"Effe" kritisiert den DFB Deutschland bei der WM: Mal hui, mal pfui

Stefan Effenberg sorgt kurz vor der WM für Wirbel Foto: imago/Future Image

Wie beurteilen die Fußball-Experten Stefan Effenberg, Philipp Lahm und Xabi Alonso das deutsche WM-Team? Einer findet zudem deutliche Worte für den DFB.

Kaum ein Fußballstar hat Millionen von Fans so polarisiert wie der Egozentriker Stefan Effenberg (49). Für die einen war er ein erfrischender Querdenker und genialer Mittelfeldstratege, die anderen hielten ihn schlichtweg für einen "Stinkstiefel", der einfach nicht die Klappe halten kann.

Das hat sich auch im Fußball-Ruhestand nicht geändert. Rechtzeitig zum Beginn der Weltmeisterschaft in Russland und dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft gegen Mexiko (Sonntag, den 17. Juni, in Moskau), gießt "Effe" mal wieder Öl ins Feuer. Er heizt die abflauenden politischen Diskussionen um die Spieler Mesut Özil (29) und Ilkay Gündogan (27) - die sich beide mit dem türkischen Präsidenten Erdogan (64) fotografieren ließen - erneut an und fordert den Rausschmiss der beiden aus der Nationalmannschaft.

"Bei mir oder bei Uli Stein haben sie anders reagiert"

Beim Internetportal "T-Online" beklagt Effenberg eine fehlende klare Linie in der politischen Haltung der Verantwortlichen und sagt: "Wenn man auf gewisse Werte setzt, so wie das der DFB immer wieder vermittelt, dann kann die Entscheidung eigentlich nur so ausfallen, dass man die beiden Spieler rauswirft." So aber müsse er feststellen, dass sich der DFB die Dinge "so dreht, wie man es gerade braucht".

Effenberg ist selbst während seiner aktiven Karriere (u.a. bei Borussia Mönchengladbach und Bayern München) aus der Nationalmannschaft geflogen. 1994 hatte er während des WM-Turniers in den USA beim Spiel der Deutschen gegen Süd-Korea (3:2) pfeifenden Fans den Mittelfinger gezeigt. Der damalige DFB-Präsident Egidius Braun (93) war empört, und Bundestrainer Berti Vogts (71) verbannte den Nationalspieler Effenberg aus dem deutschen Team.

Heute sagt Effenberg: "Der DFB war damals sehr konsequent und sehr schnell in der Entscheidung. Özil und Gündogan haben jetzt Glück gehabt, dass der DFB in diesem Fall inkonsequent und nicht schnell gehandelt hat." Man drehe es sich beim DFB allerdings auch so, "wie man es gerade braucht. Bei mir oder bei Uli Stein haben sie anders reagiert".

Der Torhüter Uli Stein (63) war 1986 von der WM in Mexiko nach Hause geschickt worden. Er hatte während des Trainings den damaligen Teamchef Franz Beckenbauer (72) als "Suppenkasper" betitelt.

Verteidigt Deutschland den Titel?

Ilkay Gündogan wurde im letzten deutschen Testspiel gegen Saudi-Arabien (2:1) von deutschen Fans erbarmungslos ausgepfiffen. Deshalb legt ihm Effenberg indirekt den Abschied von der Nationalmannschaft nahe: "Das ist mit das Schlimmste, was einem passieren kann. Da stellt man sich viele Fragen. Zum Beispiel die, ob es das wert ist, dieses Trikot zu tragen."

Im Übrigen lässt der ehemalige Bayern-Star kaum ein gutes Haar am deutschen Team. Er sieht im Fall Manuel Neuer einen weiteren Risikofaktor: "Du hast schon mal einen Spieler, der einen Riesen-Hals hat: Marc-Andre ter Stegen. Für Löw ist das ein hohes Risiko, das er da geht. Das kann sich auszahlen, das kann ihm aber auch um die Ohren fliegen."

Deshalb ist für Effenberg die deutsche Mannschaft nicht der Favorit auf den Titel. "Ich bin natürlich totaler Patriot und Deutschland-Fan, aber wenn ich es realistisch betrachte, würde ich mich festlegen und sagen: Deutschland verteidigt den Titel nicht."

"Das Real Madrid unter den Nationalteams"

Da machen die beiden ehemaligen Weltklassespieler und Fußballweltmeister Philipp Lahm (34, Bayern München, 113 Länderspiele) und Xabi Alonso (39, Liverpool, Real Madrid, Bayern München, 114 Länderspiele für Spanien) den Fans ganz anders Mut. In einem Doppel-Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" und dem spanischen Blatt "El Pais" sagt Lahm: "Ich sehe keine Mannschaft, von der ich sagen würde, sie ist klar besser als die deutsche. Natürlich zählt Spanien zu den Top-Favoriten, Brasilien sicher auch. Aber Deutschland musst du bei einer WM erst mal schlagen."

Und für den Spanier Xabi Alonso ist Deutschland sogar "das Real Madrid unter den Nationalteams. Du musst ihnen den Gnadenschuss verpassen, um sicherzugehen, dass sie tot sind. Sie sind immer da".

 

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