EHC Red Bull München Reimer über seinen EHC-Abschied: "Ich bereue nichts"

Drei Spielzeiten war Jochen Reimer Keeper beim EHC, jetzt spielt er in Nürnberg. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der EHC trifft auf Nürnberg mit dem Ex-Münchner Reimer im Tor. In der AZ erklärt er die Gründe für den Wechsel, sein neues Tattoo und warum sein Bruder zum Psychologen wurde.

AZ: Herr Reimer, am Freitag empfangen Sie mit den Nürnberg Ice Tigers den EHC Red Bull München, für den Sie die vergangenen drei Jahre spielten. Hand aufs Eishackler-Herz: Das ist keine normale Partie für Sie, oder?

JOCHEN REIMER: Mei, es ist weiter Eishockey, es geht weiter um drei Punkte, insofern ist es ein normales Spiel, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mich nicht bewegt, wenn ich jetzt gegen München spiele. Zum Glück bin ich schon ein paar Jahre im Geschäft, habe ja auch früher gegen meinen Bruder Patrick gespielt oder gegen meine Ex-Klubs Wolfsburg und Düsseldorf. Daher wird es mir jetzt nicht den Schlaf rauben. Aber ich freue mich darauf, meine guten Freunde Uli Maurer, Toni Ritter und Alex Barta, mit denen ich weiter regen Kontakt habe, zu treffen.

Gerade Barta hat sich vorgenommen, Sie mit möglichst vielen Toren zu ärgern.

(lacht) Das kann ich mir beim Alex bestens vorstellen. Schauen wir mal, wer am Ende den anderen mehr geärgert hat.

Sie haben den EHC verlassen, weil Sie unter Trainer Pierre Pagé den Spaß am Eishockey verloren hatten. Haben Sie ihn in Nürnberg wiedergefunden?

Ich muss zugeben, das war nicht leicht. Ich hatte diese langwierige Verletzung.

Eine Gehirnerschütterung.

Genau, und dann lief es am Anfang nicht so gut in Nürnberg, aber jetzt, da der Erfolg da ist, da die Leistung auch wieder stimmt, kann ich definitiv sagen: Ja, ich habe wieder Spaß am Eishockey. Zum Glück!

Was waren Ihre Gedanken, als Sie nach der Saison und dem Wechsel nach Nürnberg hörten, dass Pagé den EHC verlassen muss und durch Don Jackson ersetzt wird?

Ich habe mich für die Jungs beim EHC gefreut, denn ich kenne Don aus unserer gemeinsamen Zeit in Düsseldorf, er ist ein toller Mensch und ein toller Trainer. Für mich selber war es nicht wichtig. Ich hatte die Entscheidung, den EHC zu verlassen, schon sehr, sehr früh in der Saison getroffen, weil einfach gewisse Dinge so gar nicht gepasst haben. Mir ist klar, worauf Sie hinauswollen, aber ich kann für mich ganz klar sagen: Ich bedaure nichts, ich bereue nichts. Für mich war es die richtige Entscheidung. Ich habe die getroffen und ich bin froh, dass ich sie durchgezogen habe. Da bin ich sogar ein bisschen stolz drauf.

Sie sind in Nürnberg wieder mit Ihrem Bruder Patrick vereint, wie wichtig ist das für den Familienmensch Reimer?

Das ist sehr wichtig. Wir sind in Nürnberg echt eine Super-Truppe, aber mit seinem Bruder redet man halt doch noch mal ganz anders als mit Freunden. Es mag sich blöd anhören, aber Blut ist eben dicker als alles andere. Da kann man sich dann auch über Dinge austauschen, die einem schwer auf dem Herzen liegen, die aber nicht unbedingt in eine Spielerkabine gehören.

Der Bruder als Psychologe?

Ein eindeutiges Ja. Ich hatte viele Sitzungen bei ihm (lacht). Ich will ganz offen sein, es gab viel Gesprächsmaterial. Ohne, dass ich ins Detail gehen werde, die vergangene Saison war für mich sehr schwer, da gab es viel zu erzählen, viel aufzuarbeiten. Da hat mir mein Bruder sehr geholfen. Ich bin sehr froh, mit ihm zusammenzuspielen.

Die Pagé-Erfahrungen sollen nicht das Einzige sein, was Ihnen zuletzt unter die Haut ging?

(lacht) Ja, ich habe mir mein erstes Tattoo stechen lassen. Auf den Arm. Es ist deutlich größer geworden als geplant.

Was stellt es dar?

Zum einen Ritter Georg von Frundsberg...

...der den Spruch „Viel Feind, viel Ehr’“ geprägt hat...

und aus meiner Heimatstadt Mindelheim stammt, den hatte ich schon mal auf meiner Torwartmaske verewigt. Zum anderen noch St. Magnus, der Schutzheilige des Allgäu, wo ich herkomme. Er hält ein Buch, in dem ich die Initialien meiner Eltern und Brüder unterbringen ließ. Der St.Magnus-Tag ist auch noch am 6. September, meinem Geburtstag. Außenrum sind bayerische Berge und dazu ein Steinbock.

Klingt fast wie Heimatromantik aus einem Luis-Trenker-Film entsprungen!

Fast. Es symbolisiert für mich Heimat und Familie. Zwei Dinge, die du immer in dir trägst, die nie aus der Mode sind. Und da ein Tattoo für die Ewigkeit ist, wollte ich Symbole, die mich ewig begleiten werden.

 

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