EHC München Wenn sich Hede (40) alt fühlt

Der Oldie/Goldie des EHC München: Stürmer Niklas Hede. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Beim EHC München freuen sie sich über die starke Form ihres Oldies. Doch der denkt jetzt ans Aufhören.

 

WEISSWASSER Pat Cortina, der Erfolgstrainer des EHC München, genehmigt sich zu einem guten Essen gerne ein gutes Glas Rotwein. Da kennt sich der Italo-Kanadier aus.

Darum ist es umso bemerkenswerter, wenn der Wein- und Eishockey-Experte diesen Satz sagt: „Niklas Hede ist wie ein guter Wein, er wird mit den Jahren immer besser.“ Hede darf das als gewaltiges Kompliment verstehen.

Wie gut der Deutsch-Finne mit seinen 40 Jahren noch ist, bewies er schon im ersten Spiel des Playoff-Viertelfinales gegen die Lausitzer Füchse (6:0), als er gleich das erste Tor erzielte. „Niki ist unser bester Mann“, sagte der derzeit verletzte EHC-Kapitän Andreas Raubal vor Spiel zwei in Weißwasser.

1989 begann Hede seine Profi-Karriere in Helsinki. Jetzt jagt er seit über 20 Jahren übers Eis. Ein Urgestein also, und er selbst sieht sich offenbar auch so. Am Telefon meldet sich der 40-Jährige gern mit: „Hallo, hier ist altes Finne.“

Trainer Cortina erklärt Hedes Jungbrunnen so: „Er hatte in seiner Karriere stets die richtige Einstellung im Kopf. Weil es im Kopf stimmt, stimmt auch der Körper.“

Doch die Anzeichen verdichten sich, dass Hede seine Karriere nach dieser Saison beenden wird. „Manchmal fühle ich mich richtig alt“, sagt Hede, „und ich rede hier nicht von 40-Jahre-alt.“ Seit dieser Saison leben seine Frau und die zwei Kinder in Finnland. „Wir wollen ausprobieren, wo für uns die Zukunft liegt, deswegen haben wir das Experiment mit Finnland gewagt“, erzählt der Stürmer, „das ist nicht einfach. Zum Glück geben einem die neuen Technologien Chancen, sich übers Internet zu sehen.“

Ende Dezember 2009 wurde Finnland von einem schrecklichen Amoklauf erschüttert. Ausgerechnet in Espoo, wo die Hedes leben, ermordete ein Amokläufer fünf Menschen, ehe er sich selbst richtete. „Das war ein Schock. Aber es war von uns niemand in der Nähe“, sagt Hede mit finnisch-kühler Gelassenheit. „Wir lassen uns nicht so leicht aus der Ruhe bringen.“

Matthias Kerber

 

0 Kommentare