleite haben Sie die Schuld für die Niederlage auf sich genommen, weil Sie zu früh Druck vom Team genommen hätten. Verzocken Sie die Playoffs, Herr Cortina?

Ich wollte dem Team eine Chance geben, die Akkus etwas aufzuladen, das ist nach hinten losgegangen. Ich weiß, dass für jeden anklagenden Finger, den du auf andere richtest, vier andere Finger auf dich selber zeigen. Wenn wir die Playoffs nicht erreichen sollten, dann würde das heißen, dass ich mir das große Ziel, das ich mir gesetzt habe, nicht erreicht hätte.

Wie genau sah denn Ihr Ziel aus?

Noch bevor ich überhaupt den Posten als Bundestrainer angenommen habe, habe ich für mich gesagt: Es ist meine Pflicht, dem Verein etwas zurückzugeben. Ich wollte Danke sagen dafür, dass der Alleingesellschafter Michael Philipps den Verein vor dem Finanztod bewahrt hat, dass Red Bull als Hauptsponsor eingestiegen ist. Die beste Art, Danke zu sagen, ist die Playoffs zu erreichen.

Zwei Jahre in Folge keine Playoffs, das wäre ein Rückschlag für Sie persönlich – speziell, da Ihr Start mit der Nationalmannschaft mehr als holprig verlief. Es gab das historische Debakel der Nichtqualifikation für Olympia.

Das stimmt, das habe ich mir sicher auch anders vorgestellt. Die Reise hat nicht gut begonnen, das heißt aber nicht, dass man auf einem Irrweg ist. Was den EHC betrifft: Wenn es mir nicht gelingen sollte, den EHC in die Playoffs zu führen, dann würde ich mich schon so fühlen, als hätte ich den Verein im Stich gelassen, als hätte ich meine Aufgabe nicht richtig erfüllt. Das hier ist nun mein vorerst letztes Jahr als Trainer des EHC – ich will diese Episode München zu dem guten Abschluss bringen, den München, den der EHC verdient.

Mit Meister Eisbären Berlin und Angstgegner Hamburg geht es zum Abschluss gegen zwei Hammerteams.

Das stimmt, aber es geht nicht um die anderen, sondern um uns. Wenn wir es schaffen, in den Spielen jeweils 60 Minuten das in die Waagschale zu werfen, was den EHC ausmacht, dann werden wir das schaffen. Wenn man alles gegeben hat, was man in sich hat, ist man ein Gewinner, selbst, wenn das Ergebnis was anderes sagt. Aber meist sagt auch das Ergebnis dann, dass man ein Sieger ist. Wir werden alles dafür tun, das Eis nach diesem Wochenende mit erhoben Häuptern verlassen zu können.

 

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