Der EHC Red Bull München verpflichtet Matt Stajan, der in der NHL über 1.000 Spiele absolviert hat. "Ich freue mich riesig darauf", sagt der 34-Jährige, den eine persönliche Tragödie besonders geprägt hat.

München - Mit Superlativen wird heutzutage gerne inflationär herumgeworfen. In Zeiten, in denen Z-Promis ihren Lebensunterhalt verdienen, in dem sie bei irgendwelchen Entblößungs-, Kuppel- oder Ekel-Sendungen ihre unnötige Aufwartung machen, stechen echte Stars richtig hervor. Der EHC Red Bull München, der Triple-Meister, hat sich die Dienste eines Mannes gesichert, den man als Eishockey-Star bezeichnen darf: Matt Stajan.

Der 34-jährige Kanadier spielte von 2002 bis 2018 (durch eine Saison in der AHL unterbrochen) in der NHL, der besten Liga der Welt, für die Toronto Maple Leafs und die Calgary Flames. 1.020 Partien hat der Center in der NHL bestritten und 147 Tore erzielt. Er war der 319. Spieler in der Geschichte, der die 1.000er Marke knacken konnte.

Stajan: "Freue mich riesig auf München"

"Ich freue mich riesig darauf, mit meiner Familie in München zu leben und zukünftig für den Deutschen Meister zu spielen", sagte der einstige Flames-Stürmer, der jetzt für den EHC Feuer und Flamme ist.

"Matt ist der perfekte Teamkollege und eine echte Führungspersönlichkeit, wie man sie nur selten findet", sagte Mark Giordano, der Kapitän der Flames. "Egal, ob ein Spieler eine Schulter brauchte, um sich auszuweinen, oder ob jemand mal einen Anschiss bedurfte: Matt war der Mann. Wann immer ich eine Frage hatte, wie ich in einer bestimmten Situation als Leader auftreten sollte, war er mein Ansprechpartner."

Stajan war nie der Spieler, der sich ins Rampenlicht drängte oder spielte. Er gehörte in der NHL vor allem zu den Spielern, bei denen man erst feststellte, wie wichtig sie für das Gesamtgefüge sind, wenn sie nicht da waren. Er war immer der Leim, der eine Truppe zusammenhielt. "Er geht dahin, wo es wehtut, ist sich für keine Drecksarbeit zu schade, ohne dabei aber jemals dreckig zu agieren. Er wirft sich in Schüsse, nimmt und verteilt den harten Check, er beschützt seine Mitspieler. Und egal, welche Rolle ihm zugeteilt wird, er beschwert sich nie."

Matt Stajan musste einen Schicksalsschlag verarbeiten

Bodenständig, verantwortungsvoll, sein Ego hintanstellend, ausgeglichen, humorvoll, zugänglich, offen. Das sind die Attribute, die man hört, wenn man sich im Umfeld der Calgary Flames über Stajan erkundigt. Dabei war es eine persönliche Tragödie, die Stajan ganz besonders geprägt hat: Er hat den Albtraum aller Eltern erleben müssen.

Sein Sohn Emerson starb kurz nach der Geburt im Jahre 2014. Stajan und seine Frau Katie zogen sich zwei Wochen zurück, gaben sich der unbeschreiblichen Trauer hin. Nach zwei Wochen stand er wieder auf dem Eis – und dann im dritten Spiel nach der Familientragödie – mussten die Flames bei den Edmonton Oilers ran. Katie war mit ihren Eltern an diesem 22. März im Stadion. Foul an Stajan und der Center trat zum Penalty an – er verwandelte, er schrie, er zeigte nach oben. Zu Emerson, dem Sohn im Himmel, Tränen liefen über sein Gesicht. Die Teamkollegen stürmten alle auf Stajan zu. Tränen über Tränen. "Ich war mir sicher, dass er den Penalty verwandeln würde", sagte Katie," er hatte einen Engel, der über ihn gewacht hat. Ich stand da und weinte und weinte."

Matt Stajan sammelte den Puck ein, er ließ ihn rahmen, mit einer Plakette versehen. Der Puck hängt im Kinderzimmer von Emerson. "Dieses Tor war ein Moment, den ich nie vergessen werde", sagte Stajan, "die Art, wie Calgary an unserem Schicksal teilgenommen hat, war unglaublich." Die Stajans begannen danach, für die Neugeborenen-Intensivstation im Calgary Foothills Krankenhaus Gelder zu sammeln. Zudem begleiteten sie Paare, die ähnliche Tragödien erleben mussten, bei der Trauerarbeit.

Einen Tag vor Emersons erstem Todestag kam Sohn Elliot zur Welt. Am 1. August diesen Jahres wurde Dylan geboren, beiden Jungs heißen mit zweitem Namen Emerson. "Unsere Kids sind unser größtes Glück", sagte Stajan, "alle drei." Elliot, Dylan – und Emerson.