Eduard Augustin Tiefkühl-Wunder

Eduard Augustin Foto: D. Pernath für Mosaik-Verlag

Eduard Augustin beobachtet Paare – und freut sich, dass es über Männer und Frauen noch so viel zu erzählen gibt. Diesmal: Die eheliche Küche als Permafrostgebiet.

 

Forscher der University of Canterbury, Christchurch, Neuseeland haben aus dem Permafrostboden der Insel Signy ein Moos entnommen, das dort angeblich mehr als 1500 Jahre eiskalt überlebte. Im Fachmagazin „Current Biology“ wird der gefrorene Fund als Sensation gefeiert. Ich muss die Freude der Forscher leider ein wenig dämpfen. Ich denke, ich weiß, wer das Moos einst tiefgefroren hat, und ganz so lange ist es wahrscheinlich gar nicht her.

Es muss meine Frau gewesen sein. Schon vor vielen Jahren nämlich hat sie entdeckt, dass man so gut wie alles einfrieren kann. Seitdem ist kein Tiefkühler mehr vor ihr sicher – und es wäre ihr zuzutrauen, sogar einen Permafrostboden als Gefrierfach entdeckt zu haben.

Hätten Männer die alleinige Macht über das Kühlfach, wäre es aufgeräumt: ein paar Eiswürfel hier, eine Flasche Wodka, vier Pizzen – fertig. Frauen aber sind einfallsreicher: selbstgemachte Brühe in Portionen, Sanddornbeeren vom letzten Waldspaziergang, Kuchenreste, seltene Blumensamen aus dem Sizilienurlaub, ein Hagelkorn vom Rekordsturm 2011.

Die Angst lässt meine Züge gefrieren: Viele dieser Dinge werden wohl für immer in unserem Tiefkühler bleiben. Ob ich mal in Neuseeland anrufe und unsere Küche als Permafrostgebiet ausgebe? Ich fürchte, das hat keinen Sinn. Ich muss wohl noch 1500 Jahre warten, bis in unserem Kühlschrank endlich wieder Platz für eine Flasche Wodka ist.

 

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