Eduard Augustin Bitte nicht zerren

Eduard Augustin Foto: D. Pernath für Mosaik-Verlag

Es ist nicht ganz einfach, die Hände der Frau Gemahlin richtig zu halten

 

Händchenhalten kann mitunter eine Verbundenheit vortäuschen, die trügerisch ist. Der ehemalige österreichische Bundespräsident Thomas Klestil brachte 1994 die Klatschspalten in Bewegung, als er mit seiner Frau beim Händchenhalten fotografiert wurde.

Das hätte seinem von ihm propagierten Öffentlichkeitsbild als treuer Familienhochhalter zwar leiwand entsprochen – nur war auf dem Foto leider auch die Hand seiner Privatsekretärin zu sehen, wie sie sich zwar zärtlich, dennoch auch besitzergreifend um seine Hüfte legte und nach der anderen Hand griff. Als er bald darauf die Scheidung von der gehaltenen Hand einreichte und die Mitarbeiterin von der Hüfte wenig später heiratete, hatte für viele konservative Wähler der Spaß ein Loch und das Image des Politikers eine Schramme.

Man sollte also immer darauf achten, wo die Hände sind. Meine Frau sagt, sie kenne auch zwei verschiedene Arten des Händchenhaltens und das fände sie gar nicht gut. Die eine Art hat sie zwar recht gern, die hat mit Liebe zu tun, die andere aber, die hasst sie, denn die bedeutet Kontrolle. Wenn wir gemeinsam eine Straße überqueren, dann nähme ich sie fest an der Hand und zerre sie so durch die Gefahr, behauptet sie.

Vermutlich hat sie sogar Recht. Ich bin ein Straßenverkehrs-Kontroll-Freak und fürchte, ein wilder Radler könne sie mir entreißen. Aber zu zerren, ist schon ganz schön bescheuert.

 

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