Eduard Augustin Volle Wuchskraft

Eduard Augustin Foto: D. Pernath für Mosaik-Verlag

Unser Kolumnist sinniert über die Vor- und Nachteile der Gesichtsbehaarung

 

Constable Petersen trug einen Bart. Grundsätzlich ist das nicht verkehrt: Der Pornobalken liegt schließlich wieder im Trend, sagt man: Man lässt wuchern.

Bei der Metropolitan Police in London beschäftigt zu sein und das Gesicht durch Bewuchs zu schützen, kann dabei nicht nur von modischem Vorteil sein: Ein wuschiger Schnubbi bürgt auch für eine gewisse Anonymität. Er macht es dem Gesprächspartner schwerer, menschliche Regungen zu erkennen. Und Polizisten, das gehört zum Job, geben sich eben gerne regungslos.

Nur: Constable Petersen ist eine Frau. Es fiel mir schwer, ihr ausführlich und fehlerfrei zu beschreiben, was genau uns alles gestohlen worden war, an diesem Donnerstagnachmittag neulich im Urlaub.

„War die Geldbörse selbst auch von Wert?“, fragte Constable Petersen, „ich meine, irgendein namhafter Hersteller, oder so?“

Ich konnte mich nur schwerlich auf das Verlustformular konzentrieren: „Ja, klar“, sagte ich und übertrieb fürchterlich, „mindestens 200 Pfund! Comme des Garçons!“

„Wie zum Teufel buchstabiert man das?“, sagte Constable Petersen. Eine auch für mich nicht ganz einfache Aufgabe, den Umständen entsprechend.

Ich schämte mich. Was um Himmels Willen soll so ungewöhnlich sein an einem lieblichen Flaum auf der Oberlippe? Ich beschloss, nach meiner Rückkehr ein Plädoyer für den Damenbart zu schreiben. Ob mir das hiermit gelungen ist, da bin ich mir nicht ganz sicher.

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