EHC-Goalie im AZ-Interview Jochen Reimer: "Da staut sich was auf!"

Jochen Reimer, der Nationalkeeper des EHC Red Bull, hat sich noch nicht entschieden, ob er in München bleiben will. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

EHC-Keeper Reimer im Interview: Hier spricht er über seinen Frust, die vielen Gegentore – und einen möglichen Abschied aus München.

 

AZ: Herr Reimer, sind Sie zur Zeit eine Frustbeule?

JOCHEN REIMER: (lacht) Wieso?

Naja, wenn man Sie bei den letzten Spielen des EHC Red Bull München angeschaut hat, dürfte der Frust bei Ihnen als Torwart tief sitzen – angesichts dessen, was die Mannschaft zuweilen abliefert. Beim 7:5-Sieg über Nürnberg stürmten Sie sogar wutentbrannt vom Eis.

Okay, da staut sich manchmal schon was auf. In den beiden Spielen gegen Nürnberg und in Hamburg habe ich wieder acht Tore kassiert. Acht Gegentore in zwei Spielen, das ist nicht mein persönlicher Anspruch. Andere mögen damit zufrieden sein, ich bin’s nicht. Dass man da mal frustriert ist, dass sich was aufstaut, glaube ich, ist auch nur menschlich.

Beim 7:5 am Sonntag waren Sie so angefressen, dass Sie sogar nicht mit den Fans den Sieg feiern wollten.

Das war in dem Moment einfach ein bisserl viel. Es darf eigentlich nicht passieren, dass wir in gleich zwei Heimspielen – erst gegen Berlin, dann gegen Nürnberg – jeweils eine 3:0-Führung verspielen. Dann kam noch die Leistung der Schiedsrichter dazu. Da sind dann die Gefühle mit mir durchgegangen. Ich bin nicht unbedingt stolz auf meine Aktion. Aber ich denke, jeder, der weiß, mit wie viel Emotion und Hingabe ich meinen Job betreibe, wird Verständnis dafür haben. Das musste raus – dann war’s aber auch gut.

Sie müssen sich in dieser Saison im Tor vorkommen wie ein Outlaw im Wilden Westen, der sich dauernd einer gegnerischen Übermacht gegenübersieht, so oft stürmen die Gegner allein auf Sie zu.

(lacht) Manchmal ist es schon ein bisserl einsam. Aber was soll ich sagen? Ich bin der falsche Ansprechpartner, wenn’s um die Taktik geht. Mein Job ist ganz einfach umschrieben: Ich bin dafür da, die Scheibe zu fangen. Wie die Chancen zustande kommen, geht mich erstmal nichts an. Ich versuche, meinen Job möglichst gut zu erledigen. Damit hat es sich. Klar, die Situation ist für mich auch neu, aber ich versuche, das Beste daraus zu machen. Bisher spielte ich eigentlich immer in Teams, die viel Wert auf Defensive gelegt haben. Das war bei Pat Cortina so, das war bei Pavel Gross in Wolfsburg so. Insgesamt würde ich sagen, dass ich keine schlechte Saison spiele, auch wenn die Statistiken vielleicht was anderes aussagen.

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Der EHC hat tolle Spieler, trotzdem schafft er’s immer wieder, sich durch grobe Fehlern selbst zu besiegen.

Bei allem, was die Taktik betrifft, sehe ich mich als falschen Ansprechpartner. Aber es ist kein Geheimnis, dass wir relativ viele Fehler machen. Das sieht jeder.

Wie sieht es um Ihre Zukunft aus? Ihr Vertrag läuft aus. Ihnen liegt ein Angebot des EHC vor, aber auch andere Klubs – zum Teil aus dem Ausland – wollen Sie holen. Werden wir Sie bei all dem Frust nächste Saison überhaupt noch im EHC-Tor sehen?

Die Entscheidungen hierüber werde ich erst nach dem Ende der Saison fällen. Ich will mich auf den Sport konzentrieren, für was anderes habe ich nicht so den Kopf. Mein Agent führt die Verhandlungen. Aber ich werde mich nicht verrückt machen lassen. Ich will mich auch nicht auch in eine Kiste zwängen – oder zu einer Entscheidung drängen lassen.

Dabei ist kein Geheimnis, dass Sie sich in der Stadt München wohlfühlen, sie sogar vor drei Jahren aufgrund von Heimweh wieder nach Bayern zurückgekehrt sind.

München ist toll. Aber ganz ehrlich: Ich kann im Moment nicht sagen, wo mich die Zukunft hinführt.

 

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