EHC Red Bull München Felix Schütz: „Im Kopf bin ich ein Münchner“

Nationalstürmer Felix Schütz verlässt den EHC Red Bull München. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

AZ exklusiv: Felix Schütz, Star des EHC Red Bull München, über seinen Vertrag, Heimat, die russische Seele und warum er hier kein Sushi mehr essen kann.

 

AZ: Herr Schütz, die Mama in Erding hat ja sehr drauf gedrängt, dass Sie das Russland-Abenteuer beenden und wieder in Deutschland spielen. Als braver Sohn haben Sie zumindest vorerst beim EHC angeheuert. Wie gefällt’s?

FELIX SCHÜTZ: Ich glaube, meine Frau ist da noch mehr dahinter her. Aber Spaß beiseite, ich bin Profi-Eishockeyspieler, da gehört es einfach dazu, auch mal im Ausland zu spielen. Aber ich bin schon ein sehr heimatverbundener Mensch. Ich fühle mich hier sehr wohl. In Russland ist es schon saukalt und hier saß ich gerade am See im Olympiapark bei 27 Grad. Im Kopf bin ich Münchner. Ich kann täglich meine Frau, meine Familie, meinen Opa sehen, der nach einem Hüftbruch gerade im Krankenhaus liegt. Die Familie ist mir sehr wichtig. Ich kann an München sicher nichts aussetzen. Im Gegenteil.

Sie haben aber eine Ausstiegsklausel in Ihrem Vertrag.

Das hat doch fast jeder Spieler in der Liga. In Russland gibt es eine Wechselfrist, die endet Ende Dezember. Und um eines klarzustellen: Ich habe den Vertrag in München nicht aus reiner Gaudi unterschrieben, das bringt auch Pflichten mit sich. Man weiß zwar nie, was die Zukunft bringt, aber ich bin jetzt beim EHC. Mit Herz und Seele. Ich hatte am Anfang sicher noch ein paar Probleme, weil ich eine lange Pause hatte. Aber ich fühle mich mit jedem Tag besser und stärker und freue mich auf den Kracher beim Tabellenführer Mannheim am Freitag.

Können Sie uns die russische Seele ein bisschen erklären?

Der Russe ist ein sehr ruhiger Zeitgenosse. Er wirkt im ersten Moment vielleicht ein bisschen kalt. Aber wenn sie mal auftauen, sind das sehr herzliche Menschen, denen die Familie über alles geht. Sie sind auch sehr gläubig. Mann kann wirklich sagen, wenn ein bisschen Alkohol ins Spiel kommt, öffnen sie sich schneller, dann kann man mit ihnen super feiern. Das können wir Bayern gut nachvollziehen. Was bei uns das Bier, ist dort der Wodka.

Wo wir bei Klischees sind. Wie schaut’s mit Kaviar aus?

Super! Ich hatte vorher noch nie Kaviar probiert, aber dort kriegst du den fast jeden Tag in allerbester Qualität. Ein Traum. Wenn der erst so einen Tag alt ist, dann schmeckt er grandios. Ich muss auch sagen, ich kann in Deutschland kein Sushi mehr essen. Wer einmal erlebt hat, wie das schmeckt, wenn man direkt am Meer ist, der kann mit dem, was hier normalerweise angeboten wird, nicht mehr viel anfangen.

Wie viele Sorgen machten Sie sich denn bei Ihrem Wechsel nach Wladiwostok? Zwei Jahre zuvor war die gesamte Eishockeymannschaft von Jaroslawl bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Darunter der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich.

Das war ein extremer Schock, denn Robert war ein guter Freund. Ich kenne auch seine Freundin, seine Eltern sehr gut. Die leiden immer noch schrecklich. Zehn Tage davor hatten wir telefoniert, er sagte: „Alles ist bestens“. Das sind die letzten Worte, die ich je von ihm hören werde. Klar war für mich die Sicherheit ein Thema. Und ja, wenn man nach Sibirien fliegt und die Turbulenzen heftig sind, die Landung holprig, dann denkt man schon mal nach, habe ich mich von meiner Familie verabschiedet? Aber es hat sich bei der Sicherheit viel getan – und passieren kann einem überall etwas.

Gefürchtet ist auch der Verkehr in Russland.

Das stimmt, die fahren da ganz anders, da musst du extrem aufpassen. Du wirst von überall überholt. Links, rechts, am liebsten noch obendrüber. Als ich gesagt habe, ich will selber fahren, haben mich alle komisch angeschaut. Nimm dir doch einen Chauffeur, wie alle hier, hieß es. Aber ich wollte unabhängig sein. Und als Deutscher ist man ja so einiges gewohnt. Es gibt in Wladiwostok aber viele Autos, die aus Korea stammen, die haben das Lenkrad auf der rechten Seite. Da muss man sich dran gewöhnen.

Sie sind erst 26, aber schon im Museum verewigt.

(lacht) Ja, der Schläger, mit dem ich den 2:1-Siegtreffer über die USA beim Zuschauerweltrekordspiel auf Schalke vor 80 000 Fans bei der Heim-WM 2010 erzielt habe, hängt in der Hall of Fame, der Ruhmeshalle des Eishockeys in Toronto. Ich habe ihn aber dort selbst noch nicht gesehen. Nächstes Jahre wollte ich mit meiner Frau eine Rundreise nach Mexiko, USA, Kanada machen. Dann würde ich es mir gerne mal anschauen. Ich bin auch heute noch einfach dankbar, dass ausgerechnet ich das Siegtor machen, dass ich dieses Gefühl erleben durfte. Davon werde ich sicher noch meinen Kindern erzählen. Und am besten noch deren Kindern.

 

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