EHC Red Bull München EHC-Ass Barta: "Wir haben viel gutzumachen"

Nationalstürmer Alexander Barta, der Topscorer des EHC Red Bull München. Foto: sampics/Augenklick

AZ exklusiv:  Alexander Barta, der Topscorer des EHC Red Bull München, über die Schuldfrage für die letzte Seuchensaison – und seinen Trillerpfeifen-Schwur.

 

AZ: Herr Barta, am Samstag beginnt das Trainingslager des EHC Red Bull München für die neue Saison. Wie lange haben Sie gebraucht, um die vergangene Spielzeit, bei der der EHC ja fast auf ganzer Linie enttäuschte, für sich abzuhaken?

ALEX BARTA: Die WM ist ja auch nicht grandios gelaufen. Es hat schon etwas gedauert, um den nötigen Abstand zu haben. Ich bin dann mit meinem Bruder Björn und meinem besten Freund Patrick Köppchen zu den French Open nach Paris gefahren, weil wir den Physiotherapeut von der Angelique
Kerber sehr gut kennen. Das hat gut getan.

Ausgerechnet mit Ihrem Bruder und Köppchen, die mit Ingolstadt Meister wurden?

Ja, Sie können sich vorstellen, dass ich mir da nicht nur einen Spruch anhören musste, aber das ist okay, das hatte ich mir ja auch verdient nach der Saison, die wir hatten. Im Urlaub in Portugal habe ich es noch mit Windsurfen versucht. Aber ich habe leider mehr Zeit im Wasser als auf dem Board zugebracht. Da ich nicht gerne meine Zeit mit Dingen zubringe, für die ich wohl gar kein Talent habe, war es das wohl mit meiner Windsurferkarriere. Nach all dem bin ich jetzt wieder richtig heiß auf Eishockey und freue mich aufs Trainingslager.

Trotzdem können wir es Ihnen  nicht ersparen, noch über vergangene Saison zu sprechen. Haben Sie eine Erklärung, warum es so gar nicht geklappt hat? In der Mannschaft, aber auch zwischen Team und Trainer Pierre Pagé?

Ich weiß, dass viele den Misserfolg allein an Pagé festmachen wollen, aber das greift zu kurz. Mir ist dieses Pierre, Pierre, Pierre zu einfach. Es war sicher so, dass er uns gelegentlich die Chance gegeben hat, eine Ausrede zu finden und wir als Team haben das sicher zu oft dankend angenommen und
die Schuld wurde auf ihn abgewälzt. Es war definitiv nicht so, dass wir gegen den Trainer gespielt hätten.

Wollen Sie etwa behaupten, die Mannschaft hätte vergangene Saison wirklich für den  Trainer gespielt?

Wie gesagt: Wir haben nicht  gegen ihn gespielt. Es ist unglaublich zu sehen, welche Parallelen es im Saisonverlauf zwischen uns und Ingolstadt gab. Bei beiden ging es drunter und drüber, bei beiden waren sich Team und Trainer nicht immer grün, aber Ingolstadt ist zusammengewachsen und
wurde Meister. Wir scheiterten in den Preplayoffs.

Vor dem letzten Preplayoffspiel sagten Sie, dass wenn der EHC scheitert, die Fans das Recht hätten, das Team gnadenlos auszupfeifen, dass Sie sogar selber eine Trillerpfeife mitbringen würden.

Ich erinnere mich an den Satz: Und wissen Sie was? Mein großes Ziel für die neue Saison ist, dass ich nie wieder eine Trillerpfeife dabei haben müsste.

Jetzt soll unter dem neuen Trainer Don Jackson, der Pierre Pagé ersetzte, alles anders werden. Sie kennen ihn bereits aus gemeinsamen Berliner Zeiten.

Ja, er ist eine absolute Respektsperson, ein Siegertyp. Das war er als Spieler, das ist er als Trainer. Er ist nicht so aufbrausend wie andere, aber er ist ein toller Trainer, der sich in der Liga auskennt, der durch seine Zeit in Salzburg auch Firmen-Philosophie von Red Bull kennt. Wo immer er war, hatte
er Erfolg. Wir haben auch den Vorteil, dass wir das Team nicht wieder bei Null anfangen, sondern dass doch viele Spieler geblieben sind, das macht es leichter. Wir haben ja alle viel gutzumachen. Wenn ich mir die Neuzugänge ansehe, kann man ein bisschen euphorisch sein. Allein, dass wir mit Michi
Wolf einen der besten deutschen Spieler der letzten Jahre bei uns haben, ist toll.

Vor einem Jahr sprach Pagé bei der Vorstellung der Meisterschaft von einer Reise zum Mars. Wo wird es mit dem EHC in dieser Saison hingehen?

Es kann doch nur besser werden. Die Playoffs sind sicher Pflicht. Klar wollen wir Meister werden, aber das wollen alle anderen Teams in der DEL auch. Wenn wir als Mannschaft unsere Leistung abrufen, wenn jeder Spieler sein Potenzial auslebt, dann können wir bei der Titelvergabe ein gehöriges
Wort mitreden. Aber ich werde gar nichts versprechen.

Bloß kein Trillerpfeifenalarm!

So werden wir nie wieder auftreten, dass die Trillerpfeife noch mal aktuell wird. Das kann ich versprechen.

 

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