Eduard Augustin Scherenentzug

Eduard Augustin Foto: D. Pernath für Mosaik-Verlag

Unser Kolumnist sinniert über geschlechtsspezifische Unterschiede beim Haarschnitt

 

Ich war neulich mal wieder beim Friseur, was zugegebenermaßen eher selten passiert. Männliche Friseurkunden unterteilt man in drei Lager: die, die öfter dort zu sehen sind als es sich ziemt, die, die regelmäßig gehen und so für einen täglich zuverlässigen Haarschnitt sorgen und jene, die immer erst dann gehen, wenn sie nichts mehr sehen können – und zu dieser Sorte Mann gehöre ich.

Wobei sich bei mir das Sichtproblem – durch den lichten Ansatz – eher weniger ergibt. Es ergibt sich eher ein Ansehnlichkeitsproblem. Nach drei Monaten Scherenentzug beginnt sich mein dünnes Haupthaar aufzuspielen wie eine Tony-Marshall-Perücke im afrikanischen Regen. Meine Frau hat mich deshalb vor die Wahl gestellt: Haare oder Kopf ab.

Da ich gerne samstags gehe, sitze ich meist zuverlässig zwischen zwei Damen – und das ist mir eher peinlich. Männer wollen schließlich möglichst günstig an einen Haarschnitt kommen, dafür nicht mehr als für drei Bier ausgeben und auch nicht mehr Zeit opfern als es bräuchte, diese zu leeren. Samstags-Friseurbesucherinnen aber haben Zeit und gehen in die Vollen.

Allein für die Farbe lassen sie mehr Geld beim Stylisten, als man ausgeben müsste, um Fassadenfarbe für einen Komplettanstrich des Münchner Rathauses einzuholen. Oft haben sie sogar einen Hund dabei und ja, es ist wahr: Letzten Samstag musste ich erleben, dass selbst für den Vierbeiner um Strähnchen gebeten worden ist.

 

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