Edle Wohnungen statt Puppen-Theater Marionettenbühne droht das Aus!

Müssen schließen: das traditionsreiche Marionettenbühne Bille in der Au. Foto: Daniel von Loeper

Die Gentrifizierung schreitet voran: In der Au muss jetzt eine traditionsreiche Bühne raus aus ihrem Domizil – Zukunft ungewiss.

 

München - Nostalgie pur: Der kleine Theaterraum der Marionettenbühne Bille in der Au hat alles, was ein Theater braucht: Kassenhäuschen, Garderobe, leicht ansteigende Sitzbänke. Der Raum mit Tapeten, Kronleuchter und dunklem Holz – wie aus der guten alten Zeit. Doch jetzt muss das Hinterhoftheater weichen: Das Haus im Bereiteranger wurde von den Erben meistbietend verkauft. Allen Mietern und Gewerbetreibenden wurde gekündigt. Zum 31. März müssen sie raus.

Neuer Eigentümerdes Gebäudekomplexes aus Vorder-, Seiten- und Rückgebäude ist jetzt eine Projektentwicklungsgesellschaft. Nach deren Plänen sollen hier Wohnungen und kleinere Stadthäuser entstehen. „Die Nutzung des Gebäudes soll komplett geändert werden“, sagt Holger Eberlein, einer der neuen Besitzer.

„Wir haben bereits einen genehmigten Bauvorbescheid.“ Günstig werden die neuen Objekte sicher nicht – „so nah an der Isar ist sowieso alles sehr teuer“, so Eberlein. Seit 1986 besteht das Marionettentheater dort in der Au. Im Haus sind sie die ältesten Mieter. 2009 hat Florian Bille (26) das Theater vom Großvater übernommen und renoviert. Heute führt er es mit seiner Frau Wlada (24). Florian ist bei seinen Großeltern im Theater aufgewachsen. Er will um seine Existenz und die Familientradition kämpfen.

Das junge Paar sucht fieberhaft nach einem neuen Standort. Die Bauarbeiten im Bereiteranger sollen erst im Herbst beginnen. Florian Bille hofft, dass er vielleicht ein bisserl länger bleiben kann. „Vielleicht verschafft uns das noch etwas Luft für die Suche.“ Ein neues Quartier für ein Marionettentheater? Schwierig. „Wir brauchen 150 bis 300 Quadratmeter und eine Deckenhöhe von vier bis fünf Metern.“ Außerdem muss das neue Domizil zentral gelegen sein. „Wir spielen ja hauptsächlich für Kinder“, sagt Bille. Und er glaubt nicht, dass Familien zum Marionettentheater in irgendein Gewerbegebiet am Stadtrand fahren.

„Wir zahlen derzeit knapp 1300 Euro Warmmiete und decken nur gerade so unsere Kosten“, sagt Bille. Dabei arbeitet Florian gelegentlich als Pianist, Wlada gibt dreimal die Woche Ballettunterricht. Mehr Zeit bleibt nicht neben dem Theater. Vormittags wird gespielt, am Nachmittag steht Büroarbeit an. Am Wochenende ist nachmittags und abends Vorstellung. „Ich spiele seit meinem neunten Lebensjahr im Theater mit. Ich wollte nie etwas anderes machen“, sagt Florian Bille.

Eigentlich hat das junge Paar große Pläne für sein Theater. Gerne würden sie mehr Stücke für Erwachsene anbieten, Opern zum Beispiel. Die Besucherzahlen sind konstant. Das Stammpublikum kommt seit Generationen.

Auf der Suche nach Ersatzräumen hat sich Bille bereits ans Kulturreferat gewandt. „Ein dauerhaftes Quartier, wie es das Theater braucht, haben wir nicht anzubieten“, sagt Christoph Schwarz vom Kulturreferat. Auch eine Förderung sei leider nicht möglich, „wir unterstützen bereits das Münchner Marionettentheater.

Wieder eine Wanderbühne aus dem Theater zu machen, ist nicht möglich, sagt Bille. „Dafür ist die Nachfrage mittlerweile viel zu gering“. Was wird, wenn sie nichts finden? „Dann stirbt eine jahrhundertealte Tradition.“

 

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