EHC Red Bull München Jaffray: Der Mann, der von nichts wusste

Jason Jaffray, Stürmer des EHC Red Bull München. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Jason Jaffray, Stürmer des EHC Red Bull München, schafft sechs Tore in sechs Spielen. Hier spricht er über seine Bestmarke, die Wiesn, die Fans.

 

AZ: Gratulation, Herr Jaffray, Sie haben einen neuen Vereinsrekord aufgestellt, indem Sie in den ersten sechs Liga-Spielen des EHC Red Bull München je ein Tor erzielt, das hat vor Ihnen keiner geschafft!

JASON JAFFRAY: Echt? Das wusste ich noch gar nicht.

Für irgendetwas muss ja die Presse gut sein ...

(lacht) Zumindest wurde ich dadurch aufgeklärt. Es ist toll, so einen Rekord zu schaffen. Ich war zwar immer ein Spieler, dessen Aufgabe es war, für Offensive und Tore zu sorgen, aber sechs Treffer und nicht ein einziger Assist, das ist schon wirklich sehr uncharakteristisch für mich.

Sie sind 34, Michael Wolf ebenfalls und Keith Aucoin schon 36. Sie bilden eine der ältesten Sturmreihen der DEL.

Stimmt, aber ich finde, dass wir noch keinen Rost angesetzt haben. Wir haben viel Erfahrung und daher wird natürlich von uns erwartet, dass wir für Tore sorgen. Wolf ist ein toller Torjäger. Keith ist ein Spieler, der immer andere grandios in Szene setzt, der lieber den Pass auf den besser postierten Spieler sucht, ehe er selber den Torerfolg sucht. Er ist sehr selbstlos.

Provokant gesagt: Also bisher das Gegenteil von Ihnen ...

(lacht) So könnte man es in dieser Saison bisher formulieren.

Wie war Ihr erster Eindruck von der DEL, schließlich spielten Sie Ihre gesamte Karriere bisher in Nordamerika.

Ich war ganz ehrlich überrascht, wie hoch das Spielniveau ist. Und die Fans sind der Wahnsinn. So eine Atmosphäre gibt es in Nordamerika nicht. Bei unserem ersten Spiel hier habe ich von der Bank aus teilweise den Anhängern zugeschaut, weil ich einfach sehen wollte, was sie sich wieder einfallen lassen. Selbst wenn die Gegner treffen, werden die Fans nicht still, sondern singen weiter, feuern einen an. Das hat mich wirklich tief beeindruckt.

Warum haben Sie sich mit 34 entschieden, nach Deutschland zu wechseln?

Der Verein für den ich spielte, hat seinen Standort verlagert, wir mussten also sowieso die Koffer packen. Da wir in der Familie schon drei, vier Jahre darüber gesprochen hatten, ob ich das Abenteuer Europa wagen sollte, war der Zeitpunkt eben perfekt. Da ich in meinem Leben noch nie in Europa war, habe ich ziemlich viel Recherche betrieben, welches Land für eine Familie am Besten ist. Deutschland stand da ganz weit oben. Als das Angebot des EHC kam, haben wir zugeschlagen. Meine Familie liebt es hier. Meine Kinder sind fasziniert, genießen es sehr, Deutsch zu lernen. Wir waren auch gerade mit den Kindern auf der Wiesn. Jeder in Kanada spricht vom Oktoberfest, jetzt kann ich behaupten, ich bin einer, der es erlebt – und überlebt – hat (lacht).

Ihre Frau ist die Tochter der Gastfamilie in Kanada, bei der Sie als Jugendlicher lebten.

(lacht) Oh Gott, ja. Ich habe das ausgenutzt. Es war die beste Entscheidung, die ich getroffen habe. Wir sind jetzt zehn Jahre verheiratet, haben zwei Kinder.

Sie sind dafür bekannt, viel zu lesen. Das haben Sie wohl von der Mutter mitgekriegt.

(lacht) Da hat jemand in meinem Leben gewühlt. Meine Mutter hatte einen Buch- und CD-Laden, leider ist sie vor ein paar Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Aber sie hat mir die Welt der Bücher eröffnet. Ich liebe Biografien. Eines meiner Lieblingsbücher ist das über Nirvanas Frontman Kurt Cobain. Es ist faszinierend und verstörend zu lesen, wie er gelebt hat, bis er sich das Leben nahm. Harter Stoff. Da weiß man, dass es besser ist, das nur zu lesen, nicht zu erleben.

 

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