EHC Red Bull München Hegen: „Der EHC ist ein heißer Titelanwärter“

Der EHC um Jon DiSalvatore feiert den Sieg gegen Augsburg. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Die Eishockey-Ikone traut dem EHC Red Bull München unter Trainer Don Jackson viel zu – mit deren Gegner Kölner Haie geht er hart ins Gericht.

AZ: Herr Hegen, Sie waren mit Köln Meister, mit München Meister, am Freitag treffen die Vereine, die vor der Saison beide als Titelfavoriten gehandelt wurden, aufeinander. Doch die Konstellation nach zwölf Spieltagen lautet: Der Tabellenzweite EHC tritt beim Vorletzten, den Haien, an. Sind Sie überrascht?

DIDI HEGEN: Sehr! Nicht über die Münchner, die erfüllen die Erwartungen vollkommen, aber Köln? Damit konnte keiner rechnen. Mir hat auch gar nicht gefallen, wie der Verein auf den Fehlstart reagiert hat, dass die Haie ihren Trainer Uwe Krupp nach nur acht Spielen gefeuert haben. Ich bin mir auch sicher, dass Krupp die Haie aus dem Tal wieder rausgeführt hätte. Er hat in Köln in den letzten Jahren sehr viel bewegt. Das Team war zwei Jahre hintereinander Vizemeister, hat die letzte Finalserie denkbar knapp verloren. Das hat der Uwe nicht verdient. Er ist eine Ikone! Er ist Stanley-Cup-Sieger! Er ist Kölner! Wenn man die Situation analysiert, dann stellt man fest, er hatte den Ausfall von sechs Spielern zu kompensieren. Ich denke, am rein Sportlichen hat diese Entlassung nicht gelegen, da müssen Dinge passiert sein, von denen wir alle noch keine Ahnung haben. Denn, wenn es nicht so ist, wäre es ein Armutszeugnis für den Verein.

Die Haie holten Krupps ehemaligen Assistenten Niklas Sundblad, der vergangene Saison den Kölnern mit seinem ERC Ingolstadt den Meistertitel weggeschnappt hat. Doch der hat bisher noch nicht einen Punkt holen können.

Ich bin kein Freund von schnellen Trainerentlassungen – und hier sieht man den Grund. Klar kann ein neuer Trainer gleich für eine Aufbruchsstimmung sorgen, wenn das aber misslingt, wird es noch schwerer. Dann ist das Team erst recht verunsichert, der Effekt ist sofort verpufft, die Spieler müssen sich an ein neues System gewöhnen, all das braucht Zeit. Das kann ganz schnell zu einem Teufelskreis werden, aus dem man schwer rauskommt. Aber ich denke, die Kölner werden, wenn die Verletzten mal wieder alle an Bord sind, noch mal richtig angreifen. Ich würde die nicht abschreiben. Es ist eine gute Truppe, die nur im Moment nicht weiß, wie gut sie ist.

Wie gut ist in Ihren Augen denn der EHC München?

Die Tabelle lügt in diesem Fall nicht. Für mich kann München ein ganz heißer Titelanwärter werden. Ach was, die sind schon ein heißer Titelanwärter. Die Spielanlage ist sehr, sehr gut. Was nicht überrascht.

Das ist sicher Neu-Trainer Don Jackson zu verdanken, der ja mit fünf Titeln der erfolgreichste Coach der DEL-Geschichte ist. Er scheint in kürzester Zeit ein echtes Team geformt zu haben.

Über Don muss man eigentlich keine Worte mehr verlieren. Wo er ist, ist der Erfolg daheim. Er hat ein System, mit dem er – wo immer er war – Erfolg hatte. Egal, ob das in Düsseldorf war, natürlich bei den Eisbären Berlin, in Salzburg, oder jetzt in München. Er hat die Formel gefunden, dass der Erfolg ihm folgt. Eigentlich scheint er den Erfolg sogar dazu zu zwingen, bei ihm zu bleiben (lacht).

Wer gefällt Ihnen denn beim EHC bisher am besten?

Abgesehen davon, dass die Mannschaft sehr ausgeglichen ist, keine echten Schwächen hat, gefällt mir Mads Christensen als Stürmer sehr gut und natürlich Richie Regehr.

Zwei Spieler, die Coach Jackson schon aus gemeinsamer Berliner Zeit kennt.

Ja, das sind zwei Säulen einer Mannschaft, die mit ihrem Charakter, dem bedingungslosen Siegeswillen ein Team prägen und führen. Regehr ist für mich der beste Verteidiger der gesamten Liga. Er ist defensiv stark und verfügt über einen unglaublichen Schlagschuss. Aber er ist so intelligent, dass er den nicht blind einsetzt, sondern oft nur aus dem Handgelenk einen Unhaltbaren herzaubert.

 

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