Eduard Augustin Eine vorbildliche Ehe

Eduard Augustin Foto: D. Pernath für Mosaik-Verlag

Eduard Augustin beobachtet Paare – und freut sich, dass es über Männer und Frauen noch so viel zu erzählen gibt. Diesmal: "Ehehygiene" und "Beziehungsmüll" auf dem Wertstoffhof.

 

Der Kofferraum war mit morschem Holz gefüllt. Ich war froh über alles, was sich auf die Schnelle im Garten auftreiben ließ und rasch entsorgt werden wollte. Wie so oft, wenn die Pflicht mich eigentlich an den Schreibtisch rief, hatte ich alle Vorsätze gut sein lassen, nach einer Möglichkeit gesucht, mich anderweitig zu beschäftigen – und sie gefunden: Ich wollte auf den Wertstoffhof.

Ich mag Wertstoffhöfe, auch mag ich den Klang des Wortes „Wertstoffhof“ an sich. Dort muss ich immer an den Musikmanager Monti Lüftner denken, der 77-jährig beim Entsorgen von Wertstoffen hinterrücks von einem Müllwagen überfahren wurde und einen so unglamourösen wie unglücklichen Tod starb, dass es sich ziemt, bei jedem Wertstoffhofbesuch kurz innezuhalten.

Auf meinem Hof arbeitet ein freundlicher Mann, der alles über Recycling weiß, und der auch nachmittags schon so angenehm nach Bier riecht, dass ich zuverlässig Appetit auf den Feierabend bekomme – und er hat stets ganz wunderbare Geschichten zu erzählen. Gestern erzählte er von einem Seniorenpaar, das ihn oft besuche, um im Altpapier zu kramen. Im Jargon des Hofes heißen die beiden „Porno-Michi“ und „Porno-Irmi“, was daran liegt, dass sie besonders an alten Nacktbilder-Heftln interessiert sind.

Ihre Ehe gilt im ganzen Ort als vorbildlich. Das verleiht dem Begriff „Ehehygiene“, aber auch dem Wort „Beziehungsmüll“ einen ganz neuen Sinn.

 

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