EHC Red Bull München Der EHC in der Meisterprüfung

Jubel bei den Bullen: Foto: dpa

Das Team von Don Jackson geht auf Platz zwei in die Pause des Deutschland-Cups. Wie gut sind die Münchner schon? Was bringen die Neuzugänge? Der AZ-Check.

BERLIN Don Jackson hatte für seine Spieler nach dem 3:2-Sieg bei den Eisbären Berlin eine besondere Belohnung parat. Sie bekommen gleich mehrere Tage frei. „Sie sollen den Kopf freikriegen, die Wehwehchen auskurieren, einfach mal abschalten“, sagte der Coach des EHC Red Bull München. Die Liga-Pause aufgrund des Deutschland-Cups in München (7. bis 9. November) kommt gelegen. Denn auch Jackson will die Zeit nutzen, die bisherige Saison zu analysieren. 17 Spiele hat der EHC bisher absolviert, elf Siege stehen zu Buche. 35 Punkte, das bedeutet Platz zwei in der Tabelle hinter Mannheim.

"Eklatant ist, dass wir fast die ganze Saison im zweiten Drittel unsere Schwächen haben“, sagte der Amerikaner. „Vieles läuft gut, manches nicht. Wir sind dabei, die mentale Härte zu kriegen, die man braucht, um auch Titel zu holen.“ Titel?
Die AZ unterzieht den EHC der Meisterprüfung.

Torhüter: Bisher hat sich keine klare Nummer 1 herauskristallisiert. Frankreichs Nationalkeeper Florian Hardy verletzte sich in der Vorbereitung, suchte lange nach der Form. Er schien seine Rhythmus gefunden zu haben, doch am Freitag gegen Krefeld hatte er an drei Gegentoren Mitschuld, Jackson nahm im von Eis, brachte Niklas Treutle. Der hielt gegen Berlin bestens. „Er hat den Unterschied gemacht“, lobte der Coach. Der EHC hat zwei gute, gleichwertige Keeper, die aber beide keine Hexer im Tor sind.

System: Jackson hat seit Erfolgssystem, das ihm mit den Eisbären Berlin fünf DEL-Titel bescherte, von Tag eins an in München installiert. Es unterscheidet sich gar nicht so sehr von der Auffassung seines Vorgängers Pierre Pagé, doch statt des Chaos’, das bei Pagé herrschte, gibt Jackson den Spieler klare Aufgaben und Strukturen vor.
Das System erfordert extreme Laufbereitschaft, viel Einsatz und Aggressivität. Das klappt schon sehr gut, doch schafft es der EHC selten, die Vorgaben über volle 60 Minuten zu erfüllen.

Stimmung: In der Kabine und auf dem Eis herrscht eine entspannte, aber fokussierte Atmosphäre. Jackson hat es geschafft, die Spieler bei Laune zu halten. Dabei hat er teilweise einschneidende Änderungen vorgenommen. Uli Maurer und Daniel Sparre, in der Vorsaison noch zwei der absoluten Leistungsträger, mussten um Eiszeit kämpfen. Auch Nationalspieler Yannic Seidenberg wurde über seine reduzierten Aufgaben gleich zu Saisonbeginn informiert. Wer sieht, mit welchem Einsatz plötzlich Stürmer Jon DiSalvatore, der vergangene Saison noch als Diva und Eisschleicher unterwegs war, im Angriffsdrittel arbeitet, sich für Defensivaufgaben nicht zu schade ist, weiß, dass Jackson den richtigen Ton drauf hat.

Coaching: Jackson ist ein echter Taktikfuchs. Mal lässt er seine Mannschaft marschieren, mal mischt er eher Beton an. „Wir trainieren, dass man Spiele auch 1:0 gewinnen kann“, sagt Jackson, der eigentlich für sein Offensiveishockey berühmt ist. Diese Variabilität macht den EHC unausrechenbar.
Zudem scheut er kein Risiko, beim Spiel in Nürnberg nahm er beim Stande von 1:2 sieben Minuten vor Schluss den Keeper vom Eis – mit Erfolg. „Bei Don musst du auf alles gefasst sein, vor allem das Unerwartete“, sagt Stürmer Alex Barta.

Die Neuzugänge: Verteidiger Richie Regehr (6 Tore, 11 Assists) ist die graue Eminenz des EHC, im Powerplay ist er eine Macht. Stürmer Mads Christensen ist der effektivste Angreifer (9 Tore, 3 Vorlagen), Garrett Roe (4 Tore, 14 Assists) liest das Spiel, Rückkehrer DiSalvatore zeigt seine Gefährlichkeit, Evan Brophey überzeugt ebenfalls.
Nationalkapitän Michael Wolf hat zwar noch nicht die ganz großen Statistiken (5 Treffer, 8 Vorlagen), ist aber eine wichtige Präsenz auf dem Eis und in der Kabine. Die Verteidiger Florian Kettemer und Daryl Boyle bringen Offensivkraft und Defensivfähigkeiten. Youngster Dominik Kahun zeigt, dass er ein Großer werden kann. Keeper Hardy hat noch Luft nach oben. Nur der langzeitverletzte Jeremy Dehner konnte seine Klasse noch nicht zeigen.  

 

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