EHC Red Bull München Don Jackson demonstriert seine Macht

Don Jackson, Trainer des EHC Red Bull München. Foto: dpa

Die Rückholaktion von Stürmer Jon DiSalvatore zum EHC Red Bull ist auch ein klares Statement des neuen Trainers Jackson. Nur er trifft die Entscheidungen.

München - Die Fakten, die nackten, sie sagen, dass es beim EHC Red Bull München einen neuen Stürmer gibt. Sie sagen, dass der Verein mit der Verpflichtung des Amerikaners Jon DiSalvatore eine weitere Ausländerlizenz für die kommende Saison vergeben hat.

Doch was die Fakten, die nackten, nicht aussagen, ist die Tragweite dieser Entscheidung. Die Verpflichtung DiSalvatores, sie ist auch eine klare Machtdemonstration des Dons. Neu-Coach Don Jackson, der im Mai das Zepter im Reich der Roten Bullen übernommen hat, hat mit DiSalvatore einen Spieler zurückgeholt, der im Dezember vergangenen Jahres nach monatelangen Dauerstreitigkeiten mit Jacksons Vorgänger Pierre Pagé seinen (hochdotierten) Vertrag auflösen ließ und die Flucht nach Syracuse angetreten hat.

Mit der Rückholaktion des 33-Jährigen, der in der nordamerikanischen Liga AHL insgesamt 843 Spiele bestritt, dabei 247 Tore und 340 Assists erzielte, hat Jackson ganz klar gemacht, dass nur er beim neuen EHC das Sagen hat, dass er sich in seine Personalentscheidungen in keinster Weise reinreden lässt. Es lebe der Don.

Nach AZ-Informationen hat der Coach sich auch nicht groß bei Pagé über DiSalvatore, den der damalige Trainer als „Urlauber“, als „schlechten Charakter“ gebrandmarkt hatte, vorab informiert. Dabei wäre Pagé, der nach dem EHC-Fiasko in der Vorsaison, als man in den Preplayoffs an Iserlohn gescheitert war, als die Mannschaft kurz vor einer offenen Rebellion gegen den Trainer stand, zum Global Director Hockey im Red-Bull-Konzern hoch- (und weg) gelobt worden war, eigentlich weiter für Eishockeybelange mitverantwortlich.

Viele hatten in dieser Konstellation befürchtet, dass Pagé weiter großen Einfluss auf die Personalien beim EHC nehmen würde, speziell da Pagé auch als Mentor Jacksons gilt. Denn Pagé war es, der den früheren eisenharten Verteidiger Jackson, der an der Seite von Eishockey-Ikone Wayne Gretzky drei Mal den Stanley Cup mit dem Edmonton Oilers geholt hat, zu seiner Zeit als Coach des NHL-Klubs Minnesota Wild zu seinem Co-Trainer gemacht hat.

Später holte Pagé, der da Trainer der Eisbären Berlin war, Jackson als seinen Assistenten in die Hauptstadt. Jackson gibt unumwunden zu, von dem Querdenker Pagé im Laufe der gemeinsamen Jahre viel gelernt zu haben. „Wenn ich mir Spiele meiner Mannschaften in der Videoanalyse ansehe, dann kam es immer wieder vor, dass ich das Band anhielt und mir dachte, ja, das ist Pierre, dieses System, diese Spielidee“, sagte Jackson bei seiner Vorstellung als EHC-Coach der AZ, „ich habe dann natürlich meine eigenen Ideen und Vorstellungen eingebracht, aber das Fundament geht teilweise schon auf Pierre zurück.“

Das Fundement ja, doch Jackson, ,mit fünf Titeln der erfolgreichste Trainer der DEL-Geschichte, hat längst etwas erschaffen, was ganz Jackson ist. „Don ist ein genialer Trainer, der ganz klare Vorstellungen hat. Die setzt er um, die zieht er durch“, sagte die ehemalige EHC-Ikone Klaus Kathan, einer von nur vier Spielern, der es in der DEL die 900-Spiele-Marke geknackt hat. Kathan spielte unter Jackson von 2005 bis 2007 in Düsseldorf.

Jetzt zieht Jackson also sein Ding in München durch. Deswegen holte er DiSalvatore zurück und gibt ihm eine Chance, den ramponierten Ruf aufzupolieren. Der Don hat gesprochen – und nur sein Wort zählt beim neuen EHC.

 

 

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