Eduard Augustin Krass. In der Kneipe?

Eduard Augustin Foto: D. Pernath für Mosaik-Verlag

Eduard Augustin beobachtet Paare – und freut sich, dass es über Männer und Frauen noch so viel zu erzählen gibt. Diesmal: Wie Leute, die sich in einer Kneipe kennengelernt haben, zu einem Relikt werden.

 

Die Zeit wird kommen, da wird man uns interviewen für „ZDF-History“ oder ein Format, das dann so ähnlich heißt. Als „Zeitzeugen einer vergangenen Epoche“ werden wir berichten, wie das damals war, Anfang des Jahrtausends.

Guido Knopp, inzwischen 105 Jahre alt und längst schon mehrfach vom Ruhestand zurückgetreten, wird einfühlsam abmoderieren und dreinblicken wie ein Dackel: „Die Geschichte der Augustins klingt unglaublich“, wird er sagen, „aber ja, liebe Zuseher, so war das damals. Ich habe es noch selbst erlebt. Bleiben Sie uns treu.“ Musik, Abspann. Dann kommt „Heute Nacht“. Oder eine Nachrichtensendung, die dann so ähnlich heißt.

Neulich waren wir nämlich zum Abendessen bei Freunden, meine Frau und ich. Da haben wir erzählt, wie wir einander vor einigen Jahren beim Ausgehen kennenlernten. Der Sohn unserer Freunde schaltete sich ein: „Krass. In der Kneipe?“, wunderte er sich, und schüttelte den Kopf, „Wie geht das? Ist ja total altmodisch.“

Wir mussten erfahren, dass sich inzwischen mehr Paare digital finden als analog, also eher im Internet als in Clubs und Bars. Am Arbeitsplatz? Statistisch abgeschlagen. Im Bekanntenkreis? Noch knapp davor. Noch! Aber die Kurve macht einen rasanten Bogen.

Wir müssen nur noch 40 Jahre warten, dann sind wir wirklich ein Relikt. Wenn der Anruf aus der Redaktion des ZDF kommt und wir zum Interview gebeten werden, werden wir gut vorbereitet sein.

 

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