Eduard Augustin Alle Tauben sind gleich

Eduard Augustin Foto: D. Pernath für Mosaik-Verlag

Eduard Augustin beobachtet Paare – und freut sich, dass es über Männer und Frauen noch so viel zu erzählen gibt.

 

Vom Schlafzimmer aus blicken wir in einen Garten, den ich an den häufigen Tagen, an denen ich zur Übertreibung neige, gerne als „parkähnlich“ beschreibe. In Wahrheit liegt da nur ein begrünter Hinterhof. Im März ist der Hinterhof nicht einmal grün – außer Moos nix los.

Da aber seit einigen Wochen schon der Frühling tobt, hat sich alles verschoben und plötzlich ist mehr los unter unserem Fenster als sonst zu dieser Jahreszeit üblich. Seit einer Woche beobachten wir nun zwei neue Untermieter: Ein Taubenpaar hat sich den Garten zum Liebesnest auserkoren. Üblicherweise würde man nach den Vögeln, die in der Stadt als „Luftratten“ unbeliebt sind, Steine werfen oder sie vergiften, sie aber zumindest verfluchen.

Aber: Sie sind weiß, nicht grau wie der Alltag, und das macht sie zu Schönheiten. Plötzlich gefällt meiner Frau sogar ihr seltsamer Gesang, der – wie der Ornithologe Urs Noel Glutz von Blotzheim in Band 9 seines „Handbuchs der Vögel Mitteleuropas“ beschreibt – mit „Ruhgu, Gugu“ beginnt, ein wiederholtes fünfsilbiges „Rugugu, Gugu“ folgen lässt und mit „Gu“ endet.

Ich mache mir Sorgen. Wie kann man plötzlich Tauben mögen? Nur weil sie nicht so grau sind wie üblich? Mal sehen, wie meine Frau reagiert, wenn ihr Fahrradsattel das erste Mal beschissen wurde. Wahrscheinlich ist dann ganz schnell Schluss mit dem ornithologischen Rassismus.

 

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