EHC Red Bull München Raubein Pinizzotto: "Hallo, es sind Playoffs"

Wenn sich die schweren Jungs prügeln: Zu Beginn des zweiten Drittels geraten O’Connor (l.) und Pinizzotto aneinander. Foto: gepa pictures

München - Es war das ewig junge, ewig brisante Duell Oberbayern gegen Niederbayern. Der EHC Red Bull München gegen die Straubing Tigers. Das Etat-Schwergewicht gegen den Budget-Schwindsüchtigen. Der Hauptrundensieger gegen den viermaligen Hauptrundensieger-Besieger. Das Ergebnis: München 5, Straubing 0!

 

Steve Pinizzotto, Michael Wolf, Matt Smaby, Keith Aucoin und Jeremy Dehner hatten beim fröhlichen Scheibenschießen das meiste Zielwasser intus, machten so den ersten Sieg in dieser Viertelfinal-Playoff-Serie (Best of Seven) perfekt. Es war ein Statement-Spiel, ein Statement-Sieg des Teams von Trainer Don Jackson. „Ein wichtiger Sieg, die Höhe ist egal“, sagte Nationalstürmer Yannic Seidenberg, „es ging sehr hitzig zu, aber so sind die Playoffs. Da gibt es viele Rangeleien. Auch dann noch, wenn die Schiedsrichter abgepfiffen haben. Da muss man einen kühlen Kopf bewahren und auch mal einen Schlag einstecken.“

Kühlen Kopf bewahren? Einen Schlag einstecken? Nicht die hervorstechenden Charaktereigenschaften von EHC-Raubein Pinizzotto, der mit 153 Strafminuten Strafbank-König der DEL war. Er steht für die neue Härte des EHC. Anders als in der Vorsaison lassen sich die Roten Bullen nicht mehr rumschubsen. Damals hatte man die Hauptrunde als Zweiter abgeschlossen, war in den Playoffs angesichts der gesteigerten Härte aber wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange erstarrt und so gegen Wolfsburg sang-, klang-, und sieglos ausgeschieden.

 "Ich verschwende mit ihm nur meine Zeit"

Zu Beginn des 2. Drittels trafen mit Pinizzotto und Straubings Sean O’Connor, dem früheren EHCler, gleich King Kong und Godzilla der DEL aufeinander und ließen die Fäuste fliegen. „Ich verschwende mit dem Kerl nur meine Zeit. Er ist für sein Team wohl nicht besonders wertvoll. Ich habe eigentlich Wichtigeres zu tun, als mich mit dem Typen zu beschäftigen“, sagte Pinizzotto, der durch sein Tor, einen Assist und seine Zehn-Minuten-Strafe gegen Straubing einen sogenannten Gordie-Howe-Hattrick ablieferte.

Howe, einer der besten Spieler der NHL-Historie, war für seine spielerischen Fähigkeiten berühmt, für seine Härte und seinen Kampfeswillen berüchtigt. „Dieser Hattrick ist mir jetzt in jeder Liga, in der ich gespielt habe, geglückt“, freute sich Pinizzotto über diesen Ehrentitel für harte Hunde. Tigers-Coach Larry Mitchell beschwerte sich nach der Partie darüber, dass es sehr viel Trash-Talk, also Provokationen der nicht druckbaren Art, gegeben habe. „Ich bin nicht der Einzige, der das macht, bei weitem nicht“, konterte Pinizzotto, „ich kriege auch einiges zu hören. Hallo, es sind Playoffs.“ Und das heißt eben: schneller, härter, intensiver. „In den Playoffs zählt nur der Sieg“, sagte EHC-Keeper David Leggio, der ohne Gegentor blieb. „Das ist schön, aber nicht wichtig. In Straubing müssen wir jetzt nachlegen. Uns ist bewusst, dass uns da einiges erwartet.“

Ein Hexenkessel wird es am Freitag (19.30 Uhr), das ist klar. „Das Stadion dort ist sehr laut, die mitgereisten Straubinger Fans haben schon bei uns für Stimmung gesorgt“, sagte Nationalstürmer Frank Mauer, „es wird hitzig.“ Doch anders als vergangene Saison macht das den EHClern keine Angst mehr. Im Gegenteil. „Es wird eine feindselige Atmosphäre“, sagte Pinizzotto, „das ist gut für das Heimteam, aber auch für uns, denn man ist sofort in der Partie. Ich freue mich drauf.“ Und Coach Jackson meinte: „Wir haben erfahrene Spieler wie Wolf, Jason Jaffray, Keith Aucoin und viele andere, die das Team in solchen Partien anführen. Solche Spieler machen den Unterschied.“ Den Unterschied zur Vorsaison. Der EHC hat die Playoff-Härte – physisch und mental – für sich entdeckt.

 

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